| Presse |
| Die WELT, 04.08.00 |
| Restitutionsverbot verursacht Milliardenschäden | |
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Weil der Staat die Rückgabe des unter sowjetischer Besatzungsmacht enteigneten Besitzes verweigert, entgehen ihm Millionen an Steuereinnahmen "Politiker", so das frühere Stabsmitglied der Weltbank, Walter Schaefer-Kehnert, "sind in Wirtschaftssachen wie Kinder: Bevor sie sich nicht die Finger verbrannt haben, glauben sie nicht, wenn man ihnen sagt, dass der Ofen heiß ist." Seit der Wiedervereinigung weisen Wissenschaftler wie Walter Schaefer-Kehnert immer wieder auf eine Fehlleistung hin: Weil der Staat die Rückgabe des unter sowjetischer Besatzungsmacht enteigneten Besitzes verweigert, entgehen ihm Millionen an Steuereinnahmen. Inzwischen sind Tausende von einst florierenden mittelständischen Betrieben nur noch Ruinen; 1,8 Millionen Hektar agrar- und forstwirtschaftliche Flächen und schätzungsweise 750 000 Immobilien befinden sich im Besitz des Bundes - und warten auf Käufer. Nach den jüngsten Daten des Münchener Ifo-Instituts mit teilweise gedämpften Erwartungen für den Aufschwung Ost und dem WELT-Bericht ("Wirtschaftsdynamik im Osten erlahmt") ist die Debatte über die ökonomischen Chancen einer Restitution neu entflammt. "Der eingetretene wirtschaftliche Schaden muss analysiert werden", forderten Manfred Graf von Schwerin, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Recht und Eigentum (ARE) sowie Walter Schaefer-Kaehnert und der frühere Kölner Wirtschaftswissenschaftler Professor Hans Willgerodt gegenüber der WELT. "Der Milliardentransfer Ost gehört auf den Prüfstand. Viele enteignete Mittelständler, Handwerker und Landwirte sind nämlich bereit, in ihrer Heimat zu investieren." Allerdings gibt es noch keine wissenschaftlich fundierten Daten, welche wirtschaftlichen Folgen das Restitutionsverbot hat - weder Wirtschaftsforschungsinstitute noch einzelne Wissenschaftler legten bislang entsprechende Daten vor. "Im Grunde weiß man aber nicht genau, was geschehen wäre, wenn...", ergänzt Professor Willgerodt. Aber auch für ihn liegt auf der Hand, dass eine Rückgabe ökonomisch vorteilhafter wäre - "allein schon deshalb, weil Eigentümer mit ihrem Besitz verantwortungsbewusster umgehen als die öffentliche Hand". Statt Gelder in die Verwaltung der Objekte zu stecken, würden Steuerquellen sprudeln; die Ausgaben für Arbeitslosenunterstützung und Sozialhilfe wären niedriger, weil Alteigentümer neue Arbeitsplätze geschaffen hätten. Vor allem die Landwirtschaft, noch immer ein Fass ohne Boden, würde davon profitieren. "Die kommunistischen Enteignungen schädigen bis heute die Wettbewerbskraft der Agrarstruktur", ärgert sich Agrarökonom Schaefer-Kehnert. Rund 58 Prozent der Agrarfläche in der ehemaligen DDR werden von Nachfolgebetrieben der früheren LPGs bewirtschaftet. Abzüglich der Subventionen fährt jeder Betrieb, so der Experte, jährliche Verluste von 1,6 Millionen Mark ein. "Der Steuerzahler unterhält in den ehemaligen LPGs eine Belegschaft, die rein auf Staatskosten beschäftigt wird." Bereits vor zehn Jahren hatte Schaefer-Kehnert davor gewarnt, die Nachfolgebetriebe - sie bewirtschaften teilweise bis zu 1500 Hektar - zu subventionieren. Sein Vorschlag: Die Flächen nach westdeutschem Durchschnitt (rund 30 Hektar) zu verkleinern und an investitionsbereite Alteigentümer zurückzugeben. Für eine solche Lösung setzt sich schon lange die Aktionsgemeinschaft Recht und Eigentum ein. Es sei erstaunlich, wundert sich ihr Vorsitzender Graf von Schwerin, "wie lammfromm" die Steuerzahler die Transferleistungen von insgesamt 1,2 Billionen Mark hinnehmen. esh |
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