Staatshehlerei
Enteignung
Von Nico Nader - 05.07.2002

Dumm geboren und nichts dazugelernt

Erbärmlich lange hatte eine erschreckend große Zahl deutscher Bürger das Wissen um die fürchterlichen Geschehnisse, die Denunzierung, Beraubung und Überführung in das sichere Verderben von jüdischen Mitbürgern, sowie die schamlose Ausbeutung von wehrlosen Zwangsarbeitern, bewusst begraben.
So lange, dass alle Beteiligten ihre totgeschwiegene Schuld, vom langsamen Vergessen, erfolgreicher Verdrängung und kirchlicher Absolution beruhigt, diese mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unangesprochen mit ins Grab genommen hätten.
Selbst die für alle Gläubigen als übermenschlich integer und über jeglichen Zweifel erhaben geltenden Kirchen und kirchlichen Institutionen, verdeckten, vertuschten und gaben schließlich nur das preis, was ohnehin bereits unübersehbar zum Allgemeinwissen geworden war. Nicht ohne Grund haben die Kirchen erst dann das Instrument des Eingeständnisses von menschenunwürdigen Verfehlungen und folgerichtiger Wiedergutmachung aufgegriffen. Allerdings nicht ohne die Einmischung Außenstehender abzuweisen, um damit zumindest mögliche weitergehende Beschädigungen fernzuhalten.

Wären da nicht die unbeirrbaren Ankläger gewesen, die den dreisten deutschen Verfolgungsverbrechern und Sklaventreibern durch jahrzehntelange Kleinarbeit auf der Spur geblieben waren, um letztendlich das lichtscheue Gesindel ans grelle Tageslicht zu zerren, auf dass von all denen, die Recht und Unrecht sehr wohl unterscheiden können, gehört, gesehen, erkannt und Rechenschaft gefordert werden konnte.

Aus einem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf wachgerüttelt überschlugen sich plötzlich Staat und Kirche (Banken) in ehrbarer Selbstbekenntnis und dem unabdingbaren Willen den bis dato verkannten, da leider nicht erkannten Opfern, Gerechtigkeit zuteil werden zu lassen. Selbst dann, als es in dieser ausweglos durchsichtigen Situation ans Zahlen ging, blühte die kriminelle Energie, um das unangenehme und vollkommen irrationale Ungemach auf den kleinstmöglichen Nenner einzuschränken.
Nichts von dieser plötzlich überschäumenden Bereitschaft wäre jemals erkennbar geworden, hätte da nicht ein immenser politischer und vor allem wirtschaft- licher Druck auf dem deutschen Staat und seiner Wirtschaft gelastet.

Mit Sicherheit sind die Entschädigungs- und Wiedergutmachungsbemühungen der jüngsten Vergangenheit nach mehr als einem halben Jahrhundert nicht darauf zurückzuführen, dass man ganz allgemein in deutschen Landen plötzlich den Weg zurück zur Menschlichkeit und Achtung vor der Unantastbarkeit der Ehre der Mitmenschen zurückgewonnen hätte.

Durch nichts wird dieser weiterhin fehlende Gesinnungswandel aus freien Stücken und Überzeugung besser dokumentiert, als durch die von der "Deutschland AG" mit unvermindert krimineller Energie fortgesetzte Ausgrenzung
der zwischen 1945 und 1949 widerrechtlich Enteigneten in der SBZ.

Offensichtlich haben die Verantwortlichen diese Rechtsstaates nichts dazugelernt, bauen wiederum auf Verzögerung, Leugnen, falsches Zeugnis, wie weiterhin auf dreiste Verstöße gegen die fundamentalsten Menschenrechte.
Die kürzlich gegenüber dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte erwirkte Fristenverlängerung, zu Fragen des Betrugs an den Enteigneten durch die Bundesregierung , spricht Bände.

Zur Zeit spricht alles dafür, dass das Thema der willkürlichen Enteignungen zwischen 1945 und 1949 durch identisch zähe Abschottung verhindert werden soll.

Zum Glück, wir leben nicht mehr im Zeitalter der leicht steuerbaren Informationsbeeinflussung. Das Rad der Geschichte dreht sich heutigen Tages mit merklich erhöhter Geschwindigkeit. Und, dem Internet sei Dank, aus den fernsten Winkeln dieses Erdballs und den umfangreichsten Archiven können heute in Sekundenschnelle die unliebsamsten Wahrheiten ans Licht gebracht werden.

Diese Entwicklung der letzten Jahren sollte den ewig Gestrigen in diesem Lande auch zum Thema Willkür-Enteignungen in der SBZ die Augen öffnen.

Sollte das nicht absehbar sein, so muss erneut ein Feuersturm über diesem Staat gezündet werden.

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