Presse
Leserbrief in der FAZ vom 25. Juni 2001
Wiedervereinigungs-Legende

Zum Leitartikel "Wenn der Euro kommt" (F.A.Z. vom 7. Juni): Wieder einmal wird die Legende aufgetischt, das Ja Deutschlands zur europäischen Währungseinheit sei der Preis für die deutsche Einheit gewesen. Im Unterschied zu der anderen von der Kohl-Regierung in gleichem Zusammenhang in die We1t gesetzten Lüge, die Nichtrückgabe des zwischen 1945 und 1949 in der DDR konfiszierten Vermögens sei eine Bedingung für die Wiedervereinigung gewesen, war diese von Anfang an als solche zu erkennen. Wenn ein solcher Preis hätte gezahlt werden müssen, dann denen, die die Einheit hätten verhindern können: Gorbatschow und Bush und, last not least, den Ostdeutschen, nicht aber Mitterrand, ein zwar gegen die Wiedervereinigung intrigierender, aber absolut zu vernachlässigender Statist im Poker um die
Einheit.

Die Behauptung. "Auch mit der einst so stabilen Mark wäre Deutschland in den letzten Jahren kaum besser gefahren“ wird von den Beschönigern der Euro- Misere zwar gern vorgebracht, wird deswegen aber nicht überzeugender. So wie sich das Vertrauen in eine Währung und die dahinterstehende Wirtschaftspolitik sehr langsam aufbaut, so geht es auch nicht in wenigen Jahren verloren.

Geschrieben von Dr. Helmut Schumacher am 25. Juni 2001

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