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Kulturminister Schwydkoj unterstützt Recherche:
deutsche Forscher sollen in russischen Depots forschen dürfen
von Jens Hartmann
Moskau - Die russische Regierung hat ein Internet-Projekt vorgestellt,
in dem Beutekunst via Internet gesucht werden kann.
Auf der Website
www.restitution.ru
werden unter der Rubrik Verlorene Schätze
die Bestände russischer Museen und Schlösser gezeigt,
die von der Wehrmacht geplündert wurden.
Bislang sind der Katharinenpalast in Zarskoje Selo, wo sich einst das
Bernsteinzimmer befand, das Schloss Pawlowsk, die Tretjakow-Galerie
und das Russische Museum aufgelistet.
Diese Verlustliste soll ein Standardwerk für alle Kunsthändler
und Auktionshäuser werden. Denn in den vergangenen Jahren
sind immer wieder Kunstwerke, die die Wehrmacht mitgenommen hatte, auf
dem russischen Kunstmarkt aufgetaucht.
Teil zwei der neuen Website listet Beutekunst aus Deutschland auf, die
man in Russland Trophäenkunst nennt.
Nach russischen Schätzungen lagern in den Archiven und Museen 200
000 Beutekunstwerke. Deutschland spricht von 200 000 Kunstwerken, 4,6
Millionen Büchern und drei Kilometern Archivgut.
Im Internet sind erst mehrere Tausend Kunstwerke zu sehen, denn die
Katalogisierung ist noch lange nicht abgeschlossen.
Viele Museumsdirektoren wissen nicht, was in ihren Depots lagert. Schwydkoj
will bis 2005 Ordnung in die Bestände bringen lassen.
Auf den Websites des Kulturministeriums sind 19 russische Museen mit
ihren Beutekunstbeständen aufgelistet:
vom Puschkin-Museum in Moskau bis zum Staatlichen Schtschussew-Architekturmuseum.
Auch die Lenin-Bibliothek, in der unter anderem noch eine Gutenberg-Bibel
lagert, sowie Provinzmuseen wie die Kaliningrader Staatliche Universität,
die Regionalbibliothek von Smolensk oder das Museum von Pskow listen
ihre Bestände auf.
Die St. Petersburger Eremitage mit dem größten Bestand an
Beutekunst soll demnächst dazu kommen. Rund 850 Gemälde, 300
bis 400 Zeichnungen, mehr als 6 000 Gegenstände aus der Ostasiatischen
Sammlung des Berliner Museums für Völkerkunde sowie 12 000
Gegenstände, die größtenteils aus dem Berliner Museum
für Vor- und Frühgeschichte stammen, lagern in der Eremitage.
Das Blättern auf den Internetseiten ist wie ein Abtauchen in eine
längst vergessen geglaubte Geschichte, denn viele Kunstwerke galten
als verschollen.
Im Kulturministerium ist man besonders stolz darauf, dass man erstmals
auch das Moskauer Puschkin-Museum und seine Direktorin Irina Antonowa
überreden konnte, einen Blick in ihre Sammlung zu erlauben.
Die Glasnost, die das Kulturministerium mit seinem Internetprojekt demonstriert,
soll nur ein erster Schritt sein.
Minister Schwydkoj schließt nicht aus, dass in Zukunft auch deutsche
Forscher Zugang zu den bislang verschlossenen Depots erhalten.
Artikel erschienen am 25. Feb 2003
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