Presse
Die WELT, 06.05.2003
Bittere Wahrheit
Der Kommentar
von Uwe Müller

Beim Wachstum ist Deutschland in der Europäischen Union das Schlusslicht. Innerhalb Deutschlands wiederum schneiden die neuen Länder schon seit Jahren schlechter ab als die alten. Von einem Aufholprozess Ostdeutschlands kann auch im europäischen Maßstab keine Rede sein. Der chronisch wachstumsschwachen Region zwischen Ostsee und Erzgebirge gelingt es nicht, beim Bruttoinlandsprodukt zum EU-Durchschnitt aufzuschließen. Im Gegenteil, der Abstand zum europäischen Mittel wird zunehmend größer.


Diese bittere Wahrheit wird in Deutschland häufig ignoriert. Wer weiß denn schon, dass das ökonomische Gewicht der neuen Länder dem der portugiesischen Freizeitinsel Madeira oder der spanischen Problemregion Asturien entspricht? Damit es dem Osten nicht noch schlechter geht, braucht er Geld. Brüssel hat das erkannt und will der Region auch nach 2006 Subventionen in Milliardenhöhe gewähren.


Doch das EU-Geld kann nur das Schlimmste verhindern. Damit die Landschaften im Osten wirklich blühen, muss die Bundesregierung der Region echte Standortvorteile verschaffen, vielleicht in Form einer Sonderwirtschaftszone.


Artikel erschienen am 6. Mai 2003

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