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| Heimatkunde Teil 1 | |
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Abschrift von Abschrift Der Landesregierung in Schwerin – sowie der Oberstaatsanwaltschaft in Greifswald übersandt. Bei allen, die wir im Oktober u. November 1945 unsere Höfe in der Gemeinde Pütte innerhalb 2 Std. verlassen mussten, geschah es nicht im Zuge der Bodenreform, sondern durch Gewalt und Willkür des Herrn Karl Lewerenz, Zimkendorf und seinen Helfern Bürgermeister Schult, Polizist Sonnenfeld, Pütte, des ehemaligen Gruppenleiter der K.P.D. Anton Bitter jetzt in Niepars und des Hans Gütschow, jetzt in Pantelitz. Lewerenz trug einen Kriminalausweis bei sich und wusste sich Zugang zur Polizei, zum Sekretariat und zu behördlichen Stellen zu verschaffen, wo er auch immer Gehör fand. Bald nach dem wir unsere Höfe verlassen mussten, erschien Lewerenz beim Grundbuchamt mit sechs Besitzurkunden, die vom stellvertretenden Landrat Heinrichs unterschrieben waren und forderte sofortige Streichung der rechtmäßigen Besitzer im Grundbuch u. die Neueintragung der sogenannten Treuhänder, die durch die obengenannten, auf unsere Höfe kamen. Mit diesen Besitzurkunden, die der Fa. Koch u. Poggendorf vorgelegt wurden, deckte man dort unsere Konten ab. Wir sind im gewissen Sinne alle Opfer des Karl Lewerenz u. Genossen geworden. Die Hofbesitzer in Pütte und Zimkendorf waren nur nominelle Parteigenossen und keiner war vor 1933 in der N.S.D.A.P. Alle hatten ihre Höfe in bester Ordnung und taten ihre Pflicht in jeder Weise. Nachstehend möchte ich versuchen, zu schildern, wie man mit uns verfahren ist Auf Veranlassung des Bürgermstr. Schuldt in Pütte wurde mein Mann am 8. Sept. 1945 durch die Kriminalpolizei in Stralsund ohne jede Begründung u. Haftbefehl verhaftet und erst nach drei Tagen ohne Verhör wieder frei gelassen. Am 12. Sept. 45 machte der Bürgermstr. Schuldt dem Bezirksbürgermstr. in Richtenberg über meinen Mann unwahre Angaben, in dem er ihn der Sabotage wegen Nichtbefolgung des Dreschbefehls beschuldigte. Daraufhin erhielten wir am 13. Sept. einen Strafbescheid über 300,00 RM, gegen den unser Rechtsanwalt Einspruch erhob. Das Abliefersoll hatten wir vorschriftsmäßig u. pünktlich erfüllt. Am 17. Sept. wurde mein Mann erneut auf Veranlassung des Bürgermstr. Schuldt durch die Kriminalpolizei verhaftet u. drei Wochen eingesperrt. Am 27. Sept. sollte auch meine Tochter und ich auf Veranlassung des Lewerenz, Bitter und Bürgermstr. Schuldt durch den Kriminalbeamten Krüger, Stralsund, weggeholt werden. Weil ich dagegen protestierte, dass wir unmöglich unseren Hof allein Fremden überlassen könnten, ließ man meine Tochter zu Hause. Daraufhin machte der Bürgermstr. Schuldt, den kurz vorher, durch den damaligen Landrat Borgwardt auf unseren Hof als sogenannten Treuhänder eingesetzten Erich Zander aus Klein Cordshagen, der kein Landwirt ist, heftige Vorhaltungen, wie er zugeben könnte, meine Tochter zu Hause zu behalten. Dadurch sei ihm ( Bürgermeister Schuldt) ein Strich durch seine Rechnung gemacht und könnte er (Zander) nun allein weiter sehen, wie er in den vollständigen Besitz unserer Wirtschaft gelange. Als ich am 27. Sept. verhaftet wurde, angeblich weil ich Frauenschaftsleiterin gewesen sei, was nicht der Fall war, blieb ich 12 Tage eingesperrt. Dafür dass mich der Kriminalbeamte Krüger wegholte, bekam er zwei von meinen Hühnern in sein Auto gelegt, denen Lewerenz die Köpfe abgehackt hatte. Während unserer Haftzeit schlachtete der Treuhänder Zander einen 1 jährigen Zuchtbullen von uns schwarz ab und Lewerenz entwendete uns ein 2 jähriges Fohlen. Der Bürgermeister Schult u. Polizist Sonnenfeld schlachteten am 12. Okt. bei dem Bauern Eggert in Pütte ein ihm gehöriges Schwein an Ort und Stelle schwarz ab. Schuldt hat von uns eine gute Milchkuh, die auf drei Wochen nach Gehag ausgeliehen wurde, nicht zurückgegeben, weder bezahlt. Schult eignete sich die beste Kuh, die bei dem Altsiedler Wiesenhöfer angeblich für die Russen beschlagnahmt wurde, ohne Vergütung an, vordem hat er nie eine Kuh besessen. Weiter wurden uns zwei fast neue Fahrräder (Herren – u. Damenrad) weggenommen. Am 11. Okt. 45 wurden wieder alle Hebel in Bewegung gesetzt, um meinen Mann wieder einzusperren. Diesmal war er in Richtenberg bei der G.P.U. angeschwärzt worden u. wurde dort 4 Tage festgehalten. Während der dauernden Abwesenheit meines Mannes durch seine Verhaftungen wurden meine Tochter und ich von Lewerenz, Schuldt, Sonnenfeld, Bitter u. Gütschow ständig bedroht u. geängstigt. Am 15. Okt. hat der Treuhänder Zander mit dem Gruppenleiter der K.P.D. Anton Bitter in unserem Hause eine von Stettiner Flüchtlingen untergestellte große Truhe aufgebrochen und ausgeraubt. Sie enthielt viel Wäsche, Gardinen, Damenkleider und einen Frackanzug. Diese Sachen haben sich beide geteilt, Zander ließ sich später aus dem Frack einen Anzug von dem Flüchtlingsschneider Mundt in Pütte arbeiten. Diesen Einbruchdiebstahl zeigten wir bei der Kriminalpolizei an, die aber nichts unternommen hat. Am 17. Okt. fuhr Zander mit Fleisch aus der Schwarzschlachtung von Ende Sept. u. ca. 2 Pfd. Butter, die er mir aus der Speisekammer entwendet hatte, zusammen mit Bürgermstr. Schuldt u. Polizist Sonnenfeld nach Stralsund und brachten von der Kriminalpolizei gleich wieder Vorladungen für meinen Mann und mich mit, die von einem Wegener unterschrieben waren. Mein Mann konnte dieser Vorladung nicht folgen, da er sich an einem eingeklemmten Bruch operieren lassen musste. Während mein Mann noch im Krankenhaus lag, brachte mir der Polizist Sonnenfeld einen Zettel , mit der Aufforderung, binnen 2 Stunden, unseren Hof zu verlassen und uns 30 Kilometer vom Wohnorte zu entfernen. Unterschrieben war der Zettel vom stellvertr. Landrat Heinrichs. Am 23. Okt. erhielten außer uns noch 5 weitere Hofbesitzer aus der Gemeinde Pütte diese Aufforderung. Wäsche, Kleider, Möbel konnten mitgenommen werden, doch zur Mitnahme der Möbel stellte man uns kein Fuhrwerk zur Verfügung, nicht einmal das eigene. Deshalb besorgte ich mir gleich am nächsten Morgen in Stralsund Fuhrwerk und Leute, doch der Polizist Sonnenfeld verweigerte mir, unseren Hof noch einmal zu betreten. Wie wir später von Flüchtlingen die bei uns wohnten hörten, hat der Treuhänder Zander, gleich nach dem meine Tochter und ich mit einem Handwagen voll Sachen unser Dorf verlassen hatten, alle Schränke, Truhen u. Kisten in unserem Haus erbrochen u. ausgeräumt. Der Bürgermstr, Schuldt holte sich noch am selben Tage das Klavier aus unserem Hause. Nun fing in Pütte das Schwarzschlachten im großen Stil an. Einwandfreie Zeugen: die Eheleute Berthold Timm, jetzt Schwerin, Rostockerstr.45 I wohnhaft u. die damalige Haushälterin des Treuhänder Zander, Frau Else Meier geborene Ahrends jetzt Stralsund, Katharinenberg wohnhaft, können bezeugen, dass allein auf unserem 50 Morgen großen Hof im 1. Halbjahr nach unserem Abzug ca. 30 Ctr. Fleisch schwarz geschlachtet wurde. Einen 1 jährigen Zuchtbullen, eine 2 jährige Sterke, die zum Bullen sollte, 2 Schweine, 5 Kälber und 3 Zuchtsauen. Letztere weil er mit der Schweinezucht keinen Bescheid wusste. Unsere 7 jähr. Zuchtstute mit Fohlen, ein 3 jähr. u. ein 24 jähr. Pferd sowie ein 2 jähr. Fohlen sind nicht mehr auf unserem Hofe. Gute Möbel von uns hat er auch schon veräußert. Zander soll vorwiegend mit Berliner Schiebern handeln, für Einheimische hat er nichts übrig. Am 4. Jan. 46 wurde mein Mann im Landratsamt in Barth im Zimmer der Bodenreform von dem Karl Lewerenz u. Hans Gütschow überfallen, geschlagen u. mit Füssen gestoßen. Von Lewerenz wurde er mit den Worten bedroht: „Wenn ich dich Hund auf der Straße treffe, schlage ich dich tot!“ Diese Körperverletzung u. Bedrohung zeigte mein Mann dem Amtsanwalt an. 4 Monate später schrie er uns, es läge kein öffentliches Interesse vor u. wurde Privatklage anheim gestellt. Im Mai 1946 äußerte Lewerenz auf der Bodenreform in Stralsund: „ Leesch kommt nicht wieder auf seinen Hof, da sorge ich dafür, und wenn er doch wieder raufkommen sollte, dann wird er totgeschlagen!“ Zeugen waren in Barth die Angestellten des Landrats im Zimmer 33, in Stralsund der Statthalter Schumacher u. der Schmied Max Schuldt in Martensdorf wohnhaft, welche die Äußerungen des Lewerenz in der Bodenreform mitanhörten. Lewerenz in Zimkendorf beschäftigte einen jungen Wirtschafter Karl Sohns, jetzt bei Schröder, Kohlenhandlg. Strals. Frankenstr. Sohns erzählte meinem Mann, dass in einem ¾ Jahre durch Lewerenz seinen Kuhstall 54 Kühe gegangen sind, die er in Pütte, Zimkendorf u. Pantelitz entwendet hatte. Von diesen Kühen behielt er immer die besten für sich, die anderen verkaufte er an Neusiedler weiter. Lewerenz der bei der Polizei gut bekannt war, ließ meinen Mann dauernd verfolgen, so dass er sich in Sicherheit bringen musste um nicht Gefahr zu laufen, von Lewerenz totgeschlagen zu werden. Herr Landrat Koberg, bei dem wir alle wegen Rückgabe unserer Höfe vorstellig waren, sagte uns selbst, er sehe ein, dass uns bitter Unrecht getan sei u. versprach uns, zu helfen wieder auf unsere Höfe zurückzukommen. Lewerenz und seine Helfer werden auch dies wieder vereitelt haben, denn der Landrat ließ sich später nicht wieder sprechen u. verwies uns an seinen Stellvertreter Heinrichs, bei dem wir nichts erreichen konnten. Herr Dcziobeck von der Bodenreform bekommt man auch nicht mehr zu sprechen, man trifft ihn niemals mehr an. Der Bauer Hübenbecker verdankt Herrn Dcziobeck auch eine Freiheitsstrafe von 34 Tagen, die er ohne jede Begründung und einmal in 34 Tagen ins Freie gekommen zu sein, abbüßen musste. |
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