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Aus der Amazon.de-Redaktion
Wer glaubte, die Stasi sei ein rein ostdeutsches Problem, der
wurde spätestens beim Erscheinen von Hubertus Knabes beklemmender
Studie Die unterwanderte Republik eines Besseren belehrt. Der
Berliner Historiker hat sich seit langem der Erforschung der noch
weitgehend unbewältigten Westdimension der Stasi verschrieben.
Ein Thema, mit dem man nicht nur Freunde gewinnt, wie die Auseinandersetzung
um seine Bücher zeigt.
Sein neuestes heißt Der diskrete Charme der DDR und handelt
von den vielfältigen Stasi-Verstrickungen westdeutscher Journalisten.
Neu ist das Thema nicht. Nach Öffnung der Archive wurden
diverse Inoffizielle Mitarbeiter (IM) in bundesdeutschen Redaktionsstuben
enttarnt, und ehemalige Stasi-Generale wie Markus Wolf rühmen
sich öffentlich der Erfolge ihrer Desinformationskampagnen.
Bei dem, was bislang bekannt geworden ist, handelte es sich jedoch
nur um die Spitze des Eisbergs. Wie Knabes akribische Recherchen
belegen, hatte der Staatssicherheitsdienst die Westmedien in vielfältiger
Weise durchdrungen und beeinflusst. "Die Ebenen der Einwirkung
reichten von systematischer Kontaktarbeit über langjährige
vertrauliche Verbindungen bis zu unsichtbarer Propaganda in den
westlichen Medien", resümiert Knabe, und auch "gezielte
Aktionen gegen DDR-kritische Journalisten" gehörten
zum festen Repertoire der Mielke-Truppe.
Das Entlarven der heimlichen Zuträger ist allerdings nicht
das einzige Anliegen des Buches. Den Autor beschäftigt vor
allem die Frage, welche Rolle das MfS beim Wandel des DDR-Bildes
in den westdeutschen Medien spielte. Vieles deutet darauf hin,
dass der Einfluss der Staatssicherheit über die reine Informationsbeschaffung
und eine eher "begleitende oder stimulierende Rolle"
hinausging. Doch erlaubt auch hier das vorhandene Material kein
abschließendes Urteil.
Knabes Studie beweist anschaulich, dass es Verrat und Bespitzelung
nicht nur im Osten Deutschlands gegeben hat. Und sein Buch wird
entscheidend dazu beitragen, die gravierende Schieflage in der
Auseinandersetzung um die Stasi-Vergangenheit zu beseitigen. --Stephan
Fingerle
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