| Presse |
| FAZ vom 21.Mai 2001, Seite 13 |
| Das u n r e c h t erworbene Gut | |
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(Politische Bücher) A. James McAdams: Judging the Past in Unified Germany, Wie ist Deutschland damit zurechtgekommen, seine zweite diktatorische
Vergangenheit zu beurteilen? Ebenfalls wird die Arbeit der Enquetekommission insgesamt positiv beurteilt, wobei hier wieder der Vergleich mit außerdeutschen ähnlichen Versuchen zugunsten des deutschen Vorgehens spricht, und wenn der Verfasser meint, parteipolitische Einflüsse hätten sich bei den abschließenden Stellungnahmen zu sehr ausgewirkt, so gibt es ja immerhin noch die eigentlichen Materialien. Die Komplexität der Eigentumsfragen schließlich wird in bewundernswürdiger Weise gemeistert, wenn auch- um doch etwas Kritik anzubringen - die Tatsache zu gering gewichtet wird, dass die sowjetischen Enteignungen von 1945 bis 1949 nicht deshalb aufrechterhalten wurden, weil gutgläubiger Erwerb von Einzelpersonen geschützt werden sollte, sondern weil der deutsche Staat Eigentümer wurde und dieses unrecht erworbene Gut nicht herausrücken will. Wenn also der Tenor des Buches darin besteht, bei allem Einverständnis insgesamt doch den Akzent auf größere Zurückhaltung zu legen, so heißt das nicht, dass der Verfasser die Sachverhalte herunterspielt oder relativiert, wie das sonst in solchen Fällen nur allzu häufig geschieht. So schildert er die schrecklichen Verbrechen des SED-Staates durchaus deutlich, etwa indem er den Mauerbau von 1961 den -most infamous act- des Regimes nennt. Auch weist er darauf hin, dass der Verfolgung eines DDR-Prominenten die Verfolgung hunderter einfacher DDR-Bürger gegenüberstanden. McAdams´ Einschätzung ist völlig zutreffend, dass die Opfer der SED und ihres Staates nicht auf Rache oder Vergeltung aus sind, sondern nur -a kind of moral affirmation- anstreben, und ebenfalls ist der Hinweis richtig (wenn auch in der deutschen Öffentlichkeit zu selten ausgesprochen), dass aus den MfS-Akten ja nicht nur das Versagen derer hervorgeht, die "Informelle Mitarbeiter" wurden, sondern auch die Standhaftigkeit der vielen anderen, die sich nicht anwerben ließen. Es wäre zu wünschen, dass das Buch ins Deutsche übersetzt
wird. Dann könnten auch ein paar Versehen oder kleine Fehleinschätzungen
beseitigt werden. So fehlt bei der DDR-Justiz das Problem des ungeschriebenen
DDR-Rechts. Dann könnte bei der Rolle der Kirchen zwischen der
oft kollabierenden Kirchenleitung und den Kirchenmitgliedern und Pfarrern
am Ort unterschieden werden. Es könnte der Irrtum beseitigt werden,
dass niemand Grenzsoldat hätte werden müssen - im Gegenteil
wurden auch Wehrpflichtige für diesen Dienst eingezogen. Schließlich
müsste die Rolle des Ministerpräsidenten Stolpe präzisiert
werden, dem ja nicht vorgeworfen wird, mit dem -government- |
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