| In Netzwerken denken und handeln |
| Von H.-W. Graf |
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Daß kooperatives Handeln katalysatorisch wirken, Synergien freisetzen und damit - kosten- und zeitsparend - qualitativ effizienter wirken kann, ist jedem denkenden Menschen klar. Wenn nun bisweilen - dafür hält der Volksmund das Sprichwort: „Der Starke ist am mächtigsten allein“ parat - das Gegenargument vorgebracht wird, daß der einführende Satz beileibe nicht nur im positiven Sinne gilt, vielmehr damit auch negative Strömungen und Tendenzen durch Kooperationen (im simplen Sinne von Zusammenschlüssen) akzeleriert werden , so ist dies zwar generell richtig, da auch negative Bewußtseinszustände und Handlungsmuster durch Kooperativen schneller zum Ziel führen, da jedoch deren Endziel destruktiver Natur ist, wird - zwar schmerzhaft, aber im Grunde schon wieder als positiv zu betrachten - die destruktive Zeitdauer abgekürzt, der innere (und äußere) Zusammenbruch destruktiver Denk- und Handlungssysteme jedoch beschleunigt. Daß sich dahinter mitunter Abertausende von Einzelschicksalen verbergen, sollte uns den Blick für die Frage nicht verstellen, wieviel mehr an Opfern ein langsam siechender Destruktionsprozeß gefordert hätte. Lassen Sie mich dies am Beispiel der keineswegs zynisch gemeinten Frage festmachen, ob der Abwurf der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki in Wahrheit insofern segensreich war, als sie die Kapitulation Japans erzwangen und damit mutmaßlich Hunderttausende von Menschen gerettet haben, die in einem weiter andauernden Krieg ihr Leben verloren hätten.
Eins können wir mit Sicherheit sagen: Positiv gerichtete Synergien beschleunigen Denk- und Handlungsmuster ebenso wie negative. Da erstere konstruktiver, letztere jedoch destruktiver Natur sind, sollten wir in jedem Falle unser Handeln darauf ausrichten, positive Synergien zu entwickeln und wirken zu lassen. Zu eben diesem Zwecke dient der Aufbau von Netzwerken, d.h. der bewußten Verbindung gleicher oder möglichst ähnlicher Denk- und Handlungsmuster.
Wenn sich Firmen ähnlicher Begriffsinhalte (Produktion oder Dienstleistung) zusammenschließen, um damit im Wettbewerb logistische, personelle oder infrastrukturelle Ressourcen gemeinsam und damit kosten- und zeitsparender zu nutzen, so geschieht dies aus dem Bewußtsein, konkurrenzfähiger und betriebswirtschaftlich erfolgreicher zu werden. Wenn Firma A. sich die Mehrheit bei Firma B. sichert - auch wenn dies als unfriendly take-over angesehen wird -, so dient dies nicht der Kooperation, sondern der Destruktion des einen (B) zu Gunsten des anderen (A). A. schluckt also B., um einen bedrohlichen Konkurrenten aus dem Wege zu räumen und ist dafür bereit, eine Menge an positiver Energie zu investieren - in der Hoffnung bzw. Aussicht, mittel- oder langfristig erfolgreicher zu sein. Während also ein auf Freiwilligkeit, Einsicht und eine gemeinsame Zielausrichtung hin ablaufender Zusammenschluß zweier Firmen für beide Seiten positive Aspekte beinhaltet, ist ein unfriendly take-over mit enormen Energieverlusten behaftet, trägt also grundsätzlich destruktive Züge.
Das gleiche gilt für den Zusammenschluß von Staaten zu einem gemeinsamen Verbund. Insofern unterscheidet sich die Entwicklung der Vereinigten Staaten von Amerika grundsätzlich von dem, was derzeit im Wege der Europäischen Gemeinschaft vonstatten geht. Während erstere der Befreiung vom Joch der europäischen Staaten (vornehmlich England und Frankreich) diente, wird den europäischen Nationen suggeriert, sie hätten überhaupt nur eine wirtschaftliche Überlebenschance (gegenüber den USA und der NAFTA einerseits bzw. Japan und den Schwellenländern Südostasiens andererseits), wenn sie sich unter Preisgabe ihrer eigenen nationalen Souveränität zu einem Staatenbund zusammenschlössen. Unter gleichem Aspekt sind viele Geschehnisse aus den letzten 10.000 Jahren Menschheitsgeschichte zu sehen. Der Untergang von Völkern, Nationen und ganzen Kulturkreisen, die Vernichtung natürlicher Ressourcen und ganzer Landstriche durch die Rodung riesiger Waldgebiete, die Verseuchung von Flüssen und Seen, das gnadenlose Ausmerzen von Arten und Gattungen aus dem Tier- und Pflanzenreich, aber auch die vorgeblich „christlich“ motivierte Missionierung ganzer Kontinente und Unterjochung der dort lebenden Völker (gleiches gilt heute für die gewaltsame Islamisierung) - all’ dies waren und sind Formen korruptiver Vereinnahmung durch militärische, wirtschaftliche und technische Überlegenheit, also zwangsweise.
Aus obigen, ganz unterschiedlichen Beispielen läßt sich also festhalten:
1. Zusammenschlüsse von Firmen und Staaten sind seit alters her üblich und bekannt. 2. Die dahinterstehenden Motive zielen entweder (und leider meistens) darauf ab, die Position eines anderen (einer Firma oder eines Landes/Staates bzw. einer Nation) dahingehend auszunutzen, daß das eigene Terrain erweitert, ein Konkurrent aus dem Weg geräumt, Know-how/Patente übernommen und der eigene Einfluß gestärkt wird („unfriendly take-over“), oder aber zwei (bzw. mehrere) Partner schließen sich zu beiderseitigem Nutzen und mit einer gemeinsamen Zielrichtung zusammen, um damit effizienter, konkurrenzfähiger und kostengünstiger wirtschaften zu können. Im erstgenannten Fall stehen rücksichtslose und korruptive Elemente im Vordergrund, während im zweiten Fall das kooperative Moment dominiert.
Selbst das Eingehen einer Partnerschaft durch zwei Personen - mit gemeinsamer Wohnung und Kasse - stellt eine derartige Kooperation dar (wobei nicht selten erst im Nachhinein auch starke korruptive Momente zutage treten können).
Es gibt jedoch auch andere Formen der Kooperation, die ganz unterschiedlich gesehen und bewertet werden können; da betätigt sich ein Arbeitsloser nebenbei („schwarz“) als Handwerker, er mäht Rasen, schneidet Bäume und arbeitet als Erntehelfer. Mutmaßlich Zehntausende von Frauen arbeiten in Tausenden von Haushalten als Putzhilfen, Näherinnen, Büglerinnen oder als Haushaltshilfen und Kindermädchen. Wer darüber den Stab brechen, diese Form von „Schwarzarbeit“ eilig verurteilen mag, sollte nicht vergessen, daß andererseits wohl kein Staat formale Gesetzestreue einfordern kann, der andererseits in derart rigider Form vor allem diejenigen bestraft, die es sich eben nicht auf Kosten der Allgemeinheit - eine Form negativer (und damit korruptiver) Kooperation - bequem machen. Es gibt also sehr wohl Grenzfälle, bei denen es sorgsam abzuwägen gilt, ob das kooperative oder das korruptive Element überwiegt.
Beschäftigen wir uns im folgenden vor allem bis ausschließlich mit positiv determinierten Formen der Zusammenarbeit. Hierfür gibt es verschiedene Ebenen und multiple Möglichkeiten, wobei wir (zweckmäßigerweise) eine Mittlerschiene von vornherein außer acht lassen - den Staat und seine institutionellen Tentakeln (übrigens ein Punkt, warum das Arbeitsamt bei weitem nicht so effektiv ist, wie dies eigentlich zu erwarten wäre).
In Netzwerken zu agieren („Networking“) ist nun sowohl unter Einzelpersonen wie auch zwischen verschiedenen Organisationen möglich, aber auch in wechselnder Weise zwischen Einzelpersonen und Institutionen. Prinzipiell dient „Networking“ dazu, als gemeinsam erkannte Ziele gemeinschaftlich und unter Einbringung der eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten schneller zum Ziel zu führen. Dieses Ziel kann materieller, funktionaler und organisatorischer Art sein, es kann jedoch auch geistige Ideen zum Inhalt haben oder humanitärer (idealistischer) Art sein.
Wo beginnt „Networking“? Networking ist ein 24-Stunden-Job. Im Idealfall - doch gemach: das zu erlernen dauert Zeit - sind Sie in allem, was Sie tun, derart offen, daß Sie ständig im geistig-seelischen Verbund mit Ihren eigenen Zielen, Wünschen und Gedanken stehen und mit den darin involvierten Menschen und Institutionen. Im Klartext: Sie lesen z.B. eine Zeitschrift und stoßen dabei auf einen Artikel über archaische Funde in Kenia. Wiewohl Sie daran persönlich nur ein geringes Interesse haben (obgleich Sie den Artikel unter dem Rubrum „Allgemeinbildung“ dennoch lesen), kommt Ihnen unvermittelt ein Freund oder Bekannter in den Sinn, dessen erklärtes Hobby die Archäologie ist. Nun gehen Sie - den Eigentumsverhältnissen entsprechend - ans Networking: Sie trennen den Artikel aus dem Magazin oder photokopieren ihn, notfalls informieren Sie Ihren Freund/Bekannten darüber, daß er sich dieses Magazin besorgen soll. Hintergrund: Keiner von uns kann sämtliche täglich oder wöchentlich erscheinenden Zeitungen lesen, und ohne Ihr Mitdenken wäre Ihr Freund/Bekannten möglicherweise auf diesen Artikel nie gestoßen. Ein zweites Beispiel: Sie erhalten von einem Vortrag Kenntnis, der nur einmal und zu einer bestimmten Zeit stattfindet. Ob Sie selbst diesen Vortrag besuchen oder nicht - Ihnen fallen sofort etliche Zeitgenossen ein, die vielleicht an diesem Vortrag ebenfalls Interesse haben könnten. Nur durch Ihre Information erfahren diese Networking-Partner von dieser Gelegenheit. Sie können diese Gedanken fortspinnen - tagtäglich werden Sie auf Dutzende derartiger Chancen für real gelebtes Networking stoßen. Nach und nach internalisieren Sie diese Vielzahl an Chancen für täglich gelebtes Networking. Es wird ein Teil von Ihnen, was immer Sie tun, was Ihnen gerade als Idee in den Sinn kommt, Ihnen physisch oder mental über den Weg läuft. Dazu gehört auch, daß Sie jeden neuen Gesprächspartner, den Sie kennenlernen, sofort mental in Ihr Network integrieren. Sie lernen z.B. eine(n) Gesprächspartner(in) kennen, der/die sich im Gespräch als Experte/in für dieses oder jenes offenbart. Real gelebtes Networking äußert sich nun darin, daß Sie dieser Person von anderen Bekannten erzählen, das Interesse an einer Kontaktaufnahme hinterfragen und damit Leute in Verbindung bringen, die sich ohne Ihr Dazutun mutmaßlich nie kennengelernt hätten.
Networking ist das aktive Knüpfen von Verbindungen zwischen Personen/Institutionen und Institutionen/Personen - und dies nicht nur in Fällen, wo Sie selbst davon einen unmittelbaren Nutzen haben. Gerade dieses ständig offenen Auges Mitdenken macht einen echten Networker aus. Sie werden erstaunt sein, welche Verbindungen Sie hierdurch knüpfen, wievielen Menschen Sie damit ungeahnte Chancen eröffnen - ob diese sie dann nützen, bleibt ihnen überlassen. Wundern Sie sich jedoch auch nicht darüber, daß Ihr Vorbild dann zunehmend Schule macht; plötzlich werden Sie durch das Networking eines anderen mit Möglichkeiten der Kontaktaufnahme überrascht, die auf das Networking eines Menschen zurückzuführen sind, den Sie vielleicht bislang noch nicht einmal für Network-fähig gehalten haben. Er hat ganz einfach Ihre Vorbildfunktion aufgegriffen und wurde selbst zum Networker, ohne nach einem unmittelbaren Vorteil für sich zu suchen.
Viel zu oft überlassen wir es hoffnungsvoll anderen, uns Chancen einzuräumen und Gelegenheiten zu beschaffen. Viel zu häufig warten wir auf die Aktivitäten übergeordneter Strukturen (unserer Firma, des Betriebsrates, Politikern, Parteien oder Gewerkschaften), statt daß wir uns der Fülle von Chancen bewußt werden, selbst zum Profi-Networker zu werden.
Wer ständig gelebtes Networking zum integralen Bestandteil seines eigenen täglichen Lebens werden läßt, wird einen Zugewinn in seinem eigenen Erleben, eine Intensivierung seines Lebensgefühls und eine Öffnung seines persönlichen Horizontes erleben, der alles, was er im Elternhaus und in der Schule, in seiner Firma und auf Universitäten je erfahren und gelernt hat, um ein Vielfaches übersteigt. Networking führt zu einer Bereicherung des eigenen Ichs und zu einem gänzlich neuen Selbstverständnis, welches binnen kurzem geradezu magische und magnetische Kräfte entwickelt, freisetzt und wirken läßt. Probieren Sie es doch einfach einmal aus - gleich heute! |
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