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| Berliner Morgenpost - , 23. April 2001 |
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Hubertus Knabe weist Einwände der Gauck-Behörde gegen sein Buch über Stasi und Westmedien zurück
Sorgt für Aufregung: Ex-Gauck-Mitarbeiter Hubertus Knabe. Foto: ddp Das Buch kommt. Alle Versuche, den Autor Hubertus Knabe an der Veröffentlichung des knapp 500 Seiten umfassenden Werkes über den Einfluss der Stasi auf westliche Medien zu hindern, blieben bislang erfolglos. Die Gauck-Behörde unter der Führung von Marianne Birthler hat nun ihrem ehemaligen Mitarbeiter 19 Einwände gegen sein Buch «Der diskrete Charme der DDR. Stasi und Westmedien» übersandt. Zuvor war es zu einem heftigen Streit zwischen der Behörde und Knabe gekommen, weil dieser angeblich Persönlichkeitsrechte verletze und Dienstgeheimnisse ausplaudere. Aus der Gauck-Behörde heißt es, trotz berechtigten Interesses an der Aufarbeitung der Stasi-Strukturen müsse der persönliche Schutz Betroffener gewahrt bleiben. Der aus Bremen stammende Knabe war bis Ende März Mitarbeiter der Gauck-Behörde und ist jetzt Leiter der Gedenkstätte für Stasiopfer in Hohenschönhausen. Sein damaliges Aufgabenfeld: die wissenschaftliche Aufarbeitung der Westarbeit des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Hubertus Knabe wusste, dass er mit diesem neuen Buch in ein Wespennest stechen würde. «Es war klar, dass es Einschüchterungsversuche geben würde», sagt der 41-Jährige. Als solche versteht er auch die Klagen vom Herausgeber der «Woche», Manfred Bissinger, und des Verlages «Gruner und Jahr». Mit ihnen soll unterbunden werden, dass Knabe in seinem Buch behauptet, es sei nicht auszuschließen, dass die DDR bei einem 1967 erschienenen Artikel des Magazins «Stern» gegen den Verleger Axel Springer ihre Finger im Spiel gehabt habe. Am kommenden Freitag wird über beide Anträge vor dem Hamburger Landgericht verhandelt. «Mit den Klagen soll offenbar verhindert werden, ein hässliches Kapitel des westdeutschen Journalismus historisch aufzuarbeiten», sagt Knabe. Dass er Steine in den Weg gelegt bekommt, ist Hubertus Knabe allerdings gewohnt. Seit er 1997 innerhalb der Gauck-Behörde für die Erforschung des Westeinflusses der Stasi zuständig wurde, wuchs die Zahl seiner politischen Gegner von Tag zu Tag. «Offenbar besteht in weiten Teilen der westlichen Gesellschaft gar kein Interesse an einer Aufarbeitung der Stasi-Machenschaften. Anstatt sich mit dieser Vergangenheit kritisch auseinander zu setzen, werden diejenigen massiv unter Druck gesetzt, die Licht ins Dunkel bringen wollen. Es ist absolut unverständlich, dass nur die FDP eine konsequente Aufdeckung des Einflusses der Stasi auf die Partei und deren Mitglieder fördert. Ich würde schon wissen wollen, wer von meinen Kollegen oder Parteifreunden gespitzelt hat», erklärt der Historiker. Knabe ist davon überzeugt, dass eine wirkliche Aufarbeitung auch die Beweggründe der Menschen zu Tage befördern würde, die sich ohne Druck einem gegnerischen Geheimdienst angeboten haben. «Doch das Thema ist einfach nicht gesellschaftsfähig». Er verweist in diesem Zusammenhang auf enttarnte Stasi-Agenten aus dem Westen, die weiterhin in führenden Positionen sitzen. Ein Mantel des Schweigens sei über sie gelegt worden. Die Gauck-Behörde, die gerichtlich gegen Knabes neues Buch vorgegangen war, wolle beispielsweise die Nennung von drei Stasi-Agenten untersagen, die bereits rechtskräftig verurteilt worden seien. Außerdem werde bemängelt, dass in dem Buch über einen Inoffiziellen Mitarbeiter aus Norwegen geschrieben werde, gegen den noch ermittelt wird. Knabe weist aber darauf hin, dass der Fall bereits in den norwegischen Medien ausführlich behandelt wurde. Ein weiterer Kritikpunkt der Gauck-Behörde: Eine Fußnote zu einem Stasi-Zitat sei vergessen worden. Da dies in jedem Zeitungsartikel fehle, könne Knabe diesen Einwand ebenfalls nicht nachvollziehen. Unverständlich sei ihm auch, weshalb er in seinem Buch die Persönlichkeitsrechte von Bundespräsident Johannes Rau verletze. Der Autor will nun entscheiden, ob er die entsprechenden Passagen schwärzen oder sich über die Einwände hinwegsetzen will. «Die Kritik hat keine Substanz. Das zeigt, dass ich sorgfältig gearbeitet habe», fühlt sich Hubertus Knabe bestätigt. Als bekannt wurde, dass dieses Buch erscheinen soll, hatte es viele Gerüchte gegeben. So wurde kolportiert, dass Knabe «Bettgeschichten» von Journalisten erzählen und reihenweise Namen von noch nicht enttarnten Stasi-Agenten nennen würde. «Alles frei erfunden», versichert der Autor. Die Aufregung rührt vermutlich daher, dass der US-amerikanische Geheimdienst CIA dieser Tage der Bundesregierung die Klarnamen von westdeutschen Stasi-Agenten und DDR-Spionen der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) übergibt. Die CIA hatte das Stasi-Material kurz nach der Wende erbeutet. Aus hohen CDU-Kreisen heißt es, die Bundesregierung sei jedoch nicht an einer Offenlegung aller Daten interessiert. Hubertus Knabe: «Ich habe am eigenen Leib erfahren müssen, wie westdeutsche Stasi-Agenten in den achtziger Jahren versucht haben, mich zu verunsichern. Erst nach der Wende habe ich in meiner Akte gelesen, dass ich sowohl während meines Studiums in Bremen als auch während der Promotion an der Freien Universität in Berlin von Stasi-Zuträgern beobachtet wurde.» Knabe hatte sich damals für die Belange der DDR-Opposition eingesetzt und darüber das Buch «Schwerter zu Pflugscharen - Friedensbewegung in der DDR» verfasst. |
| Datum | siehe auch: | Verweise | |
| 01.04.2001 | Mit meiner Forschung stieß ich ins Wespennest | ||
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