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Presse
Die WELT, 31.07.00
"Widerstandskämpfer wurden vergessen"

Einer der Männer des 20. Julis appelliert wegen Enteignungen an Thierse

Von Edgar S. Hasse

Altenahr - Einer der letzten überlebenden Hitler-Attentäter vom 20. Juli 1944, Philipp Freiherr von Boeselager (83), hat sich jetzt in die Debatte um die Enteignungen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) eingeschaltet. In einem Brief an Bundestagspräsident Wolfgang Thierse appelliert der frühere Kommandeur des Reiterregiments 31, der den Sprengstoff für das Attentat auf Hitler besorgt hatte, an die Politiker, sich stärker für das Recht von SBZ-Enteigneten einzusetzen. "Bei der Behandlung der Alteigentümer beging die alte Bundesregierung einen klaren Rechtsbruch", heißt es in dem Brief.

Noch immer erhalten Widerständler vom 20. Juli, die die Verfolgung des NS-Regimes überlebten, ihren Besitz in der früheren sowjetischen Besatzungszone nicht zurück. "Sie wurden im Rahmen der Wiedergutmachung für die ermordeten Männer und Frauen des 20. Julis schlichtweg vergessen", sagte Baron Boeselager der WELT. Es handele sich dabei um eine "Hand voll Männer" beziehungsweise ihre Erben, darunter der inzwischen verstorbene Hitler-Gegner Hans Albrecht von Boddin. Auch er wurde unter sowjetischer Besatzungsmacht von 1945 bis 1949 genauso enteignet wie insgesamt rund zwei Millionen Mittelständler, Land- und Waldbesitzer sowie andere Adlige. Boeselager, der selbst nicht zu diesem Personenkreis zählt, hält die bis heute vom Staat verweigerte Rückgabe für "Unrecht ersten Ranges".

"Bei den Gedenkfeiern zum 20. Juli in Berlin wird immer wieder betont, dass diese Männer ihr Leben für die Wiederherstellung des Rechts geopfert haben", schrieb Boeselager an den Bundestagspräsidenten. "Sollte man nicht auch ihnen Recht verschaffen, indem man ihren Erben das vom Staat konfiszierte Eigentum zurückgibt?" Andernfalls würden die Kinder dafür bestraft, dass ihre Väter nicht von den Nazis ermordet wurden.

Nach WELT-Informationen geht CDU/CSU-Fraktionschef Friedrich Merz davon aus, dass sich für die so genannten "unentdeckten Widerstandskämpfer" bald eine Sonderlösung findet. Im Rahmen der "Stiftung 20. Juli" hatte bereits die Kohl-Regierung geplant, Mittel aus dem Bundeshaushalt für die Rückgabe bereitzustellen. Nach der CDU-Spendenaffäre will Merz "die Angelegenheit erneut angehen". Allerdings zweifele er daran, dass die rot-grüne Bundesregierung dafür ein offenes Ohr habe.

Offenbar wächst im Bundestag die Bereitschaft, sich generell mit dem SBZ-Problem auseinander zu setzen. Abgeordnete wollten jetzt Vorbereitungen für eine Initiative treffen, die den Betroffenen wieder zu mehr Recht verhelfen könne, heißt es in einem Schreiben von Thomas Kossendey (CDU), stellvertretender Vorsitzender des Verteidigungsausschusses, an ein Enteignungsopfer.

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