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| Leserbrief von Claudia May |
| Thüringer Landeszeitung vom 16. August 1999
Gastbeitrag von Herrn Wolfgang M. Nossen "Warum diese Ehrfurcht nicht für die Lebenden?" |
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Sehr geehrter Herr Kazcmarek, Bezug nehmend auf die v. g. Artikel bitte ich um Veröffentlichung meines nachfol-genden Leserbriefes. LESERBRIEF Die deutsche Nation, deren Denken und Handeln von Obrigkeitsdenken und allzu willfährigem Gehorsam von jeher beherrscht wurde, kann sich nur noch an Gedenk-tagen - an Todestagen - zu großen Worten aufraffen. Schließlich bedeutet jedes verblichene Opfer für den deutschen Rechtsstaat - die biologische Endlösung rückt näher; in diesem Kontext ist diese Form der "Ehrfurcht" durchaus nachvollziebar! Denn der fortgesetzte Verrat an den lebenden, unbequemen Minderheiten und An-dersdenkenden geschieht unverhohlen, in schon traditionellem Täterbewusstsein! Auch ein Nazi-Hitler konnte nicht allein Millionen Juden vernichten, dazu bedurfte es des kollektiven Bewusstseins der Masse "Mensch". Und die Mächtigen, die Politiker und die Justiz suggerieren weiterhin erfolgreich Verdrängen, Vergessen und Verständnis für die Täter, nur so konnte die erste und auch die zweite Diktatur in der Gegenwart und kann die Nichtaufarbeitung der Ver-gangenheiten funktionieren. So vermeintlich entlastet von eigenem Gewissen und der ganz persönlichen Verant-wortung, muss dieses Klientel den noch immer mahnenden Lebenden die Ehrfurcht versagen. Die wieder einmal erhobene, heuchlerische Stimme des Staates im Angesicht des Todes, das Erinnern derer, die es besser wissen müssten, an das gewollte und ge-zielte Versagen gegenüber den Opfern, ist nicht mehr als nur eine lästige Pflicht-übung! Mit freundlichen Grüßen Claudia May
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