| Die Bewußtseins-Pyramide |
| Von H.-W. Graf |
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Einleitung Ganze Heerscharen von Dichtern und Denkern, Philosophen und Psychologen, aber auch Biologen und Biochemikern haben sich über Tausende von Jahren hinweg über diesen Begriff den Kopf zerbrochen, Mutmaßungen angestellt und kontrovers diskutiert. In jüngster Zeit nähern sich Philosophen, die das Bewußtsein mehr „abstrakt“ hinterfragen, und die modernen Naturwissenschaften, die den biochemischen „Weg der Erkenntnis“ zu gehen versuchten, einander immer mehr. Da wir als heute lebende Menschen nicht warten können, bis das Geheimnis des „Bewußtseins“ mit letzter wissenschaftlicher Gewißheit erklärbar wird, andererseits tagtäglich damit konfrontiert werden, daß uns unser Bewußtsein - mitunter recht derbe - Streiche spielt, wollen wir mit dem nachstehenden Denkmodell und den Praxisbeispielen, die dieses Denkmodell erst lebbar machen, versuchen, ein wenig Ordnung in diese verwirrende Begrifflichkeit zu bringen. Wir gewärtigen oftmals, daß wir anders verstanden werden, als wir sprechen, ja sogar anders sprechen, als wir dies wirklich meinen, ohne daß dies gleich eine „Lüge“ sein muß. Gleiches erleben wir aber auch von seiten unserer Freunde und Bekannten, Familienmitglieder und Kollegen. Sich daraus ergebende Kontroversen und Mißverständnisse, Unstimmigkeiten und handfeste Streitereien - bis hin zu Empörung, Wut, Haß und allen übrigen Formen negativer Emotionalität - machen uns und unserer Umwelt das Leben schwer, führen zu Enttäuschung und Trauer. Dabei klärt sich vieles, sobald wir einen entsprechenden - räumlichen und zeitlichen - Abstand von den Menschen und Situationen haben, die uns so fürchterlich getroffen haben. Einsicht und Reue helfen zwar, machen jedoch das vorher Erlebte nicht ungeschehen. Gerade der Mensch, der beruflich darauf angewiesen ist, häufig mit anderen „Zweibeinern“ zu kommunizieren, wäre gut bedient, wenn er um die Geheimnisse des Bewußtseins und des Unterbewußtseins - also die unbewußten Abläufe seines Tuns und Handelns - besser Bescheid wüßte. Wenn das Nachstehende oftmals einen „Hang zur Theorie“ hat, so nehmen Sie dies bitte weder mir, noch Ihrem Bewußtsein übel. Schreiben Sie es - wahlweise - der Komplexität des Themas oder der mangelnden Kommunikationsfähigkeit des Autors zu. Im praktischen Teil der folgenden Ausarbeitung werden Sie das vorher Vermißte an Praxisnähe wiederfinden. Betrachten Sie dieses Denkmodell ganz einfach als das, was es sein soll: der Versuch, uns Menschen zu erklären, warum wir so „ticken“, wie wir es eben tun. Unser Denken und Fühlen bestimmt unser Tun und Handeln Wie bereits mehrfach ausgeführt und sinnfällig, entscheidet und handelt der Mensch so gut wie nie nur aus dem Gefühl oder nur aus dem Verstand. Vielmehr sind Kopf (Verstand) und Bauch (Gefühl) jeweils unterschiedlich stark bei all unserem Tun und Handeln, Beurteilen und Entscheiden mitbeteiligt. Unterschiedlich ist hierbei nur die jeweilige „Quote“ beider Parameter. Als Gedankenhilfe dazu folgende Darstellung, aus der sich - ähnlich einem Kompaß, der ja auch nicht nur die vier Himmelsrichtungen angibt - „Zwischenstadien“ ergeben, die wir einfach mit neuen Verben (Denkfühlen, Fühldenken usw.) beschreiben wollen.
Denken Denkdenkfühlen Denkfühlen Fühldenken Fühlfühldenken Fühlen Nun entzieht sich die Entscheidung darüber, zu welchen Teilen jeweils „DENKEN“ und/oder „FÜHLEN“ an unseren Handlungsweisen beteiligt ist, zumeist unserer freien Entscheidung und vielfach auch unserer Wahrnehmung. Maßgebend für das Zusammenspielen der beiden generellen Parameter ist, als welchem „Bewußtseinsfeld“ heraus wir operieren. I. Das „kosmische Unterbewußtsein“ Je tiefer der Mensch - ob in der Atomphysik, der Astronomie, der Biochemie oder der Philosophie - in die Ur-Geheimnisse des Kosmos vordringt, um so mehr verdichtet sich die Ahnung, daß der gesamte Kosmos und jedes Ur-Teil ein elementares, allumfassendes „Gedächtnis“ in sich trägt - unabhängig davon, ob es sich um organisches oder anorganisches Leben handelt - wobei diese Abgrenzung ja ohnehin praktisch nicht mehr existiert. Man könnte - metaphysisch - von einem „Ur-Code“ sprechen, aus dem sich jede noch so einfache Lebensstruktur zusammensetzt bzw. weiterentwickelt hat. Rupert Sheldrake bezeichnet dies in seinen Arbeiten („Das schöpferische Universum“) und „Das Gedächtnis der Natur“) als morphogenetische Felder. Nicht zuletzt ob der indefiniten Dunkelheit, die nach unserem heutigen Wissensstand hier noch vorherrscht, stellen wir diese unterste Stufe unserer „Bewußtseins“-Pyramide einmal schwarz dar. II. Das „archaische Unterbewußtsein“ Ohne klare Abgrenzung zur untersten Stufe gelangen wir in diese zweite Stufe - das „archaische Unterbewußtsein“, was man auch als „Stufe des kollektiven, organischen Bewußtseins“ bezeichnen könnte. Hier finden wir die primitivsten organischen Lebensformen, deren „Leben“ völlig passiv - quasi unbeeinflußt selbstgesteuert - verläuft, die weder Gefühle wie Schmerz und Angst kennen, noch in irgendeiner Weise lernfähig sind - quasi die „Archeozoen des Lebens“. Dies soll auch die indifferente Mischung aus Schwarz und Grün verdeutlichen. III.Das „evolutionäre Unterbewußtsein“ Hier steuern vegetative Abläufe und - bereits in starkem Maße - Instinkte das (immer noch unbewußte) Handlungsschema. Hier finden wir primitive, nur in Jahrmillionen lernfähige Tiere, Pflanzen und deren Zwischenstufen (Weichkorallen und Pflanzentiere). Sie können noch nicht „selbständig“ handeln, vielmehr wird ihr Leben ausschließlich von Instinkten gesteuert, nach denen sie Nahrung aufnehmen, verdauen und abgeben, sich Stoffwechselvorgänge abspielen, sie sich fortpflanzen und als Rasse zu überleben versuchen (Herden- und Rudelinstinkt). Zur farblichen Unterscheidung malen wir dieses „Feld“ grün. IV.Das „adaptierte Unterbewußtsein“ Auf dieser Stufe regieren das Gefühl, die Empfindungen und ein aktives Handeln, was allerdings in hohem Maße von adaptierten Verhaltensweisen (Erziehungs- und anderen Erfahrungsparametern) gesteuert wird. Während also ein Tier der Stufe III. weder erzogen, noch dressiert werden kann, ist dies bei einer organischen Lebensform auf der Stufe IV sehr wohl möglich. Bis zu einem gewissen Grad sind auf dieser Bewußtseinsstufe befindliche Tiere und Menschen daran sogar interessiert. Nachahmungstrieb und Neugier wirken dabei. Hier regieren Schmerz und Trauer, Wut und Angst, Neugier und das Bedürfnis, anerkannt, angenommen und geliebt zu werden. Hier wird gelacht und geweint, gehofft und gewünscht. Instinktiv (als verborgen) Empfundenes wird bewußt erlebt. Man feiert und trauert in der Gemeinschaft, hat das Bedürfnis, sich mitzuteilen und gemeinschaftlich zu erleben. Interesse und Neugier stellen aktive Handlungsparameter dar. Sexualität wird nicht mehr nur der Fortpflanzung wegen vollzogen, sondern freud- und lustvoll erlebt. Bereits auf dieser Stufe unterscheiden wir zwischen „ja“ und „nein“, „richtig“ und „falsch“, ja selbst moralische Werte beziehen wir in unser Handeln und Erleben mit ein. Hier wirken jedoch in hohem Maße - dies gilt für höherstehende Lebewesen und besonders den Menschen - Erlebnisse und Erfahrungen. Wir verinnerlichen Lehrinhalte und Erziehungsparameter, aber auch „Bannbotschaften“[1] , die dann unsere Aktionsbereitschaft hemmen oder fördern. Dieses von Emotionen dominierte Feld zeichnen wir rot. V. Das „allgemeine Bewußtsein“ Diese Stufe des Bewußtseins ist nur dem Menschen und - in geringem Maße - einigen wenigen Säugetieren (Primaten, Delphinen, Walen) vorbehalten, also den Lebewesen, die bereits über ein Groß- und Kleinhirn verfügen. Auf dieser Stufe des Bewußtseins wird planmäßig gehandelt und gedacht, berechnet und analysiert, vorausgesehen und intelligent entwikkelt. Je stärker diese Stufe V entwickelt ist, desto autarker und „selbst-bestimmter“ kann das Umfeld erlebt, aktiv beeinflußt und vor allem verändert werden. Auf dieser Stufe können empfangene Informationen nicht nur gespeichert, sondern weiterentwickelt und die Inhalte unterschiedlicher „Denkfelder“ verknüpft, also miteinander in Relation gesetzt werden. Leider befähigt diese Stufe auch zu Verhaltensweisen, die den Stufen I bis IV fremd sind: Rache und destruktives Verhalten, Kriminalität und bewußt ausgelebte Machtgier toben sich auf dieser Stufe des Bewußtseins aus. Aber auch Einsicht und Verantwortung, erste Ansätze eines Hinterfragens von Werten und einem philosophischen „Ich-Verständnis“ spielen auf dieser Stufe eine Rolle. Seine Fähigkeit, die Natur auszubeuten oder zu schützen, schöpft der Mensch aus diesem Bereich. Die in der Stufe IV erlebte Welt des Tanzes und der Musik, der künstlerischen Darstellung und der sprachlichen Kommunikation wird auf der Stufe V bewußt erlebt, weiterentwickelt und auf ihre Inhalte hin analysiert. In Anlehnung an das „Struktogramm“ (nach R. Schirm) malen wir dieses Feld blau. Anmerkung: Das „Geheimnis“ der dicken Trennungslinie zwischen den Feldern IV und V (die Sie bitte lila zeichnen sollten, eben als Grenzlinie zwischen blau und rot), ist schnell „gelüftet“: Sie symbolisiert die Probleme des Menschen, sauber und problemlos den „Inneren Monolog“ zu führen. Zur Erklärung: Unter dem „Inneren Monolog“ verstehen wir die ständige „Kommunikation“ zwischen Kopf (Geist/Verstand) und Bauch (Gefühl). Denken Sie hierbei an die „Denk-Fühl-Achse“. Dieser „innere Monolog“ läuft bei uns Menschen oftmals gestört ab, wird mitunter sogar völlig unterbunden - durch die „Bannbotschaften“, die wie Filter wirken. Ist dieser „Innere Monolog“ nachhaltig gestört, kommt es in harmlosen Fällen zu Entscheidungs-/Handlungsschwächen und gravierenden Selbstzweifeln, in schwereren Fällen zu ausgeprägten Versagens- und Verlustängsten, im schlimmsten Fall zu körperlichen, seelischen oder geistigen Defekten (Allergien, Magen-/ Darmkrankheiten, Gürtelrosen, Migräne u.ä. im körperlichen Bereich sowie Manien, Phobien, Psychosen und Neurosen im seelisch/geistigen Bereich und im äußersten Fall zu Paranoia und Schizophrenie). Ernstzunehmende Wissenschaftler sind der Überzeugung, daß hier die Ursachen für nahezu alle Krankheiten liegen und Unfallforscher/-psychologen vermuten, daß der weitaus größte Teil aller Unfälle darauf zurückzuführen ist, es sich nämlich hierbei um eine geistig-seelische Immunschwäche handelt, die dann eben auch auf den Körper wirkt. Man darf davon ausgehen, daß der größte Teil der alleinverschuldeten Unfälle eine Art „versteckter Selbstmordversuch“ ist. Leicht verständlich ist, daß nur derjenige eine Chance hat, Feld VI - das „freie Bewußtsein“ - zu erreichen, der die hemmenden „Filter“ zwischen Feld IV und Feld V entsprechend reduziert oder (fast) ganz abgebaut hat. VI.Das „freie Bewußtsein“ Ist die Stufe V noch sehr im materiellen Denken verhaftet, und herrscht auf Stufe IV das Durchsetzungs- und Geltungsbedürfnis, so tritt an dessen Stelle nun ein aktives Hinterfragen der moralischen und ethischen Werte des menschlichen Lebens, des Tuns und (Nicht-) Handelns als - vorerst - höchstentwickelte Lebensform des uns bekannten Kosmos. Eingebunden in die fakultativen weltlich-materiellen Lebensabläufe macht sich der Mensch auf dieser Bewußtseinsstufe frei von den damit verbundenen Zwängen. Er ist in der Lage, bewußt Verzicht zu üben - nicht, weil er dazu gezwungen ist, sondern weil er die Einsicht in die Notwendigkeit erfahren hat und/oder ihm dies nicht mehr wichtig erscheint. Auf dieser Bewußtseinsstufe strebt der Mensch nach höheren Werten, ihm geht es weniger um das „Wie“, als um das „Wieso“. Er denkt - auch zeitlich - über die Unmittelbarkeit seines eigenen ICHs hinaus, er erkennt seine generelle und universelle Verantwortlichkeit.[2] Der Mensch in der Stufe VI - und ihm alleine ist diese Stufe vorbehalten - lebt keineswegs autistisch, jenseits gewandt oder menschlichen Gefühlen abhold. Vielmehr erlebt er sein Umfeld wesentlich aktiver und intensiver - was oftmals schmerzlich sein kann. Jedweder Atavismus ist ihm zuwider, wenngleich er ein hohes Maß an Verständnis um die Hinter- und Beweggründe der ihn umgebenden Gesellschaft hat. Er ist unbequem - ob seiner Freiheit. Er stört - ob seiner Gedanken und der Freiheit, diese auszusprechen. Da er nicht genötigt und erpreßt werden kann, ist er für die Masse, vor allem jedoch für diejenigen, die sich der Masse zu ihrem eigenen Vorteil bedienen, gefährlich. Dies gilt um so mehr, je weiter sein Bewußtsein der Stufe VII nahekommt. Auf dieser Stufe ist echtes „Märtyrertum“ angesiedelt. Das Blau aus Feld V und das Gelb aus Feld VII mischen sich in diesem Feld VI. VII.Das „visionäre Bewußtsein“ Hier verbinden sich die Kernelemente der Stufen V (Wissen und Erfahrung) und VI (Unabhängigkeit und ethisches Selbst-Bewußtsein) zu einer Art „transzendentalem Bewußtsein“. Dies ermöglicht dem Menschen, Visionen zu entwikkeln - wofür er oftmals Unverständnis, bisweilen sogar Spott erntet, mitunter dann sogar „assoziiert“, d.h. aus der Masse verwiesen wird. Er wird als „Spinner“, vielleicht gar als „größenwahnsinnig“ abgetan, auch wenn die Masse ahnt, daß dieser Mensch sogar recht haben könnte. Wirkt der Mensch des „freien Bewußtseins“ (Stufe VI) oftmals nur als Kritiker, wartet der „visionär bewußte“ Mensch immer auch mit Alternativen auf - wobei er diese gleich wieder (und fortlaufend) selbst hinterfrägt. Während der Mensch in Stufe V noch oftmals sehr im Be- und Verurteilen verhaftet steht, läßt dies auf Stufe VI immer mehr nach und spielt im Feld VII keine Rolle mehr. „Belohnen“ wir diese Weisheit deshalb mit einem hellen, lichten Gelb. Zu den „Farben“ des Struktogramms haben sich nunmehr zwei weitere „Farben“ (als Denkhilfen) hinzugesellt: Das dunkle Schwarz des „kosmischen Unterbewußtseins“ und das leuchtend helle Element des „visionären Bewußtseins“. Zwar mag es anfangs noch schwierig sein, das eigene Tun und Handeln, das bewußt/unbewußt Erlebte der entsprechenden Bewußtseins-Stufe zuzuordnen; sehr schnell werden jedoch die Zusammenhänge klar. Wir fühlen und verstehen immer schneller, wo wir jeweils positioniert sind, aus welchem Bewußtsein wir gerade agieren (aktiv) oder erleben (passiv). Mit Hilfe dieses „Erkennens der eigenen Bewußtseins-Späre“ ist auch leicht auszumachen, ob wir - entsprechend dem Beginn dieses Artikels - gerade fühlen, fühldenken, denkfühlen oder ausschließlich denken. Vielleicht verwundert oder erschreckt den Leser die Erkenntnis, wie oft wir scheinbar aus dem „allgemeinen Bewußtsein“ (Stufe V) zu agieren vorgeben und dies sogar selbst glauben, während wir tatsächlich tief im „adaptierten Unterbewußtsein“ verstrickt sind. Oftmals argumentieren wir mit Begriffen aus dem „freien Bewußtsein“, merken jedoch gar nicht, daß wir uns gewaltig irren und unsere Umwelt manipulierend - auf Stufe IV verhaftet operieren. Manchen mag auch das Ausmaß grämen, mit dem sogar unser „evolutionäres Unterbewußtsein“ ständig in uns wirkt, uns - sehr wenig planvoll und „vernünftig“ - reagieren läßt. Bewußtsein ist ein sich ständig wachsender Prozeß des eigenen Wachstums. „Spiritus rector“, quasi der „Generalimpuls“ unseres Bewußtseins ist der Geist, der Gedanke - die „Allmacht“, die formen und kreieren, aber auch zerstören und hindern kann. Je bewußter wir uns dieser Tatsache und des Wirkens der unterschiedlichen Bewußtseins-Stufen werden, desto „freiwilliger“ können wir unser Leben aktiv gestalten, uns weiterentwickeln und von den Ängsten und Zwängen befreien, die unsere Entwicklung so vehement behindern und bremsen. Während das „kosmische Unterbewußtsein“ und das „archaische Unterbewußtsein“ insofern statisch sind, als nichts elementar Neues hinzukommt - die Vergangenheit ist vollständig -, stehen wir Menschen der Tatsache gegenüber, daß unser „evolutionäres Unterbewußtsein“ immer mehr abnimmt, d.h. wir verlieren immer mehr von unserem Instinktpotential. Zu beobachten ist dies u.a. daran, daß unsere Sinne im Laufe der Evolutionsgeschichte des Menschen immer schwächer wurden. Als vornehmlich emotionsgesteuerte und - beinahe noch mehr - geistbetonte Wesen verlernen wir offensichtlich in zunehmendem Maße, auf unsere gesunden Instinkte zu hören. Dies spiegelt sich u.a. darin wider, daß vegetative Leiden immer mehr zunehmen (Magen-, Darm-, Kreislauf- und Stoffwechselkrankheiten). Die nach innen gerichteten Pfeile sollen dies verdeutlichen. Gleichzeitig nimmt unser Gefühlspotential (Stufe IV) und das „allgemeine Bewußtsein“ (Stufe V) immer mehr zu. Weder die dadurch ausgelösten Empfindungen, noch die damit verbundene Informationsfülle können jedoch in notwendigem Maße sowohl sortiert als auch aufgearbeitet werden, was sowohl zu einer zunehmenden Verwirrung, als auch zu einer gewissen Lähmung führt. Verstehen wir nämlich etwas nicht, so macht sich - instinktiv - Angst breit. Wir können nicht bewußt damit umgehen und flüchten uns dann in eine Passivität, die bis zu lethargischer Apathie gehen kann. Hierin mag der Grund dafür liegen, daß Verhaltensstörungen, Neurosen und Psychosen, Phobien und Manien, Verhaltensstörungen und Übersprungsreaktionen - gerade in den hochzivilisierten Ländern - immer mehr überhand nehmen. Dies dürfte auch der Grund dafür sein, daß sich immer mehr Menschen in die Abhängigkeit von „Ersatz-Bewußtheiten“ flüchten - Drogen, Alkohol, exzessive Rauschzustände, passiv-erlebte Bewußtseinszustände (Sportarenen, Fernseh-Unterhaltungsshows, Discotheken, Rockkonzerte, Kneipen und Vereine), also Momente, in denen sie passiv bleiben, aber dennoch „dabei sein“ können, ihnen von dritter Seite abgenommen wird, selbst aktiv zu werden. Auch Psychokulte, Sekten und Religionszugehörigkeiten, Jubel- und Motivationsveranstaltungen gehören zu derartigen „inaktiven Bewußtseinsstadien“. Der „selbst-bestimmte“ (self-determined) Mensch hat ein derartiges „Sich-selbst-aus-der-Hand-Geben“ nicht nur nicht nötig, er lehnt es sogar - sehr aktiv - ab. Jede Form der Bequemlichkeit, also des „Sich-lieber-unterhalten-lassen-Wollens“, bedeutet eine klare Abkehr von Stufe V und unterbindet nachgerade das „freie Bewußtsein“ und noch mehr das „visionäre Bewußtsein“. Gleichwohl setzt sich bei immer mehr Menschen auch das Bedürfnis durch, die Stufen VI und VII zu erreichen und diese in ihre persönliche Lebensführung zu integrieren. Die unterbrochenen Pfeile sollen gleichwohl ausdrücken, daß die Zahl derer, die diese Stufen des Bewußtseins anstreben, proportional zur Gesamtbevölkerung nur mühsam wächst. Da Ideologien mehr auf das „evolutionäre Unterbewußtsein“ und das „adaptierte Unterbewußtsein“ abstellen, wir jedoch andererseits gerade in der heutigen Zeit das Phänomen beobachten, daß viele Ideologien ihren Bankrott anmelden mußten, besteht die Hoffnung, daß der von vielen gesehene „Bewußtseins-Wandel“ tatsächlich gerade beginnen könnte. Hiervon betroffen sind nicht nur die multiplen Formen des persönlichen Bewußtseins. Auch für Firmen und Vereinigungen aller Art, Parteien, Gewerkschaften und Regierungen, nicht zuletzt Religionen und Glaubensgemeinschaften gilt es, nicht nur von hehren Zielen, Freiheit und freiem Bewußtsein, Philosophien und Visionen zu fabulieren, diese also verbal und in Hochglanzbroschüren/Programmen vor sich herzutragen, sondern sie tatsächlich zu leben - so anstrengend und mühsam dies auch ist. Aus dem Vorangehenden wird deutlich und verständlich, daß, wie oft und warum wir in unserem Handeln oftmals wenig bewußt und schon gar nicht aus einem „freien Bewußtsein“ heraus auftreten. Hierbei klafft - denken Sie an das „Drama-Dreieck“ die „Transaktionsanalyse“, die „Maslow’sche Bedürfnispyramide“ und den „Inneren Monolog“ - oftmals eine erhebliche Lücke zwischen unserem Fühlen und Denken, Sprechen und Meinen, Planen und Handeln. Wir können aber mit dieser Darstellung des „Bewußtseins“ eigentlich unser gesamtes heutiges Weltbild mit all seinen Abläufen „beschreiben“: - Die ethnischen Unterschiede Unbestreitbar - auch wenn dies „gefährlich“ ist, zu behaupten - gibt es bei den verschiedenen Völkern große Unterschiede bezüglich ihrer Lebens- und Denkweise. Naturvölker (denken Sie hierbei an die Aborigines in Australien) leben kulturgeschichtlich auf einer anderen Stufe, als die „zivilisations-gebeutelten“ Industrienationen. Voodoo-Riten bedienen sich der Mittel auf Stufe III, teilweise sogar einer „Ahnung“ aus Feld II, während der moslemische Glaube, der sich auf die Vorschriften des Koran stützt, vornehmlich auf Feld IV (teilweise auch noch Feld III) abstellt. Sicherlich der modernsten und ausgeklügeltsten „Bann“-Elemente bedient sich die römisch-katholische Kirche. Auch die wesentlich freieren protestantischen Kirchen schöpfen immer noch und reichlich aus dem „Schatz“ der Bannbotschaften. Keine der etablierten Weltreligionen ist daran interessiert, ihre Mitglieder in Feld VI „entgleiten“ zu lassen - sie verlören die Kontrolle über ihre „Gläubigen“ und deshalb operieren sie sehr nachdrücklich mit der „Filter“-Grenzlinie von Feld IV zu Feld V. - Kulturelle Elemente Auch die Primitivität des Menschen, sich an Stier- und Hahnenkämpfen, Kampfhund-Turnieren u.ä. zu ergötzen, entspricht - tiefenpsychologisch - einer unbewältigten „Vergangenheit“ des Menschen; kein Tier hat es nötig, sich selbst ständig zu beweisen, daß es „Herrscher“ über ihm unterlegene Rassen und Arten ist - außer das „Tier“ Mensch. Hier wüten entgleiste „Instinkte“ aus den Feldern III und IV. Aber auch beim Boxen - völlig unsinnigerweise als „Sport“ bezeichnet - delektiert sich der Mensch an der Zerstörung des einen durch den anderen. Deutlicher als durch diese beiden Beispiele kann nicht erklärt werden, in welch primitivem „Denken“ der Mensch heute noch gefangen ist. Das Gejohle von Stammtischrunden und entfesselten Hooligans erschreckt und widert an. Aber auch jede andere Form von Massenhysterie (frenetische Fußballmassen, Skinheads- und Rockerbanden u.ä.) verrät, wie sehr wir Menschen noch in den Feldern IV und sogar III verhaftet und gefangen sind. - Die „Anatomie der Macht“[3] Während sich die „repressive Macht“ hauptsächlich des „evolutionären Unterbewußtseins“ und teilweise des „adaptierten Unterbewußtseins“ bedient - durch physische Überlegenheit, Bedrohung (auch des Lebens) etc. -, schöpft die „kompensatorische Macht“ vornehmlich aus dem „adaptierten Unterbewußtsein“ (Stufe IV), zieht sich also auf Mittel zurück, die dem Imponiergehabe des Menschen (Prestige, Anerkennung und Aufmerksamkeit) entsprechen. Übervorteilung wird hier als „Cleverness“ und „Schläue“ verstanden. Erst die „konditionierte Macht“ bedient sich in ihrer Vorgehensweise des „allgemeinen Bewußtseins“ (Feld V). Hier wird mit dem „Medium“ der Überzeugung gearbeitet. In allen drei Fällen handelt es sich jedoch vornehmlich um „Manipulation“, die dem Erreichen eigener Zwecke dienen soll. Nur die aus dem „freien Bewußtsein“ resultierende und positiv eingesetzte Macht bedient sich wirklicher und ehrlicher „Motivation“ (motivare = motivum dare, lat.: einen Beweggrund geben), die vornehmlich das Interesse (und Fördern) des Gegenüber im Auge hat. Hierbei steht nicht mehr der eigene Vorteil im Vordergrund. Interessant auch hier das Treiben und Wirken bzw. die Vorgehensweisen der Religionen, deren ständiger Rückgriff auf repressive Machtmittel - zur Wahrung/zum Ausbau der eigenen Macht - jährlich Tausende von Menschenleben fordert und im Laufe der letzten fünftausend Jahre Millionen von Menschen das Leben kostete. - Die Wirtschaft Ob Dienstleistung, Handel oder (industrielle) Produktion - überall geht es um die Weckung und Befriedigung von Bedürfnissen auf den Stufen III bis V. Um diesen Bedarf ständig zu steigern (Konkurrenz, ständiger Ruf nach Wachstum und die Jagd nach Umsatz sind beileibe keine Parameter aus den Feldern VI und VII), bedient man sich der Werbung, die nahezu ausschließlich auf die Felder III (Sicherheitsbedürfnis) und IV (schöner, besser, schneller, etc.) abzielt. Werbung soll Emotionen und Instinkte (Ängste) wecken! Dem „freien Bewußtsein“, vor allem jedoch dem „visionären Bewußtsein“ wäre es durchaus möglich, auf „Wachstum um jeden Preis“ ebenso zu verzichten, wie auf Begriffe wie Staat, Nation u.ä. In gleicher Weise wären - entsprechend größere Anteile der Menschheit in Feld VI und VII vorausgesetzt - Institutionen, wie Parteien und Gewerkschaften, klüngelnde Interessenverbände u.ä. nicht mehr vonnöten, die ja vornehmlich mit den Ängsten der Menschen (Feld III und IV), Sozialneid, Minderwertigkeitsgefühlen und emotionalem Irrglauben (Feld IV) hantieren. - Die Wissenschaften Sämtliche Wissenschaften und ihre Teilgebiete können den unterschiedlichen Feldern zugeordnet werden. So beschäftigen sich Psychologen mit den Phänomenen der Felder III und IV, Archäologen, Paläontologen und Genetiker mit den Feldern III und II, Biochemiker und Atomphysiker mit den Feldern II und I, Soziologen und Verhaltensforscher mit den Feldern III bis V. Es darf jedoch gemutmaßt werden, daß einige Wissenschaftler bisher in den „falschen“ Feldern arbeiten; so wird ein Pädagoge und ein Arzt, die sich nur mit den für sie sichtbaren Phänomenen (Feld IV und V) beschäftigen, wenig Erfolg haben, wenn sie nicht auch bezüglich der Hintergründe (Feld III) genügend ausgebildet sind, weil sie dann nämlich nicht hinter die „Kulissen“ der „Objekte ihrer Arbeit“ blicken. Erhebliche Probleme wird auch der Forscher haben, der nur im Feld V arbeitet, jedoch nicht genug „visionäres Bewußtsein“ hat, über die Grenzen seines bisherigen „Wissens“ hinauszublicken. Nur wer wagt, sich „Unmögliches“ vorzustellen, kann auch daran gehen, dieses „Unmögliche“ auf seine vielleicht doch mögliche Existenz hin abzuklopfen. Verständlich wird hierbei auch, warum sich viele Menschen gerade aus ihrer Unfähigkeit heraus, innerlich zu monologisieren - weil eben die „Filter“ ihrer Erziehung zu stark wirken - in berufliche Tätigkeiten flüchten, die ihnen dann helfen sollen, die „Sperre“ zwischen Feld IV und V zu überbrücken. So leihen sich Lehrer und Polizisten, Richter, Staatsanwälte und Rechtsanwälte, aber auch Beamte und Soldaten vielfach eine „institutionelle Macht“, die sie anderweitig nicht glauben, gewinnen zu können. Welchen Schaden eine derartige „berufliche Unberufenheit“ dann anrichten kann, lesen wir fast täglich in den Zeitungen. Auch Sportler und „Prominente“ aller Art (Schicki-Mickis, Politiker und Führer von Vereinen und Verbänden) fallen - ohne daß sie sich dessen bewußt werden - auf dieses „Phänomen“ herein. Sie brauchen den Rekord oder die „Prominenz“, um ihr ansonsten reichlich angeschlagenes Ego aufzurichten und bestätigt zu finden. Ohne diesen, ein krankes Selbstwertgefühl verratenden Geltungsdrang, der nichts mit natürlichem „Ehrgeiz“ zu tun hat, gäbe es kein „Who is who“, kein „Guinessbuch der Rekorde“ und keine „Klatschkolumnen“. Wer diese Darstellung vollends durchdenkt, erkennt das ständige Wechselspiel von Ursache und Wirkung. Er vermeidet damit aber auch, zwischen Ursache und Wirkung nicht genügend zu unterscheiden. Mit ein wenig „visionärem Mut“ könnte man sogar frech behaupten, dieses „Gedankenmodell des Bewußtseins“ beinhaltet eine Darstellung unserer Welt, ihrer Vergangenheit und - womöglich - ihrer Chancen für die Zukunft.
Betrachten wir nun einmal einige typische „Protagonisten des täglichen Lebens“: A) Der „vorsichtige Beobachter“ Wir versuchen, abzuwägen und mißliebige Überraschungen zu vermeiden, alle Vorkehrungen dafür zu treffen, daß wir richtig verstanden werden, positiv ankommen, keine Fehler machen und überzeugen. Vor lauter „Kalkulieren“ verabsäumen wir dann jedoch ein freies Handeln. Zu viele Zweifel ersticken unsere Handlungsbereitschaft und lähmen diese mitunter so stark, daß wir dann die Zeit des Handelns verstreichen lassen. B) Der „Kämpfertyp“ Ohne Rücksicht auf Verluste, getragen von der „Überzeugung“ (manchmal ist dies mehr „Wut“), daß wir „Recht“ haben, blicken wir weder links, noch rechts. Wir schieben gutgemeinte Einwände beiseite und entschließen uns - buchstäblich - zu bedenkenlosem Handeln. Daß ein derartiges Vorgehen unsere Umgebung mehr konfrontiert und bisweilen verängstigt, als offene Ohren (und Herzen) zu schaffen, versteht sich von selbst. Diese „Brechstangen“-Mentalität schafft Unverständnis. Wer sich dennoch - ab und zu geschieht dies - durchsetzt, hat eine Schlacht gewonnen, aber niemanden überzeugen können. C) Der „Mutter-Theresa-Effekt“ Der von edlen Gedanken und ehrlicher Opferbereitschaft getragene Mensch, der sich für beinahe jeden einsetzt und dessen Probleme zu seinen eigenen macht, übersieht bisweilen, daß er damit zum „Mülleimer“ für all diejenigen wird, die einfach zu bequem sind, ihre Verantwortung selbst zu übernehmen. Nicht offen um Dank buhlend, schmerzt es ihn doch sehr, wenn ihm so gar kein Dank geschenkt und wirkliche Achtung verweigert wird. D) Der „Über-Vater“ Hauptsächlich in der Familie, bisweilen jedoch auch in der Firma, steht diese heroische Vaterfigur über allem und jedem. Benevolent das Geschehen um sich herum betrachtend, entgeht ihm nichts, und wehe, Entscheidungen werden ohne ihn getroffen! Er möchte, kann und will nicht delegieren. An ihm kann und darf nichts vorbeigehen. Eine Entfaltung unter diesem Menschen ist schlechterdings unmöglich. Dies lädt die einen dazu ein, unter seinem großen „Schutzschild“ Platz zu nehmen und es sich bequem zu machen, andere hingegen empfinden dies nicht nur als Überheblichkeit, sondern vor allem als gravierende Behinderung ihrer eigenen Entwicklung. Sie versuchen entweder, diesem Einfluß des „Übervaters“ zu entfliehen, oder es beginnt ein Intrigen-Gespinst, was - irgendwann - auch dem „Übervater“ entgleitet. Auch ein gutgemeinter Druck erzeugt auf Dauer Gegendruck. E) Die „Über-Mutter“ Das Pendant zum „Übervater“ schützt und stranguliert, bemuttert und bremst gleichermaßen - natürlich nur in bester Absicht. Die dadurch entstehende Entmündigung ihrer Umwelt will sie nicht wahrhaben. Andererseits leidet sie unter dem permanenten „Undank“ ihrer Umwelt, der sie doch alles gibt. F) Das „Träumerlein“ Dieser Typus - man könnte ihn als „zu gut für diese Welt“ bezeichnen - erweist sich oftmals als Prototyp des „Opfers für Jedermann“. Er würde sogar als Erwachsener am liebsten mit Blumen und Tieren sprechen. Gerade seine Harmlosigkeit läßt ihn oftmals introvertieren und an der Welt verzweifeln. Zartbesaitet und übersensibel gibt er oftmals schon als Kind auf, sich durchzusetzen und wird zum dankbaren Opfer - erst in der eigenen Familie, später für „Lebenspartner“, im Betrieb und besonders gerne auch in Vereinen. G) Der „Akzeptierer“ Oftmals aus einer Familie mit „Über-Typen“ (D oder E) stammend, ist er der ideale Mitläufer. Er läßt sich überallhin mitschleppen, für die Ziele anderer einspannen und auch mißbrauchen. Sein Atavismus verbietet ihm nachgerade, ein eigenes Bewußtsein zu entwickeln. Ohne entsprechende Handlungsvorgaben bleibt er passiv, beinahe autistisch. Ihm können diffizile und unangenehme Aufgaben übertragen werden, denen er sich - ohne eigenen Antrieb und nur auf Anweisung - gewissenhaft widmet, ohne dafür jemals Dank zu erhalten. Er fordert diesen auch nicht, beweint allerdings - ganz leise - dessen Ausbleiben. Ein idealer Typ für Vereine, Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Sekten. H) Der „Gläubige“ Er glaubt tatsächlich alles und ist - ähnlich den Typen F und G - ein ideales Opfer. Weder hinterfrägt er sich selbst, noch wagt er auch nur im mindestens, etwas ihm Gesagtes in Frage zu stellen. Anspruchslos und „pflegeleicht“ läßt er die Welt und sein Leben an sich vorbeilaufen und gibt dabei nicht einmal Trauer und Schmerz über das eigene Hintanstehen Raum. Er zieht - noch mehr als der „Akzeptierer“ - Nutznießer und Ausnützer seiner Gutgläubigkeit magnetisch an. I) Der „Aufgeber“ Er hat früh gelernt, sich unterzuordnen, quittiert dies mit stillem Groll und dumpfem Schmerz - aber eben nur innerlich. Er beugt sich der Ausweglosigkeit seines Schicksals, verhärmt und erstarrt zu einem „vegetativen Mechanismus“. Stumm erledigt er seine Pflicht und verabschiedet sich dann - zumeist viel zu früh - aus dieser Welt. J) Das „Daueropfer“ Er versteht sich selbst als permanenter „Diener seiner Umwelt“ („Opfer“ im „Drama-Dreieck“) und zeigt sein Leid beinahe genüßlich jedem Menschen. Zu dieser Rolle gehört auch ein hohes Leidenspotential; das Daueropfer ist der prädestinierte Hypochonder. Ihn zwickt und zwackt es ständig, ein Wehwehchen jagt das andere, er steht eigentlich dauernd unter irgendwelchen Schmerzen. K) Der „Perfektionist“: Kaum einer der hier angesprochenen Typen macht seiner Umwelt das Leben so schwer wie der Perfektionist. Mit seiner Unzufriedenheit und einer beinahe paranoiden Fehlersuche macht er sich und anderen das Leben zur Hölle. Nichts verdient bei ihm auch einmal uneingeschränktes Lob und Anerkennung. Selbst außergewöhnliche Leistungen muß er „relativieren“. Ihn um sich zu haben, wird als permanente Drangsal empfunden, und genau dies zeigt sich auch in seiner Mimik, Gestik, Sprache und Arbeitsweise. L) Der „Gehetzte“ Ständig unter Zeitnot und Sachzwängen läuft dieser Mensch permanent auf Hochtouren - ruhelos, gehetzt und Unruhe verbreitend. „Ich muß unbedingt noch ...!“ ist sein Standardsatz. Genuß und Entspannung, Freude und liebevolle Zärtlichkeit sind ihm ein Greuel, machen ihn nervös und unruhig. Daß er sich damit völlig verzettelt, ständig atemlos wirkt und oftmals Angelegenheiten nicht gänzlich erledigt, liegt auf der Hand. M)Der „Vergleicher“ Von einem übergroßen Geltungsbedürfnis geplagt, kann er weder die Leistung eines anderen anerkennen, noch eigene Leistungen geniessen, da er in ständigen Vergleichszwängen - auch sich selbst gegenüber - steht. Das „Meins-ist-besser-als-Deins“-Spiel ist bei ihm zum Lebensinhalt geworden. Er gestattet weder sich selbst, noch anderen das Gefühl des Genusses, des Triumphes und der Freude über vollbrachte Leistungen. N) Der „Rebell“ Sein ständiges überkritisches Auftreten wirkt rechthaberisch und unangenehm. Ungefragt tritt er als querulantischer Mahner auf - leider zumeist ohne entsprechenden Alternativvorschlag. Er sieht das Leben und seine Umwelt als ständiges Schlachtfeld - nach dem Motto: „viel Feind - viel Ehr“. Ruhelos und mit Argusaugen bewacht und beäugt er das um ihn ablaufende Leben. Gestik, Mimik und eine aggressive Sprache verraten ihn. Genuß und freundlich-aufmunternde Worte, mutmachende Feinfühligkeit und eine zuversichtlich stimmende, kooperative Partnerschaft hat er nicht zu bieten. O) Der „Selbstzerstörer“ Alle können alles besser als er, niemand hat es so schwer wie er und nichts gelingt ihm - behauptet er zumindest. Ein Lob klingt in seinen Ohren wie eine Drohung, bestenfalls als Spott. Er zerfleischt sich buchstäblich durch seine überzogene Selbstkritik. Die damit in sein Umfeld getragene Unruhe machen ihn zu einem einsamen Opfer seines unterentwickelten Selbst-Verständnisses. Daß er sich damit oftmals auch zum Opfer für Nutznießer seiner Selbstzweifel macht, bestärkt ihn in seiner negativen Auffassung über sich selbst nur ständig und immer mehr. P) Der „Ich möchte gefallen“-Typ Ein heillos unterentwickeltes Selbstwertgefühl lassen ihn zum „Kriecher“ und „Schleimer“ werden. Er biedert sich - krankhaft nach Lob und Liebe heischend - jedermann an, oftmals den Falschen, die ihn dann weidlich ausnützen. Er spürt die Mißachtung, Ablehnung und oftmals sogar Verachtung seiner Umwelt sehr wohl, handelt jedoch in der Überzeugung, es allen doch nur „recht“ machen zu wollen, nicht ohne darunter zu leiden, daß dies seine Umwelt so ganz anders sieht. Er wird als intrigantisch empfunden, als Wichtigtuer und Ja-Sager. Q) Der „Kontrolleur“ Raffiniert darauf bedacht, über alles „informiert“ zu sein, versteht er es glänzend, sich vor der Übernahme von Verantwortung zu drücken. Er versteht sich als „Aufpasser“, punktgenau-kritischer Besserwisser. Er mahnt Fehler, deren Ursachen und - vor allem - drohende Folgen an, statt selbst Verantwortungsbereitschaft zu zeigen. Da er deshalb in viele Abläufe nicht einbezogen wird, bestätigt ihn dies, sobald er davon erfährt, nur in seiner Ansicht, daß man niemandem trauen kann und alles genau überprüfen muß. Er wird als unangenehm und Unruhestifter, Querulant und hinterhältiger Zeitgenosse empfunden - was ihm natürlich nicht entgeht. R) Der „Beschützer“ In einer Mischung aus „Mutter Teresa“ und „archaischem Kämpfer“ setzt er sich pausenlos für alles und jeden ein. Keine Minderheit, die er nicht mit seinem „Schutzbedürfnis“ verfolgt, sich ihr als „Robin Hood“ anbiedert - ohne rational abzuwägen und völlig kompromißlos. Bisweilen muß man buchstäblich die Beschützten vor dem „Beschützer“ schützen, da dieser dazu neigt, das Heft völlig an sich zu reißen, statt dem Schwachen und Schutzbedürftigen lieber „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu vermitteln. Hinter der vorgegebenen Selbstlosigkeit steckt nämlich tatsächlich ein hohes Maß an Selbst-Verweigerung (er möchte sich lieber nicht mit sich selbst und eigenen Schwächen, Fehlern oder Problemen beschäftigen). Seine „Söldner-Mentalität“ duldet wenig Widerspruch und gestattet keinerlei Einsicht.
So karikierend und einseitig die - keineswegs vollständige - Darstellung o.g. Typen wirken mag, so leicht ist daraus abzuleiten, in welchen „Bewußtseins-“Stufen diese Zeitgenossen jeweils agieren, leben und leiden. Gleichzeitig finden wir uns bisweilen - peinlich, peinlich - in diesen Protagonisten der Bewußtseins-Felder III und IV selbst wieder. Selbst wenn wir uns einiger Elemente aus der Bewußtseins-Stufe V - also des planerischen Denkens, gelebter Erfahrungen und abstrakten Wissens - bedienen, mißbrauchen wir diese geistigen Parameter nur, um uns damit in den Bereichen III und IV sattsam zu aalen. Es ist schon was dran, wenn Großmeister Goethe einmal so treffend formulierte: „Sie nennen es Verstand und brauchen es allein, um tierischer denn jedes Tier zu sein.“ Sicherlich ist es anstrengend und zeitraubend, bisweilen sehr nervtötend und ein wenig unbehaglich, wenn wir unser Tun und Handeln im Sinne dieser Zeilen hinterfragen und auf ihre Wahrhaftigkeit abklopfen. Da wir dies jedoch selten im Laufe unserer Erziehung oder in der Schule lernen, bleibt uns eben keine Wahl, als entweder für die nächsten Jahre und Jahrzehnte unter dem dumpfen Wissen um diese Zusammenhänge zu leiden, oder in unser persönliches „Trainingslager“ zu gehen. Betrachten Sie sich hierzu einmal Ihre Vorbilder! Sie alle mußten sich zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens entscheiden, ob sie sich von archaischen Instinkten und adaptierten Mechanismen leben lassen wollten oder sie sich dazu entschlossen, ihrem eigenen Bewußtsein Raum zu geben, sich zu befreien, ihr Selbstbewußtsein - nicht zu verwechseln mit anerzogener Selbstsicherheit - zu formen, um sich damit - Traum jedes Menschen - ein entsprechend hohes Maß an persönlicher Freiheit zu erarbeiten. [1] Bannbotschaften sind „Befehle“, die wir im Laufe der Erziehung mitbekommen haben und die unser Verhalten deutlich prägen, z.B.: „Das geht doch nicht“, „das tut man nicht“, „wie kannst Du nur“, „das schaffst Du nicht“ usw. [2] Die „Verantwortungspyramide“, 1990 [3] Nach John Kenneth Galbraight |
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