Presse
Die WELT, 13.03.2003
Ein Sturmgeschütz des WDR

 

Das Polit-Magazin "Monitor" geht zum 500. Mal auf Sendung
von Ulrich Clauss

(Auszug)
Auf Casdorff folgte mit Klaus Bednarz (1983 bis 2001) ein weiteres Urgestein des deutschen Fernsehjournalismus auf dem Stuhl des "Monitor"-Moderators und Redaktionsleiters . Auch Bednarz war eine Trockenheit im Ausdruck gegeben, die selbst Ertrinkende noch nach Wasser flehen ließ. Auch wenn das Florett immer öfter gegen die Dampframme eingetauscht wurde.

Sein mitunter überengagiert wirkendes (berufs-)politisches Selbstverständnis, ein langer - wie man heute sagen muss letztlich vergeblicher - Kampf gegen 16 Jahre Kohlregierung ließ "Monitor", wie andere auch, in einer gewissen Verbissenheit erstarren.
Man wusste allzu oft, was kam, wenn nur das Thema anmoderiert wurde.

"Monitor" bediente Fans und Gegner höchst verlässlich bis zur gelegentlichen Langweile.
Die Rohre der "kritischen" Monitor-Intelligenz schienen wie seit Urzeiten in die gleiche Richtung eingeschossen, die Flugbahnen der Skandalbotschaften allzu berechenbar.
Nur langsam fand "Monitor" nach dem Regierungswechsel 1998
aus den politischen Gräben,
in die sich die Redaktion oftmals tatsächlich hatte flüchten müssen,
wenn der politische Gegner seinerseits mit Kanonen auf die immer wieder mal rotzfrechen Kölner Sperlinge geschossen hatte.


Über ein Vierteljahrhundert sollte es dauern, bis mit der gestandenen Nachrichtenfrau Sonja Mikich das weibliche Element fester Bestandteil der Präsentation von "Monitor" wurde. In ihrer Ära wird das Problem zu lösen sein, zu Zeiten immer unschärfer werdender politischer Frontenverläufe und dem Abschied von bundesrepublikanischer Wohlstandsgewissheit ein Ethos hochzuhalten, das "Monitor" in seinen besten Zeiten für viele Kollegen zum Vorbild und für die Zuschauer zur Fernsehlegende werden ließ: Erst die Sache, dann die Gesinnung.


Artikel erschienen am 13. Mär 2003

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