Gerhard Heeren
Enteignung
Von H.-W. Graf - 30.08.2001
Korruption pur

 

Wann immer in der Geschichte ein System (Fürsten, Staaten, Konzerne)ein anderes übernahm, geschah dies stets nach dem gleichen "Muster"; der "Sieger" versuchte, das "Beutegut" bestmöglich, in sein "siegreiches" System zu integrieren, mögliche Widerstände auszuschließen, anfallenden Kosten zu minimieren und die für den "Feldzug" aufgewendeten Kosten zu kompensieren, um die Financiers zu befriedigen und sich diese für weitere "Feldzüge" warmzuhalten.

Da die System-Manager nur in den seltensten Fällen über wirkliche Kenntnisse bzgl. der inneren Verhältnisse und der Historie des "Beute"gutes"" (des Staates, der Firma, vor allem der darin lebenden Menschen) verfügten, daran auch gar kein wirkliches Interesse hatten und schon gar nicht über die Bildung verfügten, den wertvollen Inhalt zu erkennen, den es zu bewahren und ins neue System zu integrieren wert gewesen wäre, waren derartige Systemsiege des einen über den anderen regelmäßig mit der Auslöschung des unterlegenen Systems verbunden.

Nichts anderes geschah leider nach dem Fall der Mauer. Der Pseudo-Historiker Kohl und seine nur parteipolitisch geschulte Camerilla waren schlicht zu dumm, zu erkennen, welche historische Chance einer menschlichen, sozial verantwortungs-bewußten und wirtschaftlich klugen Wiedervereinigung sich am 9.November bot.

Der DBSFS hat bereits im Febr.1990 den ersten VEB (die Firma Grotex in Berlin) in sozial und ökonomisch sauberer Weise zu reformieren versucht. Trotz wertvoller Ansätze und (anfangs) kluger Mithilfe der Generaldirektorin (bis sie sich restlos von Dritten verwirren ließ) und trotz der Unterstützung durch Detlef Rohwedder, der sich niemals kaufen ließ, die drohenden Gefahren genau kannte und dies letztlich (weil er sich dem System verweigerte) mit dem Leben bezahlte, scheiterten wir in einem Umfeld der Gier (des Sieger-Systems wie auch der Menschen des "besiegten" Systems) und der Angst, zu kurz zu kommen, zurückzubleiben und vergessen zu werden.

Vor diesem Hintergrund: Kohl und seine Schergen mußten das, was ihnen da unvermittelt in den Schoß gefallen war, den Bundesbürgern wie auch den "Ossis" irgendwie als bezahlbar und wertvoll "verkaufen". Dazu war ihnen absolut jede Lüge recht ("blühende Wiesen", "kein zusätzlicher Aufwand an Steuern", etc). Nun galt es zu überlegen, was aus dieser "Erbschaft" zu Geld zu machen sei. Nun, da waren die Grundstücke, darauf befindliche Gebäude, noch gelagerte Waren, bestehende persönliche und Handelsbeziehungen zum Ostblock, vorhandenes know-how und die bestehenden Verwaltungsstrukturen.

All dies stand auf der Habet-Seite der Bilanz der ehem. DDR.

Nicht gerechnet haben die "Sieger" (Kohl als DEN WIEDERVEREINIGER zu feiern, ist ein Witz!) mit verseuchten Böden, einer (in 43 Jahren)in vielerlei Hinsicht anders gewachsenen "Ossi"-Mentalität und völlig fehl-eingeschätzten ökonomischen Realitäten, die eine scheinbar lukrative "Erbschaft" plötzlich als ein sozial- und wirtschaftspolitisches "Faß ohne Boden" erkennen ließen.

Dies war wirklichen Experten eigentlich schon vorher klar, zumindest aber nach wenigen Wochen.

Statt auf diese zu hören und die wahren Verhältnisse "Wessis" wie "Ossis" gegenüber zuzugeben - was der ebenso blöden und ideologisch verseuchten Opposition natürlich in die Hände gespielt hätte -, logen Kohl und sein Gefolge über alle Realitäten hinweg, um die Wahlen 199o zu gewinnen und den Osten der Republik für die Regierungskoalition zu vereinnahmen, wobei man auf die Angst und Irritation der "Ossis" ebenso baute wie auf den Mangel an realem ökonomischen Wissen in Ost- und Westdeutschland. So entstand u.v.a. die Lüge vom "Restitutionsverbot" der Russen (resp. Gorbatschows), das sich sogar das Bundesverfassungsgericht ohne Prüfung und wider besseres Wissen zu eigen und zur Grundlage seiner Ablehnung berechtigter Ansprüche machte.

Um nun das tatsächlich bankrotte System des irrealen Sozialismus "heim ins Reich" zu holen, gab man die dortigen Latifundien zum "Abschuß" frei; westliche Konzerne konnten sich für die berühmte DM 1,- Betriebe, Immobilien und ganze Belegschaften kaufen (nebst Lagerbeständen und Patenten), solange dazu nur theoretisch verwirklichbare Aufbaupläne geliefert wurden (weniger als 1% wurden dann tatsächlich realisiert). Man ließ ganze Hundertschaften von "Unternehmensberatern" - ab 1.7.90 (vorher gab´s keine DM - und Strukturvertriebe nach Osten ausschwärmen und ermunterte Konzerne, sich im Osten zu engagieren. Kein Wunder, daß Kohl & Co flugs ihre hehren Worte, ehemals begangenes Unrecht zu sühnen und enteignete Betriebe und Besitzstände wieder an die rechtmäßigen Eigentümer zurückzugeben, "vergaßen". Man baute dabei darauf, daß diese Alteigentümer den Versprechungen glaubten und zuzuwarten bereit wären. Außerdem hatten diese keine Lobby, und bis sie merkten, daß sie restlos verschaukelt worden waren, war es ohnehin beinahe zu spät. Außerdem holte man sich willige Ost-Politiker ins Boot, die in der alten Regierung nur zweite Geigen gespielt hatten, aber mit der Ost-Mentalität bestens vertraut waren und alle Verbindungen hatten (bzw. kannten), die für den Aufbau eines politischen Netzes westlicher Couleur notwendig waren. Letztlich galt es, die beiden "christlichen" Kirchen (die sich mit jedem System stets zu arrangieren verstanden) ins Boot zu holen.

Dieser Strategie verdanken wir die Krauses und Stolpes, Bergmann-Pohls und Merkels u.v.m. aber auch die leitenden Beamten in Arbeitsämtern und Kanzleien, Richter und Grundbuchfürsten, Dezernenten und Medienbeauftragten in den neuen Bundesländern.

Daß Schröder - der erste Bundeskanzler ohne Rückgrat und jedwede eigene Meinung - und sein Hofstaat diese Fülle von Kohl’schen Lügen und Verbrechen nun seinerseits auch nicht rückgängig macht, ist logisch; es würde "Wessis" wie "Ossis" das ganze Ausmaß politischer Korruption vor Augen führen und Ost wie West in eine nachhaltige Vertrauenskrise stürzen, die mutmaßlich sogar das gesamte politische System tatsächlich gefährden könnte. Vor nichts haben die Parteien und ihre Heloten mehr Angst.

Erst wenn sich die BürgerInnen ("Ossis" wie "Wessis") auf ihre ureigene, gemeinsame Verantwortung besinnen - jeden "Wessi" muß berühren, was rund 2 Mio. Enteigneten widerfährt! - und daraus politische Handlungsbereitschaft erwächst, können wir der politischen Verantwortungslosigkeit, permanenter Korruption und staatlicher Hehlerei, parteipolitischem Schmarotzertum, gekaufter Richterschaft und Behördenschmiere Einhalt gebieten und diese Bande aus dem Tempel jagen.

Quod ESSET Demonstandum!

H.-W. Graf

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