Presse

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 05.12.2003 Nr. 283 / Seite 4

(kpk)
Alljährlich geht über deutsche Bürger, die als verdienstvoll gelten, ein
Ordenssegen nieder: rund 3000 Bundesverdienstkreuze. Normalerweise sind die
Kreuze bei den Auserwählten hoch willkommen.

Ist man vorgeschlagen und wurde dem Vorschlag gefolgt, wird man über die Auszeichnung unterrichtet und gefragt, ob man die Auszeichnung annehme.

Wer dann antwortet
"Bundesverdienstkreuz? Nein, danke",
ist entweder bescheiden und will es bleiben oder er ist über irgend etwas in diesem Land vergrätzt.
Das jedenfalls ist die Erfahrung im Bundespräsidentenamt.

"Nein, danke", hat jüngst zum Beispiel der niedersächsische Landwirt und
Kommunalpolitiker Gustav Pommerrehne gesagt.
Seine Verdienste um Land, Gesellschaft und Politik sind zahlreich und unumstritten.

Auf seinem Bauernhof hat er im Lauf der Jahre 60 Lehrlinge ausgebildet. Dreißig Jahre lang hat er im Prüfungskomitee für Auszubildende mitgewirkt.
Er war unter anderem im Gemeinderat, im Kreistag, im Kirchenvorstand, war Vorstand und Aufsichtsratsvorsitzender in der Zuckerfabrik, ehrenamtlicher
Landwirtschaftsrichter, ist seit 1961 Vorsitzender eines Wasser- und
Bodenverbandes: verantwortungs- und pflichtbewußt, stets ein Mann der Tat.

Aber mit dem Verdienstkreuz will er sich nicht geehrt wissen - nicht von
diesem Staat, dem er schwere Rechtswidrigkeiten, Täuschung, Lüge und
Hehlerei vorwirft.
Der Vorwurf richtet sich gegen den Umgang mit den politisch Verfolgten und deren Vermögenswerten,
die deutsche Kommunisten 1945 bis 1949 in der Sowjetischen Besatzungszone mit Gewalt, Willkür und durch Vertreibung konfisziert hatten und
die der wiedervereinigte deutsche Staat nach dem Untergang der DDR den Opfern nicht zurückgeben wollte.
1945
sind auch der Familie seiner Frau zwei Güter in Mecklenburg weggenommen
worden.

Pommerehne hat gegen die 1990 vollzogene endgültige Enteignung der
rund 700 000 Opfer demonstriert, hat mit seiner "Arbeitsgruppe Recht und Eigentum" an Politik, Justiz und Medien mehr als 57 000 Briefe geschrieben - ohne Erfolg.

27 Jahre lang ist er auch CDU-Mitglied gewesen. Jetzt hat er, mit 72 Jahren,
seinen Austritt erklärt - aus Protest dagegen, daß seine Partei
Ungerechtigkeiten noch immer mit falschen Angaben bemäntelt. (kpk.)

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 05.12.2003,
Nr. 283 / Seite 4

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