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Hupertz - 19.08.2001
Verschleppt bei Nacht und Nebel

Bitte alles lesen und vielleicht der Zeitung bzw. dem Verfasser antworten, selber antworte ich beiden.


Aus Ostsee-Zeitung, Geschichte und Heimat,
Wochenendausgabe, den 18./19. Aug. 2001


Verschleppt bei Nacht und Nebel.

Durch die Bodenreform verloren in der sowjetischen Zone Tausende Menschen Heimat, Hab und Gut.
Auf Anweisung der Besatzungsmacht und mit Hilfe der KPD wurden sie oft mit geheimen Ziel deportiert.

Herbst 1945 in Sachsen und Thüringen.
Die Bodenreform enteignete Bauern, Gutsbesitzer und Pächter. Sie wurden in 25 bis 50 km entfernte Orte ausgewiesen.
Doch die KPD radikalisierte gemeinsam mit der sowjetischen Besatzungsmacht ihr Vorgehen gegen die Enteigneten. Diese wurden verhaftet, in Lagern interniert und Ende Oktober, Anfang November in Güterzügen mit unbekannten Ziel bei Nacht und Nebel deportiert.

Die Fahrt ging nach Rügen.. Dort sollten sie auf Kleinstsiedlerstellen von 3 ha ihr Leben fristen. Drei Transporte kamen in Güterzügen an. Die Betroffenen stammten vor allem aus Sachsen. Der erste Transport aus dem Lager Coswig bei Dresden begann am 28. Oktober 1945. Zwei weitere Transporte aus den Lagern Colditz und Radeberg trafen am 10. Nov.1945 im rohbaufertigen , einstigen KDF-Bau Prora ein. Insgesamt 1414 Enteignete wurden Rügen zwangsumgesiedelt.
Am 3. Nov. 1945 wurde den Rügener Bürgermeistern die Ankunft der Enteigneten mitgeteilt: Es handelt sich hierbei um Faschisten, ehemalige Parteigenossen und Junker die aus den genannten Provinzen ausgewiesen worden sind und denen hier im Zuge der Bodenreform auf Befehl der russischen Militärverwaltung 3 ha große Landflächen als Neusiedler zuzuteilen sind.
Als die Umstände der Bodenreform bekannt wurden, schaltete sich die CDU-Führung der Sowjetzone um Andreas Hermes und Walter Schreiber ein und kritisierte gegenüber KPD und Besatzungsmacht die inhumane Behandlung der Enteigneten. Beide wurden kurz darauf auf Druck der Sowjets abgesetzt.
Die Kontrolle der auf Rügen Untergebrachten sollte durch ein Vermerk in den Papieren: "Darf die Insel Rügen nicht verlassen!" den Wachposten der Roten Armee die Handgabe geben, das Passieren der behelfsmäßig wieder hergestellten Rügendammbrücke zu verhindern.
Dessen ungeachtet gelang den meisten die Flucht, teilweise auch durch die Hilfe von Bauern, Fischern und Pastoren. Hilfe konnten die Enteigneten auch von der evangelischen und katholischen Kirche erwarten. Bereits kurz nach Ankunft der Transporte hatten die beiden Rügener Superintendenten die Pastoren der Insel aufgefordert, die Heimatlosen persönlich in den Gottesdiensten zu begrüßen und ihnen zu helfen. Doch nur wenige Familien, insbesondere Alte und Kranke, blieben auf der Insel länger als bis Sommer 1946.
Im Gegensatz zu der Ansiedlung der Enteigneten aus Sachsen sollten die enteigneten Gutsbesitzer, Pächter und Bauern aus Mecklenburg-Vorpommern nach Thüringen zwangsumgesiedelt werden. Nachdem sie bereits im Zuge der Bodenreform von ihren Höfen in mindestens 25 km entfernte Orte ausgewiesen worden waren wurde in der "Aktion Thüringen" die Zwangsumsiedlung geplant. 3025 enteignete Familien sollten verhaftet und dann von Sammelpunkten aus mit Güterzügen nach Thüringen deportiert werden.
Beispielsweise sollten von Stralsund aus 1825 Enteignete aus den Kreisen Rügen und Franzburg-Barth per Bahn nach Thüringen gebracht werden. Die tatsächlichen Zahlen waren weit geringer, da viele bereits vorher in den Westen geflohen waren.
Am 10. Nov. 1945 wurde die Zwangsumsiedlung von der Landesverwaltung verfügt.
Am 18. Nov. wurde ein erster Transport mit 158 Betroffenen aus den Kreisen Rügen und Franzburg-Barth nach Thüringen gebracht.
Ein damals als Jugendlicher zusammen mit seinen Eltern Ausgewiesener der von einem Rügener Gut stammte, berichtet: "Ende November wurden wir in Viehwaggongs in ein Barackenlager nach Weimar transportiert. Da Thüringen und weite Teile Sachsens von den Amerikanern erobert wurden, waren zu diesem Zeitpunkt die dortigen Verwaltungen in den unteren und mittleren Ebenen noch nicht kommunistisch ausgerichtet. Bei der Vorsprache wurde uns gesagt, dass dies kurz bevor stehe und man gab uns den Rat und die Gelegenheit, mit einem Bus, der damals noch wöchentlich einmal in die britische Besatzungszone fuhr, heimlich mit nach Duderstadt zu fahren. Das war 1945 unser größter Glücksfall."

Die Ergebnisse dieser Gewaltaktion in Mecklenburg-Vorpommern wurden offensichtlich als ungenügend bewertet. Deshalb erfolgte eine neue Welle von Verhaftungen mit nachfolgenden Transporten nach Thüringen. Im Januar 1946 wurde ein weiterer Großtransport "Großagrarier von Rügen" zunächst nach Weimar gefahren und in einem Lager untergebracht, bevor er Anfang März nach Nordhausen weitertransportiert wurde. Dort wurden die Enteigneten auf Bauernhöfe verteilt.

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