Presse
Die WELT, 14.12.2000
Kein Lehrstück

Kommentar Von Uwe Müller

Die Treuhand-Anstalt und ihre Nachfolgebehörde BvS sind Geschichte. Beide Organisationen hatten eine einzigartige Aufgabe zu bewältigen. Noch nie zuvor musste binnen kurzer Zeit eine komplette Volkswirtschaft - die der DDR - privatisiert werden. Doch auch wenn die operative Arbeit zum Jahresende eingestellt wird, bleibt ein Erbe zurück. Die Umwandlung der Plan- in die Marktwirtschaft hinterlässt einen Schuldenberg von rund 225 Milliarden Mark. Demgegenüber war zu Beginn der Arbeit mit einem Plus von 600 Milliarden Mark gerechnet worden.

Doch das ist nicht der einzige Negativposten in der Bilanz der einst größten Staatsholding der Welt. Elf Jahre Treuhand stellen kein Ruhmesblatt dar. Ob nun Energiewirtschaft, Medienbranche oder Schiffbau - die Liste der strukturpolitisch fragwürdigen Entscheidungen ist lang. Statt mehr Wettbewerb wurde bestehende Marktmacht häufig noch konzentriert, die Arbeitsplatzeffekte dabei waren eher gering. Zudem versickerten Subventionen in dunklen Kanälen, während anderswo die Mittel für Zukunftsinvestitionen fehlten. Auch wenn es für den Privatisierungsmarathon kein Vorbild gab, ist die Tätigkeit der Behörde kein Lehrstück: Selten wurde so viel Geld vernichtet. Nur gut, dass die Pforten jetzt endgültig geschlossen werden.

Den Autor erreichen Sie unter: uwemueller@welt.de

DIE WELT Online

Datum   siehe auch: Verweise
14.12.2000 Treuhand-Nachfolgerin BvS schließt ihre Arbeit ab DIE WELT
08.01.2001 Leserbrief Dipl.-Ing. Gerhard Heeren
Zur Hauptseite   Inhaltsverzeichnis
Senden sie uns ihre Meinung zu diesen Seiten. Spenden sowie Hinweise zu Fundstellen sind uns wilkommen.