| Presse |
| FG Leserbrief am 02.07.02 |
| 31 geladene Thür. Politiker nicht zum Kongress erschienen | |
| Thüringens Politiker nicht
an Zwangsausgesiedelten und ihren Problem interessiert Keiner der geladenen 31 Politiker erschien zum Kongress FG-Redakteur Alexander Richter denkt über das Fernbleiben der Politiker nach. - Lesen Sie dazu auch im Forum einen Brief von Kurt Weiss -------------------------------------------------------------------------------- Am 10. Juni informierte die Thüringer Allgemeine Zeitung über eine Veranstaltung von Opfern der deutschen Nachkriegsgeschichte, die bei Entschädigungszahlungen und Wiedergutmachungen bisher aus nach wie vor unverständlichen Gründen immer unbeachtet geblieben sind. Es handelt sich um die Zwangsausgesiedelten, auf deren Schicksal und ungerechte Behandlung in der FG immer bereits aufmerksam gemacht wurde. In Erfurt fand nun anlässlich der 50-jährigen Wiederkehr der Zwangsaussiedlung der 13. Kongress dieser Opfergruppe statt, an dem rund 350 Betroffene teilnahmen, die aus allen Regionen Deutschlands angereist waren. In ihrem Bericht stellt die Zeitung noch einmal dar, wie vom 5. zum 6. Juni 1952 praktisch über Nacht 5.200 Menschen das Gebiet entlang der Demarkationslinie zwischen der Bundesrepublik und der DDR verlassen mussten. Die Aktion bezeichnenderweise mit dem Decknamen Ungeziefer tituliert betraf die im Grenzgebiet beheimateten und von der DDR-Führung als politisch unzuverlässig eingestufte Bürger. Sie wurden in das Landesinnere verbannt und somit der unmittelbaren Gelegenheit der Flucht in den Westen beraubt. Eine weitere Aktion dieser Art fand 1961 unter dem Decknamen Kornblume statt. Hier verloren 11.500 Menschen ihre Heimat im Grenzgebiet und in vielen Fällen auch ihr Wohneigentum. So wurden die zwangsweise zurückgelassenen Einfamilienhäuser oder Grundstücke durch systemtreue DDR-Bürger, nicht selten Angehörige der Grenztruppen bezogen und später durch diese käuflich von den Kommunen erworben. Rückübertragungen nach der Wende sind nunmehr nur noch durch langwierige Gerichtsprozesse möglich, die oft genug keine Erfolgsaussichten verheißen. Bei einem freiwilligen Verzicht auf den Eigentumsanspruch können die Ausgesiedelten eine formale Entschädigung beantragen, die sich an alten Vorgaben orientiert und nur einen geringen Prozentsatz des heutigen Verkehrswertes ausmacht. Die Zwangsausgesiedelten unterstrichen daher auf ihrem Kongress einmal mehr die Forderung nach gerechten Entschädigungen, um das erlittene Leid und die Benachteiligungen zumindest materiell zu lindern. Das Land Thüringen, so die Zeitung, habe hier bereits ein Zeichen gesetzt, indem den Betroffenen eine Einmalzahlung von 2.045 € gewährt wurde. Weitere Zuwendungen erfolgten aus einer Stiftung. Erklärtes Ziel der Zwangsausgesiedelten war es, sich anlässlich der Veranstaltung zur 50-jährigen Wiederkehr der Vertreibung bei den Abgeordneten der Wahlkreise Gehör zu verschaffen. Persönlich eingeladen waren insgesamt 31 Politiker von allen im Land- und Bundestag vertretenen Parteien. Bezeichnenderweise erschien jedoch nicht ein einziger, was bei den Betroffenen großen Unwillen hervorrief und diese Pfui-Rufen veranlasste. Lediglich der anwesende Sozialmister Pietzsch (CDU) wurde mit Beifall begrüßt. VOS-Kamerad Kurt Weiss aus Düsseldorf nahm den Bericht in der Zeitung zum Anlass, sich mit einem engagierten Leserbrief an die Redaktion zu wenden und seinerseits auf die Belange der Zwangsausgesiedelten, zugleich aber auf die Ignoranz der Politiker aufmerksam zu machen. Der Brief wird im Forum dieser Ausgabe vollständig abgedruckt. |
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