| Presse |
| NZZ 26.04. 2002 |
| Chance für Vertriebene Schoss Prag ein juristisches Eigentor? | |
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WIEN/PRAG (NZ). So paradox es klingt: Die jüngste Resolution des tschechischen Abgeordnetenhauses, in der die nach der Vertreibung der Sudetendeutschen entstandenen Rechtsverhältnisse für unabänderlich erklärt werden, bietet den Vertriebenen juristisch gesehen eine Chance, die von Prag freilich nicht beabsichtigt ist. Tatsächlich könnte es für die Sudetendeutschen lohnend
sein, Prag beim Wort zu nehmen und eine tatsächliche Festschreibung
bestehender Rechtsverhältnisse einzufordern. Genau an diesem Punkt hakt nun der Wiener Anwalt Johannes Eltz ein,
der Sudetendeutsche in Restitutionsangelegenheiten vertritt: Formal
sei es überhaupt nicht zur Enteignung gekommen, weil auch im tschechischen
Verwaltungsrecht jeder Rechtsakt erst durch Zustellung eines rechtskräftigen
Bescheides gültig werde. Das steht aber im Widerspruch zur jetzt in Prag verabschiedeten Erklärung, weil dadurch jene neuen Rechtsverhältnisse geschaffen werden, die nach dem Beschluss unzulässig sind. Den Prager Abgeordneten scheint nicht bewusst gewesen zu sein, welche Rechtsverhältnisse sie da gestern festgeschrieben haben: nämlich nicht den Zustand nach, sondern jenen vor der Vertreibung der Sudetendeutschen. Deren Eigentum ist lediglich an neue Besitzer übergegangen. Zum Besitzer wird allerdings auch jeder Dieb ohne dass jemand
auf die Idee kommen würde, ihn als Eigentümer der Beute zu
betrachten. |
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