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Hupertz
Heimatkunde Teil 2 - Der Fall Krüger

Der Fall Krüger

Hohe Zuchthausstrafe für ehemaligen Leiter der Stralsunder Kriminalpolizei.

Aus Greifswald (Landeszeitung Nr.285 v. 16.12.1947)

Darf zum persönlichen Vorteil der Leiter der Kriminalpolizei von Stralsund Autos kaufen, verkaufen, tauschen? Darf er Geschenke annehmen? Gehen seine Befugnisse so weit, dass er berechtigt ist sie zur Deckung seiner Geschäfte zu benutzen? Auf diese Fragen kann es ohne Zweifel nur ein nein, entschiedenes nein geben!

Der frühere Leiter der Kriminalpolizei Stralsunds war  in derartigen Angelegenheiten anderer Auffassung  und stand deshalb vor der Großen Strafkammer des Greifswalder Landgerichts mit 9 weiteren Angeklagten. Willi Krüger, der somit Angeklagte frühere Kriminalkommissar macht einen intelligenten Eindruck. In den öffentlichen Dienst zur Kriminalpolizei in Stralsund zu deren Leiter er bestimmt wurde, kam aus einem anderen Beruf. Die Dienstvergehen begannen damit, dass er sich einen Teppich von Kollegen  „schenken“ ließ. Dieser Teppich verwandelte sich durch Manipulationen in einen Personenkraftwagen. Große Mühe verursachte es die Wege dieses „Dienstwagens“ zu verfolgen, der nacheinander repariert, gestohlen, wiedergefunden, beschädigt, neu zusammengesetzt , getauscht und schließlich an einen Privatmann für 10.000 RM verkauft wurde.

Weitere komplizierte Verhältnisse ergaben sich um eine größere Menge geräucherten Dorsch, die der Kriminalpolizei von einem Freund des Krügers gemacht wurden. Hiermit kann sich der Leiter der Kriminalpolizei auch nicht beschämen lassen. Dem Spender der Räucherfische nützte er, indem er einen Posten von 105 Zentner Brotgetreide „hintenrum“ erworben „amtlich“ sicherstellt und damit  dem Freund aus einer großen Bedrückung heraushilft. Später wurde mit einer Bescheinigung des Krüger das Korn aus der Stadt heraus aufs Land gebracht und dort - bis ruhigere Zeiten kommen – an die kornknappen Bauern eines bestimmten Dorfes; ausdrücklich mit größeren Aufschlag bei Rückgabe;  als Leihgetreide ausgegeben. Noch weitere andere undurchsichtige Aufzeichnungen und Papiere, ebenso einen größeren Geldbetrag zweifelhafter Herkunft fand man im Panzerschrank des Leiters der Kriminalpolizei in Stralsund. Keinen Zweifel ließ die zweitätige Verhandlung aufkommen, dass Krüger seine Dienstbefugnisse für persönliche Vorteilsbeschaffung für sich und guter Freunde ausnutzte. Er wurde zu 3 Jahren und 4 Monaten Zuchthaus, 2000 RM Geldstrafe und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. In dem Prozeß wurde auch gegen den Brotgetreidebesitzer, der im Fall des Krügers eine Rolle spielte, Gastwirt Herbert Busch aus Stralsund ermittelt. Auch ihn traf eine harte Strafe, er erhielt 1 Jahr und 7 Monate Zuchthaus und 5000 RM Geldstrafe. Noch weitere 7 Angeklagte die mit den Taten von Krüger und Busch in Verbindung standen erhielten Zuchthaus, -  Gefängnis -, oder Geldstrafen, ein Angeklagter wurde freigesprochen.

(Wortlaut wurde von mir verändert wegen ©)

 

 

 

 

Mit den Banditen wird aufgeräumt.

2. Jahrgang, Landes-Zeitung, 1. Mai 1948

Die Polizei hat auf dem Stralsunder Bahnhof die Ausweiskontrolle ohne Beanstandung beendet. Es ist Mitternacht geworden und die Reisenden streben schnell der Stadt zu. Auch ein junges Mädchen das dem Zug aus Berlin entstiegen war eilte sich, um schnell die Unterkunft zu erreichen. Plötzlich wurde sie aus einem Auto heraus angerufen. Aus dem Auto sagte ein angeblicher Kriminalist in die Dunkelheit, die soeben geprüften Personalausweise hätten sich nicht als in Ordnung herausgestellt und er hätte den Auftrag  Inhaber und Ausweis zu überwachen und in das Kriminalamt zu bringen. Das sie sich keiner Unkorrektheit bewusst war, folgte das Mädchen nur mit Widerstreben den mehrfachen Aufforderungen und stieg in den Wagen.

Vor einem hellerleuchteten größeren Haus schien er halten zu wollen mit der Bemerkung dies sei das Kriminalpolizeigebäude. Es wäre ihm überlassen, ob er seine Häftlinge auch abliefere oder nicht. Er ließe mit sich reden wenn seine schöne Begleiterin ... er fuhr den Wagen wieder an und aus der Stadt heraus. Unsere Leser können erraten was sich nun abspielte. Der angebliche Kriminalist versuchte das neben ihm sitzende Mädchen, das sich heftig sträubte und um Hilfe rief zu vergewaltigen. Das bedauernswerte Mädchen wurde bei dieser Gelegenheit mit Gewaltandrohung, Knebelung, sogar mit dem Tode bedroht. Sie konnte sich durch einen glücklichen Zufall von dem Unhold freimachen. Dabei gingen Handkoffer und Reisetasche verloren. Ein Polizist der durch den Tumult aufmerksam wurde, eilte heran und nahm sich des Mädchens an.

Das Auto entwischte zunächst in der dunklen Nacht, obwohl der Polizist von seiner Schusswaffe gebrauch machte. Sofort erfolgte Ermittlungen ergaben die Feststellung des Täters. Der angebliche Kriminalist war der frühere Landwirt Karl Lewerenz  aus Zimkendorf, Kreis Stralsund. Lewerenz ist als gewalttätiger und roher Mensch bekannt und ist seiner Tat voll überführt. Vor einigen Tagen hatte er sich vor der großen Strafkammer des Landgerichts Greifswald zu verantworten. Das Urteil wegen Vornahme unzüchtiger Handlungen und wegen versuchter Notzucht lautet auf  2 Jahre Zuchthaus und 4 Jahre Ehrverlust.

Die Staatsanwaltschaft Greifswald geht von der Tatsache aus, dass Lewerenz an weiteren  bis heute nicht restlos aufgeklärten  Straftaten beteiligt ist. Seine Opfer hat er wahrscheinlich derartig eingeschüchtert, dass sie bisher nicht wagten Anzeige zu erstatten.

Der demokratische Staat ist gewillt, jedes Banditentum restlos zu beseitigen und Verbrecher empfindlich zu bestrafen. Die Staatsanwaltschaft Greifswald bittet daher alle Personen, die über Lewerenz und sein Treiben noch irgendwelche Angaben machen können, sich an das Kriminalamt Greifswald, Kommissariat K I, zu wenden.

(Wortlaut wurde von mir verändert wegen ©

 

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