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| DIE ZEIT 19/2001 |
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Kiep, der Sündenbock | |
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Die Privatisierung der CDU-Affäre Von Thomas Kleine-Brockhoff [Diesen Artikel kommentieren] Die CDU hat sich zu einer Verdrängungsgemeinschaft zusammengefunden. Keine Rede mehr von einer Spaltung in "Kohlianer" und "Aufklärer". Helmut Kohls Vertrotztheit ist der Partei zur ersten Natur geworden. Angela Merkel weiß, dass sie die Partei nicht führen kann, wenn sie weiterhin Selbstkritik fördert, statt die Sehnsucht nach Normalität zu bedienen. Ständige Selbstbezichtigung - undenkbar in einer Partei, deren Selbstverständnis im Glauben an die eigene, bürgerliche Wohlanständigkeit gründet. Nichts sagen, nichts wissen: Das System Kohl funktioniert weiter Weil Gras so schnell nicht wachsen mag, will die CDU die Affäre mit Rollrasen bedecken. Hessens "brutalstmöglicher Aufklärer" Koch hat ein Jahr damit zugebracht, die Herausgabe von CDU-Akten an Untersuchungsausschüsse zu behindern. Im Berliner Spendenausschuss gefällt sich die Union darin, Zeugen nicht mit Aktenvorhalten zu behelligen. Ihre Fragen zielen darauf, nachzuweisen, dass dunkle Mächte an einer Kampagne gegen die CDU arbeiten. Als Hüterin des Rechtsstaates erweist sich die Union immer dann, wenn es um das Recht der Zeugen zur Auskunftsverweigerung geht. Das hält die Union hoch - bei Kohl und bei allen anderen Zeugen. Am Ende jeder Ausschusssitzung tritt der CDU-Obmann vor die Kameras und verkündet, einmal mehr sei ein Bestechungsverdacht gegen die Regierung Kohl nicht erhärtet worden. So hat die CDU monatelang auf der Affäre den Deckel draufgehalten. Jetzt springt plötzlich Kiep aus der Kiste. Die Parteichefin verhält sich wie ihre Vorgänger. Sie streicht die zweifelhafte Überweisung ein, beschweigt sie wochenlang und zeigt, kaum ertappt, mit dem Finger auf Kiep. Ein Einzelner soll schuld sein, wo in Wahrheit systematischer Gesetzesbruch zu beklagen ist. Es geht um das System Kohl. Um ihr Selbstbild zu retten, versucht die CDU jetzt, die Affäre zu privatisieren. Die Partei hat sich damit in ein strategisches Dilemma manövriert.
Denn bald werden wohl der frühere Innenminister Manfred Kanther
und Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein, der Erfinder der "jüdischen
Vermächtnisse", aus denen die Spendenmillionen gesprudelt
sein sollen, wegen des Verdachts der Untreue vor Gericht stehen: Männer,
die ganz heimlich die vielen Millionen der Partei außer Landes
brachten und nun als Privatleute dafür büßen müssen.
Stilisiert die CDU sie aber zu Sündenböcken (wie jetzt Kiep),
könnten beide versucht sein, die Omertà, den Schweigeschwur
der Partei, zu brechen. Die CDU hätte dann ungewollt jene Aufklärung,
von der sie immer so vollmundig wie folgenlos spricht. |
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