StaatshehlereiEnteignung
Presse
Die WELT, 08.03.00
Ernst August klagt Schlösser ein

Prinz von Hannover verlangt Rückgabe enteigneten Vermögens

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Magdeburg - Vor dem Verwaltungsgericht Magdeburg hat am Dienstag der Prozess über eine Klage des Welfenprinzen Ernst August von Hannover gegen das Land Sachsen-Anhalt begonnen. Der Prinz verlangt die Rückgabe beträchtlicher Vermögenswerte in der Region Blankenburg im Ostharz, die bis 1945 seinem Großvater, Herzog Ernst August zu Braunschweig und Lüneburg, gehört haben. Sie waren durch sowjetische Militärbesatzer enteignet worden. Das Gericht schloss ein Urteil am Dienstag nicht aus.

Die Enteignung seines Großvaters war nach Ansicht von Ernst August rechtswidrig. Er fordert deshalb vom Verwaltungsgericht die Feststellung, dass sein Großvater seit seiner Abdankung als Herrscher des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg im Jahr 1918 nur noch britischer Staatsbürger gewesen sei. Die deutsche Staatsbürgerschaft sei an den Braunschweiger Thron gebunden gewesen und mit der Abdankung verfallen, heißt es in der Klageschrift.

Stimmt das Gericht dieser Ansicht zu, wäre die Enteignung rechtswidrig, da nach den Festlegungen des Alliierten Kontrollrates die Enteignung des Besitzes ausländischer Staatsbürger untersagt war. In diesem Fall müsste das seit Jahren bestehende Rückgabeverfahren von vorn beginnen.

Das Welfenhaus erhebt Ansprüche unter anderem auf umfangreiche land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen um Blankenburg, das Klostergut Michaelstein, die Domänen Heimburg und Hessen, das Rittergut Westorf, das Große und das Kleine Schloss in Blankenburg sowie zahlreiche Inventar-, Sakral- und Kunstgegenstände.

Mit einer über 1000-jährigen Geschichte sind die Welfen das älteste deutsche Adelsgeschlecht mit Verbindungen zum britischen Königshaus. Ernst August, Gatte der Prinzessin Caroline von Monaco, ist seit dem Tod seines Vaters 1987 Chef des Hauses, das seinen Sitz im Landkreis Hannover auf der Marienburg und dem Gut Calenberg hat. Der 45-Jährige ist Urenkel des letzten deutschen Kaisers Wilhelm. DW

DIE WELT Online



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