Presse
Ostsee-Zeitung Wochenendausgabe, 28./29. Dezember 2002
Leipzig gibt Raubkunst zurück

 

Leipzig (ddp) Nach monatelanger Sucharbeit scheint jetzt klar: In den Archiven der Leipziger Museen liegen kaum noch wertvolle Kunstgegenstände, die in der NS-Zeit auf dubiose Weise in die Hände der Stadt gelangt sind.

Als Höhepunkt der freiwilligen Rückgabe-Aktion der Stadt gilt „Der Hagestolz“ von Carl Spitzweg (1808-1885), der den Nachkommen des ehemaligen Besitzers ausgehändigt wurde.

Die Geschichte des Bildes ist wahrscheinlich beispielhaft. Der Besitzer, Henri Hinrichsen, ein Leipziger Verleger und Sammler, war 1939 enteignet worden. 1942 kamen er und seine Frau in Auschwitz um, die Kinder konnten sich jedoch ins Exil retten.
Nach Kriegsende kam einer der Söhne nach Deutschland zurück und suchte die Sammlung des Vaters. Die befand sich zwar in Besitz der Stadt, es sei aber unzweifelhaft gewesen, dass sie der Familie Hinrichsen gehört, berichtet Kulturdezernent Georg Girardet. Dennoch sei über den Verbleib einiger Bilder in Leipzig mit den Nachkommen geschachert worden. „Das war in höchstem Maße unmoralisch“, sagt Girardet.

Um dies wieder auszugleichen, hat heute das moralische Argument auch einen hohen Stellenwert im Umgang der städtischen Museen mit der fragwürdigen Herkunft der Kunst. Im Zweifel müsse für den ehemaligen Eigentümer entschieden werden.

In der Stadtbibliothek stehen noch rund 150 000 Bände, deren Herkunft nicht geklärt ist. „Es gibt keine Dokumente mehr, die die ehemaligen Besitzer dieser Bücher klären“, sagt Girardet. Deshalb werden jetzt alle Bände gesichtet und nach Namen, Stempeln und Widmungen durchsucht.

M. HASBERG

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