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| DIE ZEIT 24/2001 |
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Kultur des Schmierens | |
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Von Michae Kläsgen und Bruno Schirra Kann ein Sturz noch tiefer sein als vom Olymp französischer Wirtschaftsherrlichkeit direkt in die karge Zelle eines französischen Gefängnisses? Kaum. Loïk Le Floch-Prigent, ehemals Vorstandsvorsitzender des staatlichen Erdölkonzerns Elf Aquitaine, wurde vergangene Woche wegen Untreue zu dreieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Er geht in die Berufung. Gleichwohl parliert der Mann mit fast heiterer Gelassenheit über die "Lobbymethoden", mit denen sein Konzern das Verhandlungspoker um die Raffinerie Leuna begleitete. Zum ersten Mal wird Le Floch im Gespräch mit der ZEIT konkret. Der Fluss der 256 Millionen Franc, die Elf mit einem Geflecht von Schweizer Scheinfirmen, liechtensteinischen Stiftungen, luxemburgischen Bankkonten - und über dubiose Vermittler aus dem Dunstkreis deutscher und französischer Geheimdienste - nach dem Geldwäscheprinzip verschleiern wollte, hatte ein Ziel: Endempfänger in Deutschland, Politiker, Beamte, Gewerkschafter. Warum aber musste Elf überhaupt Schmiergelder zahlen, wenn doch die politischen Entscheidungsträger, Helmut Kohl und François Mitterrand, das Projekt favorisierten? Es ging erstens um zwei Milliarden Mark Subventionen, die Le Floch wollte. Das zweite Problem war der geplante Bau von Pipelines, an denen die Bundesländer kräftig mitverdient hätten. Die wollte der Elf-Chef verhindern, weil sie das Leuna-Projekt gefährdet hätten. "Dass die beiden Hauptentscheidungsträger, Kohl und Mitterrand, dafür waren, war offensichtlich nicht genug, um die Entscheidung herbeizuführen", sagt der enge Vertraute des ehemaligen französischen Präsidenten heute. Fest steht: Die Milliardensubventionen wurden gezahlt. Und Pipelines wurden nicht gebaut. Dem Konsortium HSR-Hamburg-Sachsen, an dem die Energiekonzerne Shell, Esso, BP, Dea und Veba beteiligt waren, wurde von der sachsen-anhaltinischen Landesregierung 1992 sogar die Eröffnung eines Raumordnungsverfahrens für eine geplante Pipeline nach Sachsen verwehrt. Ein schlechtes Gewissen plagt Le Floch heute nicht. Er hatte seine einschlägigen Erfahrungen gemacht: Als sein Konzern von der Treuhand die Raffinerie PCK Schwedt erwerben wollte, habe er gelernt, dass er "mit sauberen Methoden" keinen Erfolg hatte. "Wir hatten von der Treuhand eine Zusage, waren die Bestbieter, und dennoch bekamen unsere Konkurrenten den Zuschlag." Sein Argwohn: Bei dem Verkauf 1991 sei es nicht mit rechten Dingen
zugegangen. Tatsächlich haben Berichterstatter sich damals über
den niedrigen Preis für die Raffinerie gewundert, die mehrheitlich
an Veba und Dea ging. |
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