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(kpk)
Alljährlich geht über deutsche Bürger, die als verdienstvoll
gelten, ein
Ordenssegen nieder: rund 3000 Bundesverdienstkreuze. Normalerweise sind
die
Kreuze bei den Auserwählten hoch willkommen.
Ist man vorgeschlagen und wurde dem Vorschlag gefolgt, wird man über
die Auszeichnung unterrichtet und gefragt, ob man die Auszeichnung annehme.
Wer dann antwortet
"Bundesverdienstkreuz? Nein, danke",
ist entweder bescheiden und will es bleiben oder er ist über irgend
etwas in diesem Land vergrätzt.
Das jedenfalls ist die Erfahrung im Bundespräsidentenamt.
"Nein, danke", hat jüngst zum Beispiel der niedersächsische
Landwirt und
Kommunalpolitiker Gustav Pommerrehne gesagt.
Seine Verdienste um Land, Gesellschaft und Politik sind zahlreich und
unumstritten.
Auf seinem Bauernhof hat er im Lauf der Jahre 60 Lehrlinge ausgebildet.
Dreißig Jahre lang hat er im Prüfungskomitee für Auszubildende
mitgewirkt.
Er war unter anderem im Gemeinderat, im Kreistag, im Kirchenvorstand,
war Vorstand und Aufsichtsratsvorsitzender in der Zuckerfabrik, ehrenamtlicher
Landwirtschaftsrichter, ist seit 1961 Vorsitzender eines Wasser- und
Bodenverbandes: verantwortungs- und pflichtbewußt, stets ein Mann
der Tat.
Aber mit dem Verdienstkreuz will er sich nicht geehrt wissen - nicht
von
diesem Staat, dem er schwere Rechtswidrigkeiten, Täuschung, Lüge
und
Hehlerei vorwirft.
Der Vorwurf richtet sich gegen den Umgang mit den politisch Verfolgten
und deren Vermögenswerten,
die deutsche Kommunisten 1945 bis 1949 in der Sowjetischen Besatzungszone
mit Gewalt, Willkür und durch Vertreibung konfisziert hatten und
die der wiedervereinigte deutsche Staat nach dem Untergang der DDR den
Opfern nicht zurückgeben wollte.
1945
sind auch der Familie seiner Frau zwei Güter in Mecklenburg weggenommen
worden.
Pommerehne hat gegen die 1990 vollzogene endgültige Enteignung
der
rund 700 000 Opfer demonstriert, hat mit seiner "Arbeitsgruppe
Recht und Eigentum" an Politik, Justiz und Medien mehr als 57 000
Briefe geschrieben - ohne Erfolg.
27 Jahre lang ist er auch CDU-Mitglied gewesen. Jetzt hat er, mit 72
Jahren,
seinen Austritt erklärt - aus Protest dagegen, daß seine
Partei
Ungerechtigkeiten noch immer mit falschen Angaben bemäntelt. (kpk.)
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 05.12.2003,
Nr. 283 / Seite 4
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