Presse
Focus Online , 08.08.2001
CIA gibt Agentenkartei zurück

Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, bekommt noch mehr Arbeit.

D er US-Geheimdienst CIA hat brisante Stasi-Dokumente an Deutschland zurückgegeben. Wie das Bundesinnenministerium am Mittwoch mitteilte, handelt es sich dabei um die dritte Lieferung von Dokument-Kopien auf CD-ROM. Die Unterlagen stammen aus Beständen der DDR-Auslandsspionage-Abteilung „Hauptverwaltung Aufklärung“ (HVA). Deren scheibchenweise Rückgabe war im März 1999 zwischen deutschen und US-Dienststellen nach siebenjährigem Hin und Her vereinbart worden. Sie soll bis spätestens Ende 2002 abgeschlossen sein.

Verschiedenen Berichten zufolge soll die Gesamtkartei über 300 000 „Klarnamen“ enthalten. Dabei handele es sich sowohl um ost- als auch westdeutsche Agenten in HVA-Diensten, ebenso um Politiker und Wirtschaftsführer, die von der Stasi bespitzelt worden seien. Eine Arbeitsgruppe aus Innenministerium, Verfassungsschutz, Justiz und Marianne Birthlers Stasi-Unterlagenbehörde wird das Material auswerten. Die Verjährungsfrist für die Taten ist allerdings schon 1995 ausgelaufen – mit Ausnahme schwerer Fälle von „Landesverrat“.

Nach Birthlers Angaben liegen insgesamt 33 CD-ROMs mit kopierten Unterlagen vor. Auf Verlangen der US-Regierung bleiben die Unterlagen weiterhin geheim.

Die Agentenkartei war nach dem Mauerfall von der CIA unter dem Decknamen „Rosenholz“ unter dubiosen Umständen aus der DDR via UdSSR in die USA geschmuggelt worden. Frühere hohe Stasi-Offiziere behaupteten anschließend, dass dabei Verrat und viel Geld im Spiel gewesen seien.
Focus Online

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