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Dr. JUR. UDO MADAUS
Köln, den 28. Juni 2002
An das Präsidium der CDU und der CSU
Sehr geehrter Herr Dr. Stoiber,
für die Betroffenen der Konfiskationen zwischen 1945 1949
ist es unerträglich, dass einer der Hauptschuldigen für die
Nichtrückgabe dieser Vermögenswerte und damit auch Hauptschuldigen
für die Ausgrenzung von engagierten und investitionsbereiten Eigentümern
im Osten nunmehr wieder in das CDU/CSU politische Rampenlicht tritt:
Herr Dr. Wolfgang Schäuble.
Es ist nach den heute verfügbaren Dokumenten erwiesen, dass Herr
Schäuble nach dem Besuch von Modrow in Bonn am 13. Februar 1990
mit Herrn Waigel erkannte, dass mit dem so Modrow: Nettosozialprodukt
der DDR von 1,4 Billionen Mark, wovon sich 980 Milliarden im Staatseigentum
der DDR befinden, sowie den ca. 6.0 Millionen Hektar an Grund und Boden
die Wiedervereinigung weitgehend zu bezahlen ist. Schäuble war
auch derjenige, der über die von Helmut Kohl eingesetzten Expertengruppe
am 5. März 1990 im Der Spiegel verlauten ließ:
Enteignungen von Großgrundbesitz, Großindustrie und
Bodenschätzen vor 1949 werden nicht rückgängig gemacht,
die früheren Eigentümer nicht entschädigt.
Schäuble sagte selbst: Für mich stand am 18. März
1990 das Grundgerüst des Vertrages zur Einigung fest (Schäuble
Buch Der Vertrag S. 255), nachdem er ab Februar nachgedacht
hatte, was man machen muss, wenn es zur Wiedervereinigung kommt.
Weitere interessante Einzelheiten sind aus den Verhandlungs-Protokollen
mit der DDR ersichtlich, die in Dokumente zur Deutschlandpolitik
Oldenbourg-Verlag, veröffentlicht sind. Daraus ist zu schließen,
dass nach einem raffinierten Konzept die UdSSR für die Nichtrückgabe
verantwortlich gemacht werden sollte, weil man einen Rechtfertigungsgrund
für die gegen unsere Verfassung und gegen das Völker-/Menschenrecht
verstoßende Handlungsweise benötigte.
Die Bundesregierung also in erster Linie Schäuble
scheute nicht davor zurück in diesem Sinne die sowj.-russ. Erklärungen
(TASS-Erklärung und Aide-Menoire zu fälschen /zu verfälschen
und sogar die sowjet-russischen Rehabilitierungserlasse zu unterschlagen,
die eine Wiedergutmachung allen stalinistischen Unrechts vorsahen.
Ich möchte mir erlauben einen Vorschlag zu machen: Haben Sie den
Mut in Ihrem Interesse und im Interesse der Wahrheitsfindung ein Hearing
oder eine Diskussionsrunde mit den Herren Schäuble,
Waigel, etc,. auf der einen Seite und Vertretern der Betroffenen
Verbände, Verfassungsrechtlern, Historikern auf der anderen Seite
einzuberufen, wo die Vorwürfe gegen Herrn Schäuble resp. gegen
die damalige Bundesregierung öffentlich diskutiert werden, denn
das Thema ist von der CDU/CSU nicht ewig unter den Teppich zu
kehren.
Man könnte auch daran denken, ein unabhängiges kompetentes
Gremium zur Wahrheitsfindung einzusetzen, nachdem zahlreiche Versuche
gescheitert sind, einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss einzusetzen.
Ich würde mich freuen von Ihnen zu hören und verbleibe
Mit bestem Gruß
gez. U. Madaus
An die Verbände
Dieses Schreiben ging an folgende CDU/CSU Präsidiums-Mitglieder
namentlich benannt,
19 CSU
14 CDU, nachrichtl. Dr. Wolfgang Schäuble
an die Presse
an die FDP
an Rechtswissenschaftler
und engagierte Persönlichkeiten
Mit bestem Gruß
Dr. U. Madaus
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