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| Heimatkunde Teil 4 | |
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Der Landrat Des Kreises Franzburg – Barth Abt. Bodenreform --------- den, 21.3.46 An die Landesverwaltung Abt. Bodenreform Schwerin Betr.: Enteignung aktiver Faschisten in Pütte und Zimkendorf. Heute, am 21.3.46 fand in Pütte im Bürgermeisteramt nochmals eine Tagung zwecks Prüfung der dort zur Enteignung vorgeschlagenen Faschisten statt. Anwesend waren: Der Bürgermeister der Gemeinde Pütte Der Vertreter der KPD Stralsund, Herr Ohl Die Gemeindekommission aus Pütte 7 Einwohner aus Pütte Der Leiter der Bodenreform des Kreises Stralsund Zu dieser Sitzung waren sämtliche Beteiligten geladen, soweit deren Adressen zu ermitteln waren. Allgemeines Bild: Die zur Enteignung vorgeschlagenen faschistischen Betriebe sind noch einmal erschöpfend behandelt worden. Die darauf erfolgte Vernehmung der einzelnen Faschisten ergab, dass sie tatsächlich mit der in Stralsund stationierten SS in Verbindung standen und von dieser mehr oder weniger für Spionage unter den Nichtfaschisten gebraucht wurden und sich in diesem Sinne auch betätigt haben. Der in den Begründungen genannte Hübenbecker ist einer der aktivsten Faschisten, da er auch heute noch der Wortführer unter den Enteigneten ist. Diese sind unzweifelhaft von ihm informiert, was auch die Aussagen der anderen bestätigen. Herumstrolchend bewegen sie sich in der Umgebung, erhalten reiche Zuwendung an Lebensmittel, vor allen Dingen aus der Gemeinde Pantelitz und führen somit nach den jetzigen Begriffen noch immer ein Herrenleben. Es ist Zeit, dass diese Faschisten aus der Umgebung entfernt werden. Der Vorsitzende der Gemeindekommission, hier die Unterschrift Die Mitglieder der Gemeindekommission, 5 Unterschriften, dabei Zander und Schuldt. -------------------------------------------------------------------------------------------------------- Der Präsident des Landes Schwerin, de 13.5.46. Mecklenburg-Vorpommern Propagandaabteilung Tgb.Nr.Pr./ 920 An die Landekommission
für Bodenreform im Hause In der Anlage überreichen wir einen Beschwerdesatz des mit Wirkung vom 5. Mai 1946 durch dortseitige Verfügung enteigneten Bauern C.F. Leesch aus Pütte, Krs. Franzburg-Barth mit der Bitte um Kenntnisnahme und gefl. weitere Veranlassung. Aus den beigefügten Unterlagen geht hervor, dass Leesch wohl nicht als aktiver Nazi anzusehen ist. Die angeblichen Schikanen und Eigenmächtigkeiten des Vorsitzenden des dortigen Bauernhilfskomitees Lewerenz werden von hier aus untersucht werden. 5 Anlagen Im Auftrage: Unterschrift 17. Mai 1946 weitere Vermerke --------------------------------------------------------------------------------------------------------- Abschrift Aus der „Volksstimme“ Nr.11 von Mittwoch, den 24.10.45 Seite 2 Erklärung Von nationalsozialistischer und anderer reaktionärer Seite wird seit einigen Tagen systematisch im Lande das Gerücht verbreitet, dass nach Durchführung der Bodenreform des Grundbesitzes nunmehr auch die Enteignung und Aufteilung der mittel- und großbäuerlichen Betriebe erfolgen würde. Zu diesen von den Feinden des Volkes verbreiteten unwahren und gewissenlosen Behauptungen, die nur den Zweck haben, Unruhe zu schaffen und den gesunden Gedanken der Bodenreform zu untergraben, erklären die Unterzeichneten folgendes: „Weder die Landesregierung noch die antifaschistischen Parteien haben die Absicht, das Eigentum der Mittel- und Großbauern anzutasten. Sie warnen hiermit vor Weiterverbreitung solcher Gerüchte und werden für die Bestrafung der Schuldigen Sorge tragen.“ Für die Landesverwaltung Mecklenburg-Vorpommern: Höcker Landeskommission zur Durchführung der Bodenreform: Warnke Für die Kommunistische Partei: Sobottka, Bürger Für die Sozialdemokratische Partei: Holtmann, Xaver Karl Für die Christliche Demokratische Partei: Lebedanz, Kruckenmeier -Abschrift- Der Landesregierung möchte ich folgendes ergebenst unterbreiten: Als wir enteignete Bauern und Frau Bäckermeister Deters aus Pütte, die ebenfalls enteignet wurde, Anfang März beim Herrn Landrat in Barth wegen unserer Wirtschaft vorstellig wurden und unsere Nöte vortrugen, erklärte uns Herr Landrat und sagte: „ Ich sehe ein, ihnen ist bitter Unrecht geschehen, ich werde sie nächste Woche wieder auf ihre Wirtschaft raufsetzen. Als wir dann wegen Lewerenz sagten, dass er uns doch nicht in Ruhe ließe, sagte Herr Landrat, den sperren wir dann auch einmal ein, dass er zur Vernunft kommt. Wir fuhren dann auch befriedigt nach Hause und warteten ab. Nun wurde inzwischen das Landratsamt nach Stralsund verlegt. Nach 2 Wochen gingen wir wieder zum Landrat um ihn zu bitten sein gegebenes Versprechen einzulösen, da merkten wir dass der Wind aus ganz gegengesetzter Richtung wehte. Der Herr Landrat sagte zu uns, ich habe keine Zeit für sie, ihre Sache bearbeitet Herr Heinrichs und machte uns die Tür zu Herrn H. auf. Ich kannte Herrn H. noch nicht, als ich meinen Namen nannte, fragte Herr Heinrichs: „Was waren sie in der Partei?“ „Garnichts“ war die Antwort. Als ich nun unser Anliegen vortrug und sagte, der Herr Landrat hat uns vor 14 Tagen gesagt, uns ist bitter Unrecht geschehen, er wolle uns wieder auf unsere Wirtschaft setzen, da ging Herr Heinrich im Sturmschritt zum Landrat, kam nah kurzer Zeit mit einem roten Kopf zurück und behauptete, das hat der Landrat nicht gesagt. Herr Heinrichs schickte uns zu Herrn Dcziobek. Dieser inszenierte zum 21. März eine Bereinigungsaktion in Pütte, die aber erst am 22. März stattfand und nachmittags gegen 3 Uhr zu Ende war. Hübenbecker aus Pütte und walter Busse aus Zimkendorf wurden auf Veranlassung des Herrn Dcziobek und des Herrn Ohl verhaftet und nach Stralsund zum Polizeirevier II gebracht und in den Keller gesperrt, wo Hübenbecker 34 Tage ohne einmal ins Freie zu kommen gesessen hat, er ist auch nicht vernommen worden, er wurde aus einer Willkür dort festgehalten, ein Haftbefehl lag nicht vor. Es wird auf unserer Wirtschaft in Pütte viel schwarz geschlachtet. Die anzeigen liegen bereits bei der Kriminalpolizei vor. gez. C.F. Leesch |
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