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Es ist wirklich an der Zeit, unserer sozial-, wirtschafts-, innen-,
außen-, umwelt-, wissenschafts- (vor allem gen-), unterhaltungs-
und spaßpolitischen Allzweckwaffe, Bundesmanager Schröder,
den längst erarbeiteten Lorbeerkranz zu winden (halt, nein, das
war ja der Jungfernkranz. Aber egal.).
Reminisziere man doch nur seine Vorgänger, die Brandts und Schmidts
und Kohls - allsamt Zeitgenossen, die sich eigene Ansichten und Meinungen
leisteten, in schierer Überheblichkeit meinten, diese dann auch
noch vertreten zu müssen und uns, die devoten Wahlbürger,
damit zu beglücken. Pfui, welch eitle Faune. Vor allem der
Letztgenannte war ja nur noch damit beschäftigt, eigenen Ruhm und
geschichtlichen Wert zu mehren, bösartig aus dem Weg zu räumen,
was immer sich ihm entgegenstellte.
Wie ganz anders hingegen unser aller Gerhard! In einer Oskar-verdächtigen
Mischung aus vorgespiegelter Ernsthaftigkeit und innerer Anteilnahme,
fundierter Themendurchdringung und spitzbübisch zur Schau getragener
Leutseligkeit gibt er nun seit 800 Tagen den Bundesmanager. Das soll
ihm irgendeiner der übrigen Polit-Mimen erst mal nachmachen. Wer
vermag so geistreich-bedächtig Worthülsen abzusondern, so
mutig in die Grenzbereiche niedrigster Intellektualität vorzustoßen
und sich über Ambra Grisea ebenso flüssig auszulassen wie
über die Unsterblichkeit der Cepa . Kein noch so (un)wichtiges
Thema ist ihm fremd - abzulesen, was ihm Fachleute vor die nickelig
bebrillte Nase legen, vermag er glänzend. Lebt er uns nicht in
geradezu idealer Weise tagtäglich das Potpourri aus vorgespiegelter
Omniscienz und hedonistischer Gemütlichkeit vor, an der es uns
deutschen Trübsalblasern, Weltverzweiflern und neurotischen Pessimisten
so allzumal gebricht?
Unser Gerhard im Glück, weltweit bestauntes orthopädisches
Phänomen , ölt sich behend durch jede Ritze aller sich ihm
in den Weg stellenden Hindernisse. Gekonnt schlägt er jede noch
so fiktive Brücke zwischen allen noch so divergierenden Differenzen.
Fernab aller ideologischer Bremsen, zementierter Überzeugungen
oder hemmender eigener Meinungen genießt er den Raum, den ihm
seine undefinierbare Allseitigkeit eröffnet - was sonst hätte
er denn werden sollen?
Dieses charmante Flair ungenierter Hochstapelei, diese rührend-gestelzte
Ausdrucksweise, dieser behende Tanz unserer Politballerina zwischen
Gewerkschaften und Großkapital - auf den Nasen der Klein- und
Mittelständler, die dies kaum wahrnehmen.
Wer ihm neidvoll-hilflos vorwirft, er schlurfe in eigentlich zu großen
Pantoffeln herum, irrt gewaltig; um in unserer bundesdeutschen filzokratischen
Vermengung von Parteiendemokratur und geschichtsbedingter Unmündigkeit
leistungslos überleben zu können und sich wichtig zu machen,
zählt nur ein Höchstmaß an meinungsentleerter Anpassungsfähigkeit
und der ausgeprägte Wille, sich wirklich jedem Bedürfnis einer
sich auch nur halblaut äußernden Lobby willenlos unterzuordnen.
Keine Sorge, MeloKaZ Schröder wird mit dem snobistischen Blair
ebenso leicht fertig, wie mit dem aufgeblasenen Bush oder dem Stoiker
Putin. Ob er Arafat, Sharon oder Kara Ben Nemsi die Füße
küßt, Hundt oder Zwickel herzlich umarmt, ist Gerhard völlig
egal. Doris Bewunderung ist ihm allemal sicher. Die ist nicht
so bockbeinig und eigensinnig wie Hildrud, und sollte sie mit 60 Gerhard
nicht mehr ins Konzept passen oder noch mehr Kindergequassel von sich
geben, tauscht der sie sicher flugs gegen drei 20-jährige ein.
Nein, MeloKaZ mag nur äußerlich klein und gedrungen wirken
und den Anschein nichtssagender Bedeutungslosigkeit haben. In Wahrheit
ist er der Größte. Ob der selbstgefällige Fischer noch
großspurig meint, sich als Privatmann, Grüner, Landespolitiker
und Bundesminister jeweils völlig unterschiedliche Meinungen leisten
zu müssen, geht Gerhard den geraden Weg: er hat einfach gar keine!
Gerhards wahre Größe haben sie alle noch nicht erkannt.
Er könnte den Papst zum Islam konvertieren lassen, Saddam Hussein
zu einer Popkornvertreterkarriere überreden, die Palästinenser
mit den Israelis einen und die neuen Bundesländer zur genomischen
Versuchsstation mutieren lassen - wenn man ihn denn nur ließe.
Grüne und Rote beißen die Zähne zusammen, wenn Gerhard
I. wieder mal alle vorherigen Zusagen, großspurigen Versprechungen
oder nicht ernst gemeinten Äußerungen vergessen, einmal mehr
der Wahrheit ein Schnippchen geschlagen hat. Man feiert ihn als den
kleinen Gernegroß, ders von ganz unten richtig nach oben
gebracht, Kohl vom Thron gestoßen und die Grünen vor den
Karren gespannt hat. Struck und Müntefering agieren als Schirrmeister
und Bodyguard, Trittin ist längst politisch kastriert und wenn
Fischer aufmuckt - ein Wink mit Madeleine Albrights Telefonnummer genügt;
sie droht Joschka dann mit einer Taxilizenz in der Bronx.
Der Salon-Sozi hat derzeit weder eine halbwegs ernstzunehmende Opposition
noch innerpolitische Konkurrenten zu fürchten. Gerhard ist zeitlos
und beliebig. Alles faustische ist ihm fern, und wenn wir Verona Feldbusch
gestatten, auf unser aller Kosten glänzend Karriere zu machen,
so hat dies unser aller Bundesmanager doch mindestens ebenso verdient.
Gönnt ihm doch sein Titelchen und die damit verbundene Kohle. Sein
Unterhaltungswert ist mindestens ebenso hoch, wie der von Michael Schumacher,
Thomas Gottschalk und Mike Tyson. Immerhin dürfen wir ihn tagtäglich
genießen - beim Tanz auf dem Drahtseil.
Ironymus
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