Presse
Berliner Morgenpost - 07. 09.2001
das wohl prominenteste Baugrundstück Berlins

Still ruht der Bau
Grundstücksstreit und U-Bahn-Planung blockieren Entwicklung Unter den Linden
Von Rainer Stache

Der Bauvorbescheid für das wohl prominenteste Baugrundstück Berlins ist zwar gerade erteilt worden, doch ungeachtet dessen steht weiter in den Sternen, wann die zugige Ecke der beiden Renommierstraßen Unter den Linden und Friedrichstraße auch wirklich bebaut werden kann.
Dabei würde das arme Berlin so gerne die mehr als 70 Millionen Mark (36 Mio. Euro) für sein wertvollstes Innenstadtgrundstück einstreichen, stünde dem Senat jetzt nicht sein eigener Planfeststellungsbeschluss im Weg.

Ursprünglich sollte das Grundstück vor dem Hotel Unter den Linden nämlich zwischenzeitlich für die Baustelleneinrichtung der U-Bahn-Linie 5 dienen. Wäre die U-Bahn gekommen, hätten sich die Investoren mit ihren Plänen bis zum Jahr 2010 gedulden müssen. Nun scheint die U-Bahn angesichts der neuen politischen Konstellationen zwar obsolet, doch offiziell darf sie nicht beerdigt werden, weil der B u n d als Kofinanzierer dann seine schon g e z a h l t e n Millionen zurückfordern könnte. So droht eine Festschreibung des Status quo auf den Sankt-Nimmerleins-Tag. Allein ein neuer Planfeststellungsbeschluss müsste erneut öffentlich ausgelegt werden und kostete fast zwei Jahre weiteren Verzuges.

Allerdings sucht die Stadtentwicklungsverwaltung fieberhaft nach Auswegen. «Wir prüfen gerade intensiv, wie wir das Baufeld frei machen können, ohne den Planfeststellungsbeschluss aufheben zu müssen», versichert Petra Reetz, die Sprecherin von Senator Peter Strieder. Dafür müssten allerdings alternative Flächen für den U-Bahn-Bau ausgewiesen werden - und die sind, wenn überhaupt vorhanden, rar. Getestete Höfe erwiesen sich als ungeeignet, und den nicht nur räumlich nahe liegenden Mittelstreifen der Linden will man aus Angst vor Protesten nicht einbeziehen. Nicht vor Ende des Jahres erwartet Reetz Ergebnisse bei der Alternativensuche.

Sowohl für das Stadtsäckel als auch für den bauwilligen Hotelkonzern Deutsche Interhotel als Investor ist all das eine unbefriedigende Hängepartie.

Schließlich hat man mit dem gerade erteilten Bauvorbescheid und als Eigentümer des Nachbargrundstückes mit dem Hotel Unter den Linden die besten Karten im Wettlauf um die prominente Ecke in der Hand.

Schon seit mehr als einem Jahr liegen die fertigen Pläne des Konzerns für Abriss des Plattenbau-Hotels und Neubau auf der gesamten Fläche vor. Pläne, die jetzt vom Bausenator durch den Vorbescheid abgesegnet wurden. Die jungen Berliner Architekten Krüger, Schuberth, Vandreike teilten den Block in vier Parzellen und reagierten trotz moderner Gestaltung mit Schrägdach und Fassadendetails auf die historische Nachbarschaft.

Trotzdem soll das freie Grundstück noch international ausgeschrieben werden.

Allerdings werden es Konkurrenten, darunter die Fundusgruppe und Ernst Freiberger, nicht leicht haben, denn über die Nachbarschaftsrechte könnte die Interhotel ihnen erhebliche Schwierigkeiten bei eigenen Planungen machen. Für Reetz sind trotz der starken Position der Interhotel aber auch andere Lösungen möglich: «Sogar mehrere Investoren könnten auf Teilgrundstücken zum Zuge kommen.» Dann allerdings würde sicher das jetzige Hotel als Schandfleck des Boulevards unbestimmte Zeit stehen bleiben.

Für die Interhotel und das Stadtbild ist die Geschichte des Projekts sowieso eine Leidensgeschichte. Seit knapp zehn Jahren werden Pläne gewälzt, immer wieder kam etwas dazwischen.

Erst erhob der Industrielle Walter Eder
A l t e i g e n t ü m e r a n s p r ü c h e
und zog vergeblich bis vors Bundesverfassungsgericht.

Dann erwarb 1999 unter bis heute nicht ganz geklärten Umständen
die A+M Mediengruppe für 100 000 Mark eine inzwischen verfallene Option.

Und nun blockiert der Planfeststellungsbeschluss die Entwicklung.
Vorstellungen des Bezirks, das Grundstück als Freifläche zu erhalten,
begegnete der S e n a t immerhin,
indem er das Verfahren an sich zog
und die Ecke
zum «Gebiet außergewöhnlicher stadtpolitischer Bedeutung» erklärte.

Berliner Morgenpost

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