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Presse
Die WELT, 02.12.98
Habsburger fordern Eigentum zurück

Ihre Familiengeschichte ist auch eine Geschichte von Enteignungen. Jetzt gehen zwei Brüder in die Offensive, um auf das Unrecht hinzuweisen

von Karin Kneissl

Wien/Washington - Für eine Familie, die einmal weite Teile Europas regiert hat, sind die Forderungen nahezu bescheiden. Die beiden achtzigjährigen Herren, die am Vorabend der internationalen Konfe- renz zum Umgang mit den Nazi-Raubgütern ihre Forderungen anmeldeten, wollen weder ihre prunkvollen Paläste zurückbekommen, noch die unermeßlichen Kunstschätze, die sie einmal ihr eigen nannten.

Die Erzherzöge Felix und Carl-Ludwig von Habsburg, Söhne des österreich-ungarischen Kaisers Karl I., wollen lediglich wieder über ihre unter den Nazis enteigneten Immobilien verfügen - ein paar tausend Hektar Wald und etliche Gebäude, deren Wert zur Zeit der Enteignung mit rund fünf Millionen Mark beziffert wurde. "Es geht uns nicht um eine finanzielle Kompensation oder entgangene Einnahmen", erklärte Erzherzog Felix auf der Konferenz in Washington. "Wir wollen lediglich das zurückerhalten, was uns damals genommen wurde. Nicht, weil wir auf diese Güter angewiesen sind, sondern um darauf aufmerksam zu machen, daß Unrecht begangen worden ist." Die beiden Brüder haben sich nach Washington bemüht, weil sie die internationale Gemeinschaft überzeugen wollen, ihre Untersuchungen über geraubte Kunstschätze und konfisziertes Eigentum auszudehnen. Sie wollen erreichen, daß grundsätzlich alle Opfer der Nationalsozialisten ein Recht auf Entschädigung haben und nicht ausschließlich die Überlebenden des Holocaust. "Diese haben ihr Vermögen verloren und sollen dafür auch entschädigt werden", sagt Felix von Habsburg. "Wir meinen, daß wir ebenfalls ein Recht auf Wiedergutmachung haben, weil unser Eigentum von demselben Feind geraubt worden ist." Die eigentliche Enteignung der Habsburger hatte schon nach dem ersten Weltkrieg stattgefunden, als die junge Republik Deutsch-Österreich alle Familienmitglieder des Landes verwies, die nicht auf ihre Vorrechte verzichten wollten. Die Angst vor eine Wiederkehr der Monarchie war groß, und die Stimmung gegen die Habsburger hielt sich bis in die früheren 30er Jahre. Erst als der österreichische Patriotismus wiederauflebte und eine Rückbesinnung auf die Monarchie erlaubte, wurden auch die Habsburger wieder besser gelitten. Sie kehrten aus dem Exil zurück und bekamen unter dem damaligen Kanzler Kurt Schuschnigg einen Teil ihrer enteigneten Liegenschaften zurück.

Felix besuchte die Militärakademie in der Wiener Vorstadt, sein älterer Bruder Otto - heute deutscher EU-Parlamentarier mit Wohnsitz in München - schaltete sich wieder in die Politik ein. Für einen kurzen Moment, im Februar 1938, hat er sogar erwogen, sich um die Kanzlerschaft zu bewerben. Aber der "Anschluß" Österreichs an das Deutsche Reich machte alle Pläne und die kurze Renaissance der Habsburger zunichte. Für Hitler repräsentierten die Habsburger den Vielvölkerstaat, den Gegenentwurf zu seiner Vorstellung von Volk und Staat. Erneut wurde die Familie enteignet und des Landes verwiesen.

Die österreichische Regierung hat unlängst eine Historikerkommission eingesetzt, die die Ansprüche der Holocaustüberlebenden auf geraubtes Vermögen in Gold und Kunstgegenständen untersuchen soll. Felix und Carl-Ludwig von Habsburg zeigen mit ihrem Auftritt in Washington, daß sie sie sich von der Arbeit der Forscher nur wenig erwarten: Ihre Forderung nach einer Anerkennung als Nazi-Opfer sei auch als Hinweis gen Österreich gemeint, wo man noch immer nicht bereit sei, sich mit allen Facetten der Vergangenheit auseinanderzusetzen, sagten die beiden Erzherzöge fern der Heimat.

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