| Presse |
| Die WELT, 17.07.2001 |
| Attentäter des 20. Juli wirft der Regierung Rechtsbruch vor | |
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Bundesregierung hat zu Unrecht DDR-Eigentum geschluckt Baron Boeselager, einst Wehrmachtskommandeur im Reiterregiment 31 und
langjähriger Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen
Waldbesitzerverbände, unterstützt mit diesem Schreiben die
Forderungen von rund zwei Millionen Alteigentümern: Eine Ausnahme gab es allerdings im Falle der kurz nach dem Hitler-Attentat
hingerichteten Widerstandskämpfer: Diese Familien bekamen ihr Eigentum
in den neuen Bundesländern zurück. Wer sich dagegen Hitlers
Rachefeldzug entziehen konnte und das NS-Regime überlebte, ging
bei der bundesdeutschen Restitution leer aus. Dazu gehören auch die Erben eines inzwischen verstorbenen Boeselager-Freundes:
Axel von dem Bussche - jener aus Thale im Harz stammende Mann, der bereit
war, sich mit Hitler in die Luft zu sprengen. Zu jenen, die der Staat
bei der Rückgabe vergessen hat, zählen auch Männer aus
der zweiten Reihe des NS-Widerstandes wie Otto Heinrich von Bila, einst
Ordonnanzoffizier bei Feldmarschall von Kluge. Seine Witwe, Brigitte
von Bila (82), aus Schladen (Harz) nimmt am heutigen Freitag an der
Berliner Gedenkfeier teil. Ihr Sohn, Wolf von Bila, findet es besonders skandalös, dass sein Vater in der Sowjetischen Besatzungszone ausgerechnet als "Nazi- und Kriegsverbrecher enteignet" wurde. "Wir werden für etwas bestraft, was überhaupt nicht den Tatsachen entspricht." Damit die Familie auf ihrem ehemaligen Grund und Boden in Sachsen-Anhalt wirtschaften kann, musste sie einen Teil ihres alten Besitzes vom Staat pachten. Auch Baron Boeselager ärgert sich über das Ritual der jährlichen
Gedenkveranstaltung der Bundesregierung. Zwischen den feierlichen, mahnenden
Worten der Politiker und der tatsächlichen Rechtspraxis sieht er
einen eklatanten Widerspruch. Deshalb schrieb er an die SPD-Justizministerin:
"Mit der bisherigen Regelung droht dem politischen Vermächtnis
ein Glaubwürdigkeitsverlust." Zum einen betone der Staat immer
wieder, dass die Männer des 20. Juli ihr Leben für die Wiederherstellung
des Rechts geopfert hätten. (c) Die WELT online
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