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- Der Feind meines Feindes ist mein Freund -
Die USA sind zum Spezialisten in der Disziplin Monster kreieren
geworden. Osama Bin Laden ist nur als jüngster in einer ganzen
Reihe von US-unterstützten Despoten, Diktatoren und Verbrechern
gegen die Menschlichkeit anzusehen. Unzählige Male haben die USA
Training, Logistik und finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt,
um Führer an die Macht zu bringen, die Menschenrechte mit Füßen
treten, ausgedehnten Drogenhandel betreiben, demokratische Grundrechte
mißachten oder Massaker und Völkermord als Mittel zum Zweck
einsetzen.
Weltweit unterlaufen den Vereinigten Staaten hierbei jede Menge böser
Schnitzer - gewöhnlich auf der Schiene der Central Intelligence
Agency (CIA). Saddam Hussein gegen den Iran aufzubauen, erwies sich
ebenso als Fehler wie die vorhergehende Unterstützung des Schahs
von Persien. Die Beteiligung der CIA an der Ermordung Lumumbas und beim
Überfall auf Kuba, die Unterstützung Manuel Noriegas, Pinochets
und Dutzender anderer Potentaten, Militärführer und Guerillas
in Süd- und Mittelamerika war ebenso ein Fehler wie die Unterstützung
der Taliban - als Speerspitze gegen die Russen. Die CIA setzte dabei
als Büttel der US-Waffenlobby und der Rohstoffkartelle oftmals
auf die falschen Pferde, was dann zu schwerwiegenden Rückstoß-Effekten
führte. Im Englischen gibt es hierfür das Wort Blowback.
Keiner dieser Führer war mal gut, um später böse
(evil) zu werden. Alle diese Führer waren bereits vorher korrupt,
antidemokratisch, ruchlos und zumeist schon als Mörder bekannt,
lange bevor sie die Hand der sie fütternden USA zu beißen
begannen. In der Tat waren es bereits diese Charakterzüge, die
sie überhaupt erst zu empfänglichen Kandidaten für die
Unterstützung der USA werden ließen, wobei die Unterstützung
der Amerikaner oftmals erst dann eingestellt wurde, wenn diese Heloten
für die Ziele der Amerikaner nicht länger nützlich schienen
oder ungehorsam wurden.
Die Liste der dieserart als nützliche Marionetten und Idioten der
Welteroberungspläne der Amerikaner mißbrauchten Figuren ist
lang; allein im 20. Jahrhundert mischten sich die USA in mehr als 60
Ländern ungeniert mit Milliarden und ohne die geringsten Skrupel
in die dortigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse ein,
natürlich vor allem aus einem sehr egoistischen Grund, leider jedoch
auch mit einem sehr engen Horizont. Die Lusitania-Affäre im Ersten
Weltkrieg, die aufstrebenden Diktaturen in Spanien, Italien und nachgerade
die Finanzierung Hitlers, Korea, die Philippinen, Kuba, Japan, Taiwan
- keinem der Präsidenten der USA und den führenden Köpfen
im Wirtschafts- und Verteidigungsministerium wurde bisher die (so oft
beschworene) göttliche Eingebung zuteil, einmal zu hinterfragen,
mit welchem Recht die USA vermein(t)en, sich den Rest der Welt untertan
zu machen. In Wahrheit ist der US-Präsident nur Gallionsfigur der
knallharten und brutal agierenden Mafia der Finanz-, Rohstoff- und Waffenkonzerne.
Kaum ein US-Bürger weiß, daß die Familie Bush ihr Vermögen
W.s Großvater und dessen wirtschaftlichen Aktivitäten
in NS-Zeiten verdankt. Ebensowenig wissen sie wohl, daß Bush senior
der Aufsichtsratsvorsitzende des größten Rohstoffkartells
(American-Anglo/Carlyle) ist, das auf vier Kontinenten, vor allem im
Kongo skrupellos fremde Rechte ausbeutet und die dortigen Unruhen nützt
und schürt.
Allen Lesern des zeitreport, die sich nicht devot und politisch desinteressiert
dem Schröderschen Diktum der uneingeschränkten
Solidarität zu unterstellen bereit sind, darf ich an dieser Stelle
das Buch Ein Imperium verfällt - Ist die Weltmacht USA am
Ende? (Autor: Politikwissenschaftler Prof. Chalmers Johnson, ehem.
Berater der CIA und Professor an der University of California, heute
Präsident des Japan Politic Research Institute, Goldmann-Verlag,
ISBN 3-442-15158-9) dringend empfehlen.
Es hat nichts mit Weltverschwörungstheorie zu tun, wenn man die
USA als die übelste Ausprägung geostrategischen Staatsterrorismus
der Gegenwart bezeichnet. Nirgendwo sonst feiern größenwahnsinnige
Selbstüberschätzung, ein bigottes Gefühl göttlicher
Auserwähltheit und intellektuelle Kurzsichtigkeit so fröhliche
Urständ wie in Gods own country.
Daß die europäischen Statthalter US-amerikanischer Militär-
und Wirtschaftspolitik, insbesondere Großbritannien und die Niederlande,
amerikanischem Größenwahn wohl niemals in den Arm fallen
werden, darf als grundsätzlich und historisch begründet vorausgesetzt
werden. Aber auch von Seiten der übrigen europäischen Vasallen,
insbesondere der Bundesrepublik, ist mit wenig Gegenwehr zu rechnen.
Wenn egozentrischer Dummheit made in USA wirksam Einhalt geboten werden
soll, dann nur über eine breite Bewußtseinserweiterung derjenigen,
die bislang die Gefährlichkeit amerikanischer Destabilisierungspolitik
und die reale Kriegsgefahr, die von der ungehemmten Expansionspolitik
der USA ausgeht, nicht sehen.
Daß die Hemmschwelle für grenzüberschreitende Attacken
und Kriegsdrohungen vor allem aufgrund der blindwütigen Kreuzzugsmentalität
eines wildgewordenen Texaners und der ihn mit Jubelschrei unterstützenden
Militärclique heute so niedrig liegt, wie seit 25 Jahren nicht
mehr, wird vielen Menschen wohl erst bewußt werden, wenn die in
Schwarzafrika verübten Genozide eine neue Qualität erreichen,
Saudi-Arabien explodiert, Pakistan und Indien mit Millionenheeren aufeinander
losstürmen, der nächste Nahost-Krieg ausbricht, die beiden
Chinas ihrem ideologischen Geplänkel militärische Tatsachen
folgen lassen und auch Südamerika unter dem wirtschaft- und finanzpolitischen
Druck der nordamerikanischen Globaldiktatur in eine zunehmende Destabilisierung,
bis hin zu realen Bürgerkriegen, trudelt.
Die USA verkennen in ignoranter Hybris, daß sie inzwischen einen
Großteil der weltweiten Sympathie und des Mitgefühls nach
den Geschehnissen des 11. September eingebüßt oder gar gänzlich
verloren haben. Dies erfahren diejenigen US-Amerikaner, die den Blick
oder gar den Fuß jenseits US-amerikanischer Grenzen setzen, nur
glaubt ihnen zuhause kaum einer. Der genuine Kampf der rund 270 Millionen
Amerikaner gegen das Böse im Rest der Welt verschleiert,
wie mächtig der Feind im eigenen Lande, wie groß die Gefahr
inneramerikanischer Unruhen und schwelender Probleme längst ist.
Man kann Chalmers Johnson nur zustimmen: Das US-amerikanische Weltreich
steht nur noch auf tönernen Füßen und kurz vor dem Einsturz.
Doch wer in den USA kennt schon die Geschichte Roms und Griechenlands,
Ägyptens und Spaniens, Persiens und der Türkei, der Niederlande,
Portugals und Großbritanniens?!?
H.-W. Graf
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