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| OFFENER BRIEF - von Claudia May |
| Freiheitsglocke November/Dezember 1999, 48. Jahrgang, Nr. 564/565 | |
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Die Freiheitsglocke zum Jahreswechsel war ein gelungener Querschnitt im Rück- und Ausblick auf das letzte Jahr des 20. und den Beginn des 21. Jahrhunderts. Markante Jah-restage und -wechsel sollten uns allen Hoffnung geben und den Mut zum Aufbruch wach-sen lassen, denn so wie bisher darf es nicht weitergehen. Wer begreift, dass Anpassung, systemunabhängig, der sicherste Garant für Wohlergehen ist, muss sich nicht wundern, dass die PDS diesen Zulauf hat, zumal ja auch der Rechts-staat BRD Täter, Systemkonforme, Mitläufer unverhältnismäßig begünstigt. Wo nicht nur die etablierten Parteien hoffnungslos versagen, das Täterklientel mit satten Renten, guten Positionen in allen Bereichen ruhiggestellt wurde, können wir angesichts der auch in unseren Kreisen um sich greifenden Lethargie nicht auf Einsicht und erforderliche Mehrheiten in der Politik hoffen. Unlängst durfte ich mir auf einer Veranstaltung der Akademie für politische Bildung in Tut-zing vom Bundestagsabgeordneten Arnold Vaatz die zynische Bemerkung anhören, dass jeder Segelflugverein mehr Interessierte auf die Beine bringt, als Veranstalter die DDR-Unrecht thematisieren. Wir selbst sind es, die Politiker in ihrem rechtspositivistischen Denken bestärken und tra-gen damit, wenn auch ungewollt, zu Fundamentalisierung des Täterschutzstaates bei. Und wenn wir das ändern wollen, müssen wir uns endlich selbst auf den Weg begeben! Wir, die ehem. DDR-Verfolgten und vom Rechtsstaat weiterhin sträflichste Benachteiligten, müssen auf unsere vorenthaltenen Rechte aufmerksam machen. Es genügt nicht, in ge-schlossenen Räumen zu Gedenkveranstaltungen, Jahrestagen die Versäumnisse des Rechtsstaates aufzulisten. Gehen Sie an die Öffentlichkeit, wo Sie von allen gesehen wer-den, erheben Sie Ihre Stimme - wieder und wieder! Nehmen wir uns ein Beispiel an den Erfolgen der ehem. Zwangsarbeiter und sagen wir uns, dass wir keine 50 Jahre warten wollen! Eine Dauer-Demo vor dem Reichstag sollte unser Mittel zur Durchsetzung der geforderten Verfolgtenrente sein; denn dieser Anspruch ist nach dem Bundesverfassungsgerichtsurtei-len vom 28. April 1999 und den vom Parteienetablissement getragenen Täterschutz mehr als nur berechtigt. Claudia May |
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