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| OFFENER BRIEF - von Claudia May |
| zum Leserbrief "Freiheitsglocke" Nr. 563 - Ausgabe Oktober 1999 | |
| Henning Lemmer nimmt Stellung zu den Vorwürfen der Geschwister May und G. Beyer in FG 561 und 562 | |
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Sehr geehrter Herr Lemmer, Sie geben vor: "... die Bitterkeit der beiden Beiträge, die sich gegen die falschen Schuldigen richten, zu verstehen. Allein verantwortlich für das DDR-Unrecht ist und bleibt die SED einschließlich ihrer Nachfolger im Geiste und im Parteivermögen." Mit Verlaub, Herr Lemmer, Sie machen es sich da entschieden zu einfach. Es gab nicht nur die SED, es gab auch die Blockparteienmitglieder etc., die mit offenen Armen von der CDU der Altbundesländer aufgenommen wurden. Und nicht zu ver-gessen, auch die DDR-CDU hatte Parteivermögen! Zur Beweisführung der westlichen Unschuld bzw. zur Wahrheitsfindung empfehle ich Ihnen dringendst die Lektüre von Hubertus Knabe "Die unterwanderte Republik. Stasi im Westen". Schon 10 Jahre nach dem Mauerfall gibt es nämlich keine Täter mehr, sie wurden alle sämtlich von der westdeutschen Justiz freigesprochen oder zu derart lächerli-chen Bewährungsstrafen verurteilt, dass jede Verantwortlichkeit - auch an die Nachfolgepartei der SED - für fortwirkendes DDR-Unrecht ad absurdum führt.
Die DDR-Verfolgten dürfen sich freuen, es gibt fast keine Täter mehr, die erlebte Verfolgung, die rechtsstaatswidrigen Maßnahmen waren aller Wahrscheinlichkeit nach nur eine Fiktion!
Insofern liegt Ihr Resümeé völlig neben der Sache. Tatsache ist, dass sich der Rechtsstaat bis zum heutigen Tag seiner Verantwortlichkeit nach Art. 17 und 18 Einigungsvertrag in Verbindung mit Artikel 3 und 116 Grundgesetz widerrechtlich entzieht. Sehr geehrter Herr Lemmer, akzeptieren Sie die gemeinen deutschen Wahrheiten, und versuchen Sie bitte nicht, die DDR-Verfolgten mit dem Kindermärchen, nur die SED trägt allein die Schuld, zu verdummen! Mit freundlichen Grüßen
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