| Presse |
| Süddeutsche Zeitung ,06.02.03 |
| So macht man eine Diktatur | |
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Wie kommunistische Kader in der DDR den Widerstand brachen |
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Noch immer ist in der Zeitgeschichtsforschung die Frage umstritten, ob die Durchsetzung der kommunistischen Diktatur in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) schon 1945 von den sowjetischen und deutschen Kommunisten intendiert war, oder ob dieses Schicksal Sachsen und den anderen Ländern hätte erspart werden können. Allein die Ausgangsfragestellung zeigt, dass diese Monographie keine Geschichte der Landesparteiorganisation Sachsen der SED bis 1953 ist. Es geht den beiden jungen Historikern Mike Schmeitzner und Stefan Donth darum, am Beispiel Sachsens exemplarisch zu zeigen, wie die Durchsetzung der Diktatur im Zusammenspiel zwischen sowjetischer Besatzungsmacht und den Moskauer Kadern der KPD funktionierte. Im Mittelpunkt ihrer Analyse stehen die von den Sowjets eingesetzten neuen Herren und ihre Politik. Dieser methodische Ansatz erlaubt es den Autoren, die Entwicklung der SED zu verbinden mit dem vom Parteiapparat gegenüber Gesellschaft und Wirtschaft durchgesetzten Anspruch, die gesamte Gesellschaft zu beherrschen. Schon die ersten Schritte, die Hermann Matern, Sekretär der Landesleitung der KPD in Sachsen, und vor allem Kurt Fischer, späterer Innenminister Sachsens, im Mai 1945 unternahmen, zeigten: Die Diktatur war intendiert. Matern sprach dies vor KPD-Funktionären auch offen aus. Wenn die Partei von Demokratie sprach, so meinte sie eigentlich die Diktatur des Proletariats und ebenso verhielt es sich mit dem sozialistischen Ziel der Verstaatlichung. Die Unternehmer würden nicht als Kapitalisten enteignet, sondern weil sie Faschisten sind. Die Autoren schildern alles mit unterkühlter Sachlichkeit: den Aufbau des zentralen Parteiapparates der KPD, die Besetzung der Schlüsselpositionen in der staatlichen Verwaltung, die Auswahl der geeigneten Kandidaten für die SPD-Spitze in Sachsen, die Durchsetzung der Bodenreform und den Aufbau einer Polizei, in der bereits Ende 1945 die Hälfte der Mitarbeiter das KPD-Parteibuch hatte. Ab 1947 galt für die SED-Mitglieder in der Landesregierung auf kommunaler Ebene und in der Verwaltung, dass sie ihre Tätigkeit nur auf Vorschlag und unter der Verantwortung der Partei ausübten. Die Landesminister waren somit ebenso wie die Verwaltungsangestellten in der Konsequenz nur Beauftragte der Partei. Die von den Moskauer Kadern der KPD mit Hilfe der Besatzungsmacht etablierte neue Ordnung sollte in Sachsen legitimiert werden, dem bevölkerungsreichsten und industrialisiertesten Land der sowjetischen Besatzungszone; es war vor 1933 ein Zentrum der Arbeiterbewegung, schon 1863 war die SPD in Leipzig gegründet worden. Hier fand der Volksentscheid über die bereits erfolgte Enteignung der Nazi- und Kriegsverbrecher im Juni 1946 statt, um deren Durchführung sich Stalin sorgte und den Fischers Innenministerium organisierte. Die Enteignungen bekamen somit im Nachhinein eine Scheinlegitimation. Durchsetzung der neuen Ordnung hieß eben auch Überwindung von Widerständen; die Registrierung von Volksfeinden galt als Vorstufe ihrer Beseitigung. Ziel war es, alle politischen Kräfte und sozialen Schichten auszuschalten, die dem sowjetischen Weg der SED im Weg waren. Auf der Basis ihrer materialreichen Studie geben die Autoren auf die Frage, ob die kommunistische Diktatur vermeidbar war, eine doppelte Antwort. Innerhalb der SBZ war die Herrschaft der von Moskauer Kadern geführten KPD von der Besatzungsmacht gewollt. Von dieser Binnenperspektive zu unterscheiden ist das diplomatische und propagandistische Eintreten der Sowjetunion für die deutsche Einheit auf den alliierten Viermächte-Konferenzen. Solange die deutsche Frage Gegenstand von Verhandlungen war, lebten die Kader von KPD und SED mit dem Gefühl, ihre Macht auf Widerruf auszuüben. So waren sie sich darüber im Klaren, dass für ihr Schicksal nur ein Kriterium zählte: Loyalität zur Sowjetunion. In ihrer Darstellung brechen die Autoren mit der üblichen Selbstbeschreibung der SED. Sie konzentrieren sich auf die Hauptaufgabe der Partei: die Durchsetzung der Diktatur. Sie verfolgen Begründung, Konsolidierung und Befestigung der SED-Macht bis zur Auflösung des Landes Sachsen 1952. Die DDR ist Geschichte, und Schmeitzner und Donth haben gezeigt, wie sie geschrieben werden kann. MANFRED WILKE Der Rezensent ist Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der FU
Berlin. Quelle: Süddeutsche Zeitung |
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