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Hupertz - 05.09.2001
Schweigen ist die grausamste Lüge! 2

Am 2. 5. 1945 Eintreffen einer russischen Abteilung „Standgericht“ des Leutnants gegen mich mit gezogenem Revolver, serbische und polnische Kriegsgefangene sprechen für mich.

Erste Plünderung des Hauses, Festnahme weil ich mich gegen Vergewaltigung der Mädchen wehre. Da wir zwischen zwei Waldlagern lagen, ereigneten sich täglich Plünderungen und mindestens viermal pro Woche Vergewaltigungen, bis zum 20. Juni. Unter anderem wurde eine 71 jährige in ihrem Bett vergewaltigt. Später wurde es besser weil wir eine Wache auf den Hof bekamen, denn ich war beim letzten Großunternehmen so geschlagen worden, dass es selbst dem Stadtkommandanten zu viel wurde.

Der Viehbestand ging in dieser Zeit von 80 auf 40 Haupt zurück, wobei 30 Stück nicht bezahlt wurden. Meine Arbeiter hatten in dieser Zeit viel zu leiden, weil sie in ihren gut eingerichteten Wohnungen als Kapitalisten angesehen wurden.
Nur der Melkmeister Smykalla machte sich mit seinen polnischen Sprachkenntnissen bei den Russen beliebt als Zutreiber, Zuhälter und Denunziant. Er wurde als erster Parteimitglied der KPD und dann Leiter des Kommitees für Bodenreform.
Ich wurde dreimal als Betriebsleiter abgesetzt, aber immer wieder eingesetzt, „solange ich die Arbeiter noch bezahlen konnte“. Ich wurde dann am 14. 9. 1945 von einem GPU-Kommissar verhaftet, blieb nach zweimaligen Verhör ohne Verfahren 4 1/2 Jahren in den Konzentrationslagern Fünfeichen bei Neubrandenburg und Buchenwald bei Weimar, wo ich am 25. 1. 1950 entlassen wurde.

Enteignung und Ausweisung erfuhr ich auf folgende Weise: Der neu eingesetzte Bürgermeister der Nachbarstadt berief eine Versammlung der Dorfeinwohner in meinem Haus zusammen und sagte dabei: „Dies alles gehört jetzt euch“.

Meine Frau wurde am 5. 10. 1945 vom Landratsamt Rostock angerufen, sie hätte binnen 3 Stunden den Hof zu verlassen. Nur durch die Hilfe unserer Landarbeiter war es möglich, dass ihr ein Wagen zur Verfügung gestellt wurde. Meine Frau hat von der Polizei Rostock, wohin sie geflüchtet war, einen Gestellungsbefehl erhalten, sich mit ihren Kindern für den Abtransport bereitzuhalten. Daraufhin flüchtete meine Frau mit 5 Kindern (das sechste wurde drei Wochen später geboren) nach Hamburg.
E.H.

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