Aus eigenem Erleben kann ich nichts
berichten, da ich zur Zeit der Besetzung noch Regimentskommandeur
bei der Wehrmacht war und mich in schweren Abwehrkämpfen
auf der Insel Wollin befand.
Obwohl ich rechtzeitig den Befehl zum sofortigen Aufbruch
mit vorbereiteten Treck gab, kam es nicht mehr dazu.
Russische Panzer nahmen das Gut.
Unser 16jähriges Dienstmädchen wurde von den
Russen zu Tode vergewaltigt, unsere Wirtschafterin nahm
sich das Leben, um den fortwährenden Vergewaltigungen
zu entgehen. Das gleiche Schicksal erlitten fast alle
Frauen.
Meine Frau, Söhne und Schwiegertochter flohen,
kehrten nach 14 Tagen zurück. Alle beladenen Treckwagen,
Wohnhaus usw. waren restlos ausgeplündert. Meine
Frau und mein jüngster Sohn haben dann bis zur
Enteignung und Ausweisung unter jämmerlichen Verhältnissen
auf dem Gut gearbeitet.
Im Oktober 1945 wurde meiner Frau, die schwer an Typhus
erkrankt war, die Enteignung mitgeteilt.
Mein älterter Sohn hat dagegen Protest erhoben,
ohne je eine Antwort zu erhalten. Gleichzeitig mit der
Enteignung erging der Ausweisungsbefehl.
Meine beiden Söhne schleppten ihre schwerkranke
Mutter auf einem Handwagen von Dorf zu Dorf.
Nirgends wurde Aufenthaltserlaubnis erteilt, so dass
nur die Flucht nach Berlin zu Verwandten übrig
blieb.
K.O.