Presse
Leipziger Volkszeitung vom Montag, 17. Juni 2002
Welfen-Prinz hofft auf russische Dokumente

Halle. Ernst August von Hannover kämpft wieder um einstigen Familienbesitz im Ost-Harz. Jetzt versucht der 48-jährige Chef des Welfen-Hauses erneut, Grundstücke, Schlösser und Kunstgegenstände im Landkreis Wernigerode zurückzubekommen. Zu den Objekten, auf die der Ehemann von Prinzessin Caroline von Monaco Anspruch erhebt, gehört das Große Stadtschloss in Blankenburg, das Zisterzienser-Kloster Michaelstein sowie rund 10.000 Hektar Wälder und Wiesen. Dazu kommen 200 Gemälde und 150 Antiquitäten.


"Die Anwälte des Prinzen haben neue Unterlagen aus russischen Archiven vorgelegt. Derzeit wird das Material aus den Jahren 1945 bis 49 geprüft", berichtete die Chefin des Landesamtes für offene Vermögensfragen beim Regierungspräsidium Halle, Annekatrin Preuße. Ob die SED-Behörden seinerzeit gegen ein mögliches Enteignungsverbot der sowjetischen Besatzer verstoßen haben, dürfte bei der Überprüfung von entscheidender Bedeutung sein. Der Rechtsstreit um die früheren Besitztümer des Hauses Hannover-Braunschweig-Lüneburg in Sachsen-Anhalt beschäftigt bereits seit Jahren Behörden und Gerichte. Im Sommer 2000 war der Welfenprinz schon einmal mit einer entsprechenden Klage beim Bundesverwaltungsgericht in Berlin gescheitert. "Die Enteignung der Familie ist rechtens gewesen", hieß es damals in dem Urteil.


Ernst Augusts gleichnamiger Großvater, bis 1918 letzter Herzog von Braunschweig-Lüneburg, war nach Ende des Zweiten Weltkrieges vor sowjetischen Truppen aus Blankenburg nach Niedersachsen geflohen. Im Jahre 1948 wurde sein gesamter Besitz im heutigen Landkreis Wernigerode enteignet. Der erneute Antrag auf Wiederaufnahme des abgeschlossenen vermögensrechtlichen Verfahrens wird von den Anwälten des Prinzen im Wesentlichen mit dem Vorliegen neuer Beweise begründet. Die beglaubigten Kopien aus Russland zählen dazu.

Bernd Lähne

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